Alle Artikel vom 7. Mai 2019.

×

Aberlour 21 yo Whic

Aberlour 21 yo Whic

Gewissensbereinigung, die Dritte. In der Samplekiste lag noch ein dritter Dram von Whic, nämlich ein Aberlour 21 yo aus der Architecture of Taste Serie. Der lag auch schon länger da als die beiden zuletzt beschriebenen - wenn auch nicht ganz so lang, wie er älter ist.

Aberlour in der Speyside ist für seine sherrylastigen Abfüllungen bekannt. Einen reinen Ex-Bourbon Fass gereiften Whisky aus dieser Destillerie hatte ich bisher noch nie im Glas. Aber da ich dieses Experiment auch mit anderen Destillerien schon erfolgreich gemacht hatte, hatte ich hier durchaus eine hohe Erwartung.

Der Aberlour hat seine 21 Jahre in einem Hogshead verbracht, also in einer Fassform, die etwas größer ist als die klassischen amerikanischen Barrels. Das könnte bei dem Alter durchaus interessant sein. 122 Flaschen wurden mit 59,8% Alkohol abgefüllt.

Colour: M5 - Senf

Nose: Na, wenn das kein verheißungsvoller Auftakt für eine Verkostung ist. Schon beim allerersten Eindruck gehen unsere Meinungen deutlich auseinander. Ich finde ihn nur mäßig süß, meine Frau findet ihn sehr süß. Natürlich hat sie Recht, und das nicht etwa, weil ich meine sprichwörtliche Ruhe haben will, sondern weil meine Frau die deutlich bessere Nase hat als ich. Und da es dafür reichlich Zeugen gibt, lohnt es sich auch gar nicht, das abzustreiten. (aber ich fand den Whisky trotzdem nicht sehr süß. ). Alkohol (und ab hier sind wir uns wieder einig) finden wir nicht sehr viel in der Nase. Ein paar säuerliche Noten sind da, wenig Holz und viel Bubblegum und Früchtetee.

Taste: Auf der Zunge ist der Aberlour dann ziemlich stark alkoholisch, aber noch viel süßer als gedacht (und als ich ihn in der Nase gefunden habe). Der Whisky macht die Zunge ein wenig rauh, und er hat irgendwas, was mich ... hmm ... mentholisch? Nein, das ist es nicht, aber was dann? Auch meine Frau hat noch eine Note, bei der sie erfolglos nach einer Beschreibung sucht, aber Menthol oder etwas ähnliches ist es ganz bestimmt nicht, wie sie mir im Brustton der Überzeugung zu verstehen gibt.

Finish: Der Geschmack hält sich lange am Gaumen, geht aber auch tiefer. Bei weiteren Schlucken hält er sich noch deutlich länger am Gaumen, als ob irgendwelche Reste dort kumulieren.

Wertung:

Tja, und jetzt? Gar nicht so einfach, einen Whisky zu beurteilen, wenn die Meinungen darüber so weit auseinander gehen. Eigentlich sind wir uns - abgesehen von unterschiedlichen Vorlieben - meistens einig, was die objektive Bewertung von Whiskys angeht. Ich habe jedenfalls den Eindruck, dass mein Experiment (Ex-Bourbon Whisky aus einer Destillerie, die für Sherry-Whiskys bekannt ist) schonmal besser geklappt hat. Das heißt nicht, dass ich ihn nicht mag (sonst hätte er keine drei Sterne bekommen, was bedeutet, dass ich mir eine Flasche davon im Regal durchaus vorstellen kann), aber die beiden anderen Drams des Abends (siehe hier und da) haben dem Aberlour so ein wenig den Rang abgelaufen.

