Aberlour Glenlivet 1965

Aberlour Glenlivet 1965

Nach den langen Artikeln der letzten Zeit (Tastings, Barbesuche, Samplekollektionen) wird es mal wieder Zeit für einen Einzelwhisky. Ich hatte über Facebook ein Sample eines nicht alltäglichen Whiskies gekauft. Es handelte sich um einen Aberlour-Glenlivet 8yrs von 1965 mit 50%. Nicht alt, was die Fasslagerung angeht, aber es ist schon ziemlich lange her, seit man diesen Tropfen destilliert hat - in meinem Geburtsjahr, was ihn für mich interessant gemacht hatte. Die Originalflasche habe ich natürlich nicht bekommen, dabei wäre dieser klassische Würfel sogar leer ein Schmuckstück für die Vitrine gewesen.

Der Namenszusatz "Glenlivet" stammt übrigens aus einer Zeit, in der sich die umliegenden Destillerien gerne mit dem Namen ihres berühmten Nachbarn schmückten. Dabei hätten sie das doch gar nicht nötig gehabt.

Colour: M7 (Safran)

Nose: Die erste Wahrnehmung ist die von Alkohol. In immerhin 43 Jahren in der Flasche hat der Whisky also offensichtlich nicht viel davon verloren. Danach kommen süße Noten, ein paar Nüsse und Holz, das ein wenig muffig erscheint. Schließlich ist da noch Fruchtkompott auf Marzipan, das erinnert ein bisschen an die in der Weihnachtszeit fast unvermeidlichen Niederegger "Pralinen". Mit einem Tropfen Wasser kommen noch leichte Gerstentöne zum Vorschein.

Taste: Auch auf der Zunge ist der Alkohol erstmal ganz schön scharf. Dann kommt das Holz durch, zunächst süß, mit der Zeit immer bitterer. Hinter allem ein schönes Gefühl von Wärme. Mit einem Tropfen Wasser werden (komischerweise) sowohl die Süße als auch die Bitternoten intensiver. Und wenn man ihm viel Zeit gibt, dann kommen irgendwann noch Fruchtnoten dazu, die ihm sehr gut tun.

Finish: Der Abgang ist warm und sehr lang in Mund und Backen. Im Hals kommt nicht so viel an.

So wirklich meiner war das nicht. Schade, denn wenn man einen so besonderen Tropfen hat, dann erwartet man auch etwas besonderes von ihm. Das klappt halt nicht immer. Immerhin habe ich mein Urteil noch einen halben Stern nach oben korrigiert, als ich die Fruchtigkeit nach viel Zeit entdeckt habe.

Und noch etwas bemerkenswertes: Wir haben noch mit einem Stück Marzipan (war noch da von Weihnachten) herumprobiert, mit verblüffendem Effekt: Der Whisky deckt die Süße des Marzipans ab, dadurch kommt der Mandelgeschmack sehr deutlich durch. Das wiederum war sehr lecker.

Wertung:

Der Whisky in der Whiskybase: 5993

Zur Destillerie gehts hier: Aberlour

Tasting: Whisky und Praline 2016

Whisky und Praline 2016

Kurz vor dem Jahreswechsel - ich bin mal wieder spät dran mit meinem Artikel - gab es noch ein Highlight zu genießen: sechs Whiskies, jeder mit einer speziell dafür komponierten Praline. Gastgeber war diesmal nicht Michael allein, sondern er hatte Solvejg dazugebeten. Dass die beiden ein exzellentes "Genussteam" sind, hatten wir ja schon bei anderen Gelegenheiten erfahren, und so war es keine Frage, dass wir auch beim diesjährigen "Whisky und Praline"-Tasting dabei waren. Das hatten sich auch viele andere Genießer gedacht: der Saal war voll wie nie.

Balvenie Triple Cask, 16 yrs, 40%, Speyside

Es ging los mit einem Whisky aus der Speyside. Um den Balvenie Triple Cask zu kreieren, wurde der Whisky nicht, wie sonst üblich, nacheinander in verschiedenen Fässern gelagert, sondern es wurden drei Fasstypen "vermählt". Ich habe keine Angabe darüber gefunden, welche Fasstypen das waren, also versuchen wir es mit unseren Geschmacksnerven ...

Colour: M9 (Terracotta)

Nose: Es geht los mit einem ganzen Feuerwerk aus Düften: Holz, etwas Sherry, würzige Noten, Trockenfrüchte. Überhaupt ist der Eindruck recht fruchtig. Der Whisky ist - obwohl man den Alkohol durchaus findet - eher leicht.

Taste: Auf der Zunge ist das Holz ebenfalls deutlich, und im Gegensatz zur Nase hat es hier auch einige Bitternoten. Der Alkohol ist für die nicht üppigen 40% erstaunlich präsent, aber der Whisky ist sehr süß. Je mehr Zeit man sich nimmt, desto deutlicher dominieren Rosinen, Trockenfrüchte und Cranberries.

Finish: Das Finish ist nicht besonders lang, aber dabei weich und rundum angenehm.

