Whic Samples: Ben Nevis und Tobermory

Whic Samples

Whic ist ein von mir geschätzter Versandhändler für Whisky, der vermutlich dem einen oder anderen Leser ebenfalls bekannt ist. Neben einem breiten Sortiment, absolut wettbewerbsfähigen Preisen und vielen informativen Artikeln zu diversen Themen der Whiskyherstellung und -lagerung füllt Whic auch eigene Fässer ab, die sie in den jeweiligen Destillerien kaufen. Darunter hatte ich schon den einen oder anderen leckeren Tropfen entdeckt (z.B. den Tobermory Vintage 1995).

Kürzlich nun kam Whic mit dem Vorschlag auf mich zu, ihre Abfüllungen einmal zu probieren und hier zu beschreiben. Der oben erwähnte Tobermory ist zwar längst vergriffen, aber es gibt eine neue Abfüllung aus derselben Destillerie. Und so landeten ein paar Tage später - denn natürlich nahm ich auf das Angebot an - Samples von eben diesem neuen Tobermory und einigen weiterer vergriffenen Abfüllungen in meinem Briefkasten.

Ich habe die Notes zu den Whiskies auf zwei Artikel aufgeteilt. Und wie immer, wenn es etwas Besonderes zu probieren gibt, habe ich die Samples mit meiner Frau gemeinsam probiert. Erstens bekomme ich so auch ihre Eindrücke, und zweitens macht es einfach viel mehr Spaß, wenn man solch leckere Tropfen gmeinsam genießt.

Ben Nevis 1996/2015

Es ging los mit einem Ben Nevis. Diese Destillerie in Fort Williams hat - wie viele andere Destillerien - eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Nach ihrer Gründung (1825) arbeitete sie sich in ihrer Beliebtheit so weit nach oben, dass man 1878 eine zweite Destillerie ("Nevis") gleich in der Nähe aufbaute, und die gemeinsame Produktionsmenge überstiegt die von Macallan oder Glenlivet bei weitem. Es folgten allerdings auch verschiedene Schließungen, Verkäufe, Wiedereröffnungen und erneute Schließungen. Heute produziert Ben Nevis für Nikka, die Gebäude der nicht mehr aktiven zweiten Destillerie werden noch als Warehouses genutzt. Nachdem auch Glenlochy, die dritte Destillerie in Fort Williams, 1983 geschlossen und später abgerissen wurde, ist Ben Nevis die einzige aktive Destillerie an diesem Standort.

Ich hatte Ben Nevis bisher immer mit Sherry- oder anderen süßen Finishes in Verbindung gebracht, aber hier hatten wir eine Abfüllung aus einem Ex-Bourbon Hogshead im Glas. Destilliert wurde er im Juni 1996, abgefüllt wurden nach 18 Jahren im April 2015 gerade einmal 126 Flaschen in Fassstärke mit 53,7%.

Colour: M5 (Senf)

Nose: In der Nase machen sich zuerst die typischen Noten aus Ex-Bourbon-Fässern bemerkbar: Holz und Vanille. Danach kommen etwas weniger intensiv fruchtige Noten von Beeren und trockenen Aprikosen. Manchmal (tatsächlich nicht jedes Mal, wenn man am Glas riecht) kommt auch ein leichter Stich der Alkoholschärfe durch. Und wenn man ihm genug Zeit gibt, erscheinen noch würzige Noten und süße Töne von Toffee, Karamell, Fudge und Honig.

Taste: auf der Zunge schlägt der Alkohol dann zu, ganz im Gegensatz zu dem eher zurückhaltenden Benehmen in der Nase. Dazu auch hier wieder Holz (diesmal bitter, und zwar im Lauf der Zeit zunehmend) und Vanille. Auch die würzigen Noten sind wieder da. Von den Süßigkeiten in der Nase ist nur eine leichte neutrale Süße übrig geblieben, Schokolade, Toffee und Co. finden wir nicht mehr.

Die bitteren Holznoten kann man mit etwas Wasser deutlich abmildern.

Finish: Das Finish schließlich ist lang, bissig, und die immer noch vorhandene Würzigkeit bleibt sehr lange am Gaumen "kleben".

Insgesamt ist der Ben Nevis ein guter und in Teilen sehr klassischer Whisky. Bemerkenswert für einen Ex-Bourbon-Ausbau (noch dazu nach so langer Zeit) sind die fruchtigen Noten in der Nase. Das hätte sicher nochmal mehr Spaß gemacht, wenn man die auch im Mund wiedergefunden hätte. Aber trotzdem: einer der besten Ex-Bourbon-Cask-Whiskies, die ich bisher getrunken habe, und das will bei meinen ganz anders gelagerten Vorlieben schon etwas heißen.

Wertung:

Der Whisky in der Whiskybase: 78590

Zur Destillerie gehts hier: Ben Nevis

Tobermory 1995/2016

Das hier ist die aktuelle Eigenabfüllung von Whic. Destilliert im Dezember 1995 hat der Tobermory 20 Jahre lang in einem American White Oak Hogshead gelegen, das zuvor vermutlich - wie beim Ben Nevis - amerikanischen Bourbon-Whiskey beherbergt hat. Abgefüllt wurden im August 2016 nur noch 90 Flaschen mit respektablen 55,8% Alkohol in Fassstärke. Kühlgefiltert wurde der Whisky nicht, und gefärbt auch nicht.

Colour: M4 (Bernstein)

Nose: Bei seiner Stärke nicht ungewöhnlich, schickt uns der Whisky zuerst einmal eine spürbare Portion Alkohol in die Nase. Danach kommen die für Tobermory so typischen, würzigen und ledrigen (Wildleder?) Noten, die ich sehr gerne mag, während meine Frau mich immer mit "Maggi" aufzieht, wenn es um Tobermory geht. Dann finden wir noch Kirsche und dunkle Schokolade. Letztere entwickelt sich im Laufe der Zeit immer mehr bis zur führenden Note.

Taste: Auch im Mund spüren wir zunächst mal den Alkohol. Ein bisschen beißt er schon, aber nicht unangenehm. Der Mund wird mit Karamellnoten geradezu ausgekleidet, und die leicht bitteren Holznoten und die typischen würzigen Noten müssen sich da erstmal durcharbeiten, bevor sie zu den Geschmacksknospen gelangen.

Finish: Das Finish ist warm und bleibt lange im Mund, auch nach mehrmaligem Schlucken ist noch etwas da. Im Hals bleibt weniger hängen.

Ich kann nicht anders: Whiskies aus Tobermory haben bei mir einen Vorsprung "right from the start" - ich mag sie einfach. Und wenn ich nicht schon so viele davon im Regal stehen hätte, dann wäre dieser hier sicher dazugekommen. Da war ich mir mit meiner Frau sogar einig.

Wertung:

Der Whisky in der Whiskybase: 87585

Zur Destillerie gehts hier: Tobermory

Zwei leckere Whiskies machten den Anfang des Tastingabends, und einen davon hätte ich mir beinahe gekauft. Warum ich es dann doch nicht getan habe und wie der Abend weiterging? Das erzähle ich bei nächster Gelegenheit. Bis dahin kann ich mich nur bei Whic für die Samples bedanken und jedem empfehlen, sich selbst einmal dort umzuschauen: bei den Eigenabfüllungen und natürlich auch im allgemeinen Shop.

Whisky ist ein alkoholisches Getränk. Gehen Sie verantwortungsbewußt damit um. Genießen Sie Qualität in kleinen Mengen. Gefährden Sie nicht Ihre Gesundheit.

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