Der Whisky in der Whiskybase: 115142

Zur Destillerie gehts hier: Aberlour

Ben Nevis 17 yo Whic

Ben Nevis 17 yo Whic

Im gleichen Päckchen wie der Glen Moray steckte auch ein Sample einer weiteren Abfüllung von Whic. Es handelte sich um einen Ben Nevis 17 yo aus der Architecture of Taste Serie, ebenfalls aus einem Hogshead, und der Farbe nach war das auch ein Ex-Bourbon Fass. Nach 17 Jahren im Fass waren noch 90 Flaschen mit 55,3% Alkohol übrig. Ein paar davon stehen sogar noch bei Whic im Shop.

Colour: M5 - Senf

Nose: Die Basis, auf der sich die Aromen auftun, ist ein bisschen säuerlich und frisch. Kräuter machen für mich den wesentlichen Teil der Aromen aus. Zusammen mit der säuerlichen Frische ist man versucht, an Almdudler zu denken, aber das verwerfe ich gleich wieder. Da ist keine Limonade, auch wenn die Noten auch eine gewisse Süße haben. Die Kräuter erinnern mich eher an so einen Kräutermantel, mit dem man ein gutes Stück Fleisch zubereiten kann. Ganz dezent natürlich, nicht dass jetzt jemand an Schnitzel und Panade denkt. Immerhin deutlich genug, dass sich meine Frau sicher ist, dass es französische Kräuter sind. Da kann ich aber (mangels hinreichend gutem Riechvermögen) denn doch nicht mitgehen. Immerhin sind wir uns noch über Alkohol (gar nicht mal wenig) und ein paar malzige Noten im Hintergrund einig.

Taste: Auf der Zunge kommt der Ben Nevis zuerst mal sehr vollmundig daher, da nimmt man einen kleinen Schluck und der Mund ist voll. Und dabei spielt der Alkohol eigentlich keine Rolle, denn der ist extrem schön eingebunden in eine schon zuckrige Süße. Dazu lecker kräuterig und würzig (was man Ben Nevis ja ohnehin nachsagt). Für sein Alter hat er wenig (aber nicht kein) Holz. Und überhaupt Alter: seine 17 Jahre merkt man ihm nicht an. Und das meine ich jetzt nicht abwertend. Im Gegenteil: der ist schon eher jung geblieben.

Finish: Das Finish ist lang auf der Zunge, geht aber nicht tief. Lecker! Auffällig ist, dass der Geschmack nach dieser langen Zeit ziemlich plötzlich verschwindet.

Wertung:

Ben Nevis ist so eine Destillerie, bei der man die Qualität der Whiskys nur schwer vorhersagen kann. Da gibt's nur wenig Mittelmaß, entweder sie schmecken sehr gut oder gar nicht. Dieser hier gehört definitiv in die "sehr gut" Kategorie.

Der Whisky in der Whiskybase: 126803

Zur Destillerie gehts hier: Ben Nevis

Glen Moray 11 yo Whic

Glen Moray 11 yo Whic

So ein schlechtes Gewissen ist ja keine angenehme Sache. In diesem Fall allerdings hatte ich das Vergnügen, dass sich ein ausgesprochen schmackhafter Abend daraus entwickelte. Wie das kam? So ...

Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, wie die Sache eigentlich angefangen hat, aber vor einer ganzen Weile hat Whic begonnen, mir hin und wieder mal ein Sample ihrer Abfüllungen zu schicken. Die habe ich dann verkostet und hier beschrieben. Solange ich dabei immer meine eigene Meinung schreiben darf (auch wenn mir ein Whisky mal nicht so schmeckt) und immer klarstelle, dass es sich bei diesem oder jenem Whisky um ein spendiertes Sample handelt, finde ich das auch in Ordnung und habe keine Angst um meine unabhängige Meinung. Und so wie ich Whic kennengelernt habe, decken sich unsere Meinugen da.

Nun habe ich natürlich auch andere Dinge zu tun als Whiskys zu probieren. Manche bringen mir Geld ein (das nennt sich Arbeit), manche kosten Geld, und alle kosten Zeit. Irgendwann bin ich einfach nicht mehr hinterher gekommen mit meinen ganzen Samples (und großen Flaschen ...). Und als ich dann wieder ein bisschen Luft bekommen habe, regte sich das schlechte Gewissen, denn auch einige Tropfen von Whic waren in dem sprichwörtlichen Samplestau hängen geblieben. Bis kürzlich eine höfliche Nachfrage den Pfropfen im Stau ein bisschen gelöst hat. Wir haben uns nämlich gestern hingesetzt und ein paar Drams probiert. Womit wir beim leckeren Teil des schlechten Gewissens wären ...