Die Praline zum Whisky: Solvejg hatte gleich zu Anfang eine Kreation aus ungewöhnlichen Zutaten für uns bereit. Sind Mandeln und dunkle Schokolade noch keine große Überraschung, so zauberten uns Salz, Knäckebrot und Butterpopcorn doch einige erstaunte Falten auf die Stirn. Aber die Praline war sagenhaft (ich übernehme einfach mal wörtlich den Begriff aus meinen Notizen), und Whisky und Praline passen exzellent zusammen. Bei dieser Kombination stand eindeutig die Harmonie im Vordergrund.

Der Whisky in der Whiskybase: 41838

Cairn Guish, 12 yrs, 61%, Speyside, Spirit of Caledonia

Wir blieben zwar auch mit dem zweiten Whisky in der Speyside, aber ansonsten war das das schon etwas ganz anderes. "Cairn Guish" ist keine Destillerie, sondern der Name eines Hügels. Der Name der Destillerie darf bei dieser unabhängigen Abfüllung nicht genannt werden, aber wer weiß, dass der Cairn Guish unmittelbar neben der Destillerie von Glenfarclas liegt, der kann sich an zwei Fingern ausrechnen, woher der Whisky kommt.

Der Whisky wurde am 10.05.2004 destilliert und am 26.06.2016 abgefüllt. Den größten Teil dieser Zeit hat er in einem Refill Bourbon Hogshead (Cask #42) verbracht, bevor er für eine hochinteressantes Finish in ein Ex-Ledaig-Fass umgefüllt wurde, also der rauchigen Variante der Destillerie Tobermory. Ganze 285 Flaschen gibt es davon.

Colour: M2 (Mais)

Nose: Man riecht hier sehr intensiv die Alkoholstärke, außerdem Holz, Vanille und - aus dem Ledaig-Fass - Rauch. Alte Teeblätter mischen sich unter diese Aromen, aber auch fruchtige Noten, die an New Make, also frisches Destillat, erinnern.

Taste: Auch auf der Zunge sind Rauch und Akohol sehr präsent, außerdem bittere und süße Noten, die sich sehr schön ergänzen.

Finish: Das Abgang ist lang und warm.

Die Praline zum Whisky: Auch die Praline zu diesem Whisky hatte es in sich. Neben Koriandersaat, Fudge und Vanille enthielt sie Orangenmarmelade und Birne. Welch eine Mischung aus bitteren und süßen Geschmacksnoten. Aber auch welche geniale Ergänzung zum Whisky, der mit derselben Kombination aufwartete. Und je nachdem, welche Geschmacksknospen gerade mit ihren Meldungen zum Gehirn "durchkamen", wechselten Ergänzung und Reibung, Harmonie und Spannung in kurzen Abständen hin und her. Eine Achterbahn der Genüsse! Ach, und noch etwas: wenn man Whisky und Praline gemeinsam in den Mund nimmt, dann verschwindet die Alkoholschärfe komplett, während es einem beim "Nacheinander" (zuerst die Praline, danach den Whisky) die Sprache verschlägt, weil der Whisky gnadenlos zuschlägt. Alles in allem: eine unglaubliche Kombination, klarer Gewinner des Abends - und das bei weitem nicht nur bei mir.

Der Whisky in der Whiskybase: 84722

Ardbeg Uigeadail, NAS, 54,2%, Islay

Nun stand ein kleiner Ausflug auf die Inseln vor der Westküste auf dem Programm. Ardbeg ist bekannt für seine exzellenten Standardabfüllungen, und der Uigeadail ist eine davon. Wie alt er ist, weiß man nicht, aber die Mischung aus 90% Ex-Bourbon- und 10% Sherryfässern ist kein Geheimnis. Da ich diesen Whisky schon kannte, konnte ich mich zunächst zurücklehnen und genießen. Ein paar Notizen habe ich mir natürlich trotzdem gemacht.

Colour: M8 (Kupfer)

Nose: Hier finde ich alles, was ich an Ardbeg liebe: Rauch, Salz und See, dazu dezenter Sherry. Die klassische "Moorleiche" lässt sich ein bisschen bitten, aber am Ende riecht man auch sie.

Taste: Auf der Zunge ist der Sherry deutlicher, dafür hält sich der Rauch im Hintergrund. Neu kommen Karamellnoten hinzu.

Finish: Der Abgang ist so, wie man es von einem Ardbeg moderner Prägung erwartet: lang und intensiv.

Die Praline zum Whisky: Der Uigeadail hat viele Liebhaber, und Solvejg gehört dazu. Deshalb konnte man erwarten, dass es auch hier eine hervorragend zum Whisky passende Praline geben würde. Als Zutaten waren darin China Lapsong Souchong Tee, Chili, Meersalz, Lakritz und Räuchertofu enthalten. Für sich genommen war das eigentlich eine Kreation mit vielen Gegensätzen: sanfter Tee mit scharfem Chili, Salz und Salmiak mit Räuchernoten. Das Faszinierende hier war, dass sich alles mit dem Whisky zu einem leckeren Curry vereinigte. Auch wenn die Kombination nicht ganz an den Cairn Guish mit seiner Orangen-Birnen-Praline herankam, war das für mich eindeutig die zweitbeste Kombination des Abends, wobei der Reiz diesmal nicht in den Gegensätzen, sondern im Zusammenspiel lag.

