Tomatin 2006 Germany First Edition

Tomatin 2006 Germany First Edition

Die Einrichtung des Whiskyzimmers geht so langsam voran, und der Wunsch eines Freundes nach Tastingnotes für den Tomatin 2006 Germany First Edition bot eine willkommene Gelegenheit zu einem "Betatest" der neuen Einrichtung.

Der Tomatin ist eine Sonderabfüllung für den deutschen Markt. Wenn ich die Jungs am Stand auf der Interwhisky richtig verstanden habe, dann ist der Anlass die Übernahme des Tomatin-Vertriebs in Deutschland durch den neuen Distributor "Sierra Madre". Und auch wenn der Name jetzt kein klassisch schottischer ist: ein Gespür für eine nette Destillerie und Abfüllung haben sie.

Der "Germany First Edition" ist zehn Jahre als (destilliert am 25.05.2006, abgefüllt am 10.11.2016) und hat im 1st Fill Oloroso Sherry Butt mit der Nummer #2840 gelegen. Herausgekommen sind 548 Flaschen mit satten 57,6% Alkohol.

Colour: M7 (Safran)

Nose: Da ist viel Sherry, das steht mal fest, und auch die typischen Noten, die mit Sherry einhergehen: Rosinen, Trockenfrüchte und Rum bis hin zum Rumtopf. Dazu ist Schokolade deutlich vorhanden. Der Running Gag des Abends war "Das riecht wie Ritter Sport Rum-Trauben-Nuss". Naja, und sooo weit war das gar nicht von der Wahrheit entfernt. Aber es gab durchaus noch mehr zu riechen, etwa die leichten Popcorn-Noten, süße Vanille (ohne Holznoten), Kuchenteig, Kakao und Earl Grey Tee: nicht so intensiv wie das Original, aber die Bergamotte-Noten waren schon deutlich. Insgesamt eine sehr vielfältige Komposition, und sehr intensiv. So viel hätte ich nach der für ein 1st Fill Sherryfass doch eher blassen Farbe gar nicht erwartet. Da sieht man mal wieder, dass die Farbe längst nicht alles ist.

Taste: Natürlich wird der Whisky zuerst mal unverdünnt probiert. Aber schon die Werte auf dem Papier waren uns Warnung genug, es vorsichtig anzugehen. Und zwar zu Recht. Der Tomatin ist sehr stark. Nicht nur vom Alkohol, aber 57,6% haben schon ihre Wirkung. Der nächste Eindruck überrascht: eine ziemlich intensive Bitterkeit auf dem Zungenrand. Und weiter geht es mit den Überraschungen: jetzt kommen andere Noten (Sherry, Rosinen, Früchte, Milchschokolade, Schokoladenkuchen, Kakao) zum Vorschein, aber die Bitterkeit bleibt mit wechselnder Intensität immer da. Wie in Wellenbewegungen scheint sie sich mal in den Hintergrund fallen zu lassen, während sie sich im nächsten Moment wieder nach vorne drängt. In der Summe ergibt das ein sehr spannendes (und ausgesprochen leckeres) Gesamtbild.

Finish: Und auch beim Abgang lässt sich dieser Whisky nicht lumpen: lang und geradezu heiß verklingt er. Zwar geht er nicht so sehr in Hals und Magen, sondern bleibt eher auf der Zunge, aber das tut der Sache wirklich keinen Abbruch.

Der Tomatin ist ein weit überdurchschnittlicher Whisky. Hoffentlich bekomme ich bei Gelegenheit nochmal eine Flasche davon. Im neuen Regal ist die Platzsituation ja jetzt wieder ein bisschen entspannter, da würde sich schon noch ein Plätzchen finden. Aber auch die gesamte Destillerie Tomatin verdient mehr Aufmerksamkeit, als ich ihr bisher zugestanden hatte. Wie schön, dass man beim Whisky immer wieder Neues findet, was einen Blick und Schluck wert ist.

Wertung:

Der Whisky in der Whiskybase: 89898

Zur Destillerie gehts hier: Tomatin

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