Im Glas war ein Glen Moray 11yo, den es im Shop leider schon nicht mehr gibt. Und wer jetzt glaubt, dass ich jemandem hier eine lange Nase drehen will: die drehe ich in erster Linie mal mir selbst. Denn soweit kann ich die Bewertung schonmal vorwegnehmen: davon hätte ich gerne mehr (gehabt).

Der Glen Moray aus der Nymphs of Whisky Collection wurde am 13.11.2007 destilliert und nach fast exakt 11 Jahren am 27.11.2018 abgefüllt. Aus dem Bourbon Hogshead #5307 kamen 227 Flaschen heraus, die mit 61,9% noch eine ganze Menge Alkohol enthalten.

Colour: M5 - Senf

Nose: Dass man in einem Ex-Bourbon Whisky Vanille riecht, wundert wohl niemanden. Dass es so viel war, hat aber zumindest mich überrascht. (Und das wurde im Laufe des Abends noch mehr!). Außerdem roch das alles nach einer Gemengelage aus Butter, Fudge, Shortbread, ein paar Mandeln, sehr reifen Bananen und Schlagsahne. Wir schwankten zwischen "In der Weihnachtsbäckerei" und "Ja ist denn scho Weihnachten?". Immerhin fanden wir auch noch frisches Holz, Alkohol (aber schön dezent, ganz im Gegensatz zu der Zahl auf dem Etikett) und Vollmichschokolade. Ganz spät wurde das Aroma auch noch ein bisschen blumig, allerdings - und das ist selten für einen Whisky - überhaupt nicht fruchtig.

Taste: So, hier ist der Alkohol also. Auf der Zunge ist der Whisky zuerst ganz schon scharf. Wenn man ihn eine Weile im Mund behält und ihn mit Speichel (der läuft einem ja sowieso im Munde zusammen) verdünnt, dann macht der Alkohol schnell andern Noten Platz. Der Glen Moray wird jetzt sehr süß, all die Noten von süßem Gebäck, die wir schon in der Nase hatten, sind jetzt auch auf der Zunge, diesmal mit Butterkeks ganz vorne an der Front. Aber auch ganz leichte Holz- und Bitternoten sind da, die einen sehr schönen Kontrapunkt zu der massiven Süße bilden. Später dann macht der Whisky den Mund trocken (das ist wörtlich gemeint und keine andere Ausdrucksweise für "adstringierend"!), und kurz bevor er weg ist, schickt er mir noch eine kurze sehr dezente Mentholnote.

Finish: Aber was heißt "weg"? Der Geschmack hält sich lange auf der Zunge, und im Hals breitet sich eine angenehme Wärme aus.

Wertung:

Wenn alle Ex-Bourbon Whiskys so schmecken würden wie dieser Glen Moray, dann müsste ich meine Neigung zu Sherry-, Port-, Amarone- und was-es-sonst-alles-noch-so-für-Fässer-gibt wohl nochmal überdenken. Und wie gesagt: wenn es ihn noch gäbe, dann würde sich dafür bestimmt noch ein Plätzchen in meinem Regal finden. Und Glen Moray - ich fürchte, ich wiederhole mich - gehört definitiv zu den Destillerien, um die ich mich bisher zu wenig gekümmert habe ...

Der Whisky in der Whiskybase: 125485

Zur Destillerie gehts hier: Glen Moray

Whisky ist ein alkoholisches Getränk. Gehen Sie verantwortungsbewußt damit um. Genießen Sie Qualität in kleinen Mengen. Gefährden Sie nicht Ihre Gesundheit.

© 2015 - 2019 Drambo.