Der Whisky in der Whiskybase: 77011

Macallan Sherry Oak, 12 yrs, 40%, Speyside

Zurück in die Speyside. Macallan gilt als eines der Flagschiffe der Malt Whisky Industrie. Ehrlich gesagt, mir ist diese Destillerie eher selten ins Glas gekommen. Allein das ist schon mal ein Grund, ihn sich näher anzusehen.

Colour: M10 (Hennarot)

Nose: In der Nase ist das - nicht verwunderlich - ein ganz klassischer Sherryvertreter. Wir finden Sherry, Rosinen, andere Trockenfrüchte, Rum und Punsch.

Taste: Auch auf der Zunge ist der Macallan jetzt nicht deutlich anders als zu erwarten war. Natürlich ist auch hier wieder Sherry dabei, dazu Rosinen, Trockenfrüchte und Rumtopf. Neu finden wir Schokoladennoten und ein paar Andeutungen von Malz. Bemerkenswert: der Alkohol (ich hätte beinahe geschrieben "der nicht vorhandene Alkohol", aber 40% sind es ja denn doch) ist recht präsent.

Finish: Das Finish ist ganz schön lang (was ich bei nur 40% Alkohol überraschend fand), aber weich.

Die Praline zum Whisky: Auch hier hatten wir alles andere als eine Standardpraline. Die enthielt Muskatnuss (was bei mir Erinnerungen an die Kindheit auslöste - meine Großmutter hatte immer eine Muskatnuss samt Reibe im Schrank liegen), Kokosblütenzucker, Printen und Zartbitterschokolade. Gekrönt war die Praline mit ein paar "Streuseln" aus Cranberries. Lecker, aber ohne wirkliche Chance gegen die schon beschriebenen Favoriten des Abends. In der Kombination mit dem Whisky macht die Praline den Macallan intensiver, und der Gegensatz zur süßen Praline lässt ihn herber wirken. In meinen Augen gewinnt er dadurch.

Der Whisky in der Whiskybase: 115

Kilkerran, 12 yrs, 46%, Campbeltown, Glengyle Distillery

Noch einmal verlassen wir die Speyside und reisen nach Westen. Diesmal landen wir allerdings nicht auf einer Insel, sondern in Campbeltown, der ehemaligen Whiskyhauptstadt Schottlands. Von den ehemals um die 30 Destillerien sind heute noch ganze drei übrig geblieben, unter anderem Glengyle, die ihren Whisky aus namensrechtlichen Gründen nicht unter dem Namen der Destillerie verkaufen dürfen. Stattdessen füllt man die Whiskies unter der Bezeichnung Kilkerran ab. Seit Jahren gibt es verschiedene WIP (Work in Progress) Abfüllungen, und seit ein paar Monaten nun den 12-jährigen als ersten "echten" Whisky. Nun ja, die WIPs, die ich probiert habe, kamen mir auch schon ganz schön echt vor. Aber heute war es der 12 yrs.

Colour: M5 (Senf)

Nose: Der Kilkerran riecht frisch und süß. Holz und Vanille finden wir, und eine Fruchtigkeit (mit Zitrusfrüchten, Banane), die an frisches Destillat, also den New Make Spirit, erinnert.

Taste: Auch auf der Zunge finden wir die Frische, Süße und Fruchtigkeit, die schon in der Nase da waren. Aber hier kommen auch kräftigere Noten dazu: Pfeffer, Honig und etwas ölig Wirkung.

Finish: Der Abgang ist lang und spielt sich hauptsächlich im Hals ab. Am Ende wird der Eindruck leicht salzig.

Die Praline zum Whisky: Frische und Süße auf der einen Seite, Pfeffer auf der anderen. Wie muss die dazu passende Praline aussehen? Pfeffer gehört hinein, außerdem Kartoffelchips, Butterkeks und Milchschokolade. Komische Zusammenstellung? Natürlich nicht! Im Gegenteil. Erst süß, dann scharf. Und die Praline spielt mit den Noten im Whisky. Nimmt man einen Schluck Whisky nach der Praline, holt er viel von dem Pfeffer aus der Praline, die schön weich und rund wird. Nimmt man Whisky und Praline zusammen, wird der Pfeffer noch verstärkt. Na gut, die Erinnerung an Haggis-Chips, die am Ende noch auftaucht, verbuche ich dann eher unter Kuriositäten ...

Der Whisky in der Whiskybase: 85213

Speyside Distillery, 20 yrs, 54,1%, Speyside, 1995 - 2016, Ex-Bourbon-Cask, 50 botttles, Taste-ination

Zum Schluss gab es nochmals einen alten Bekannten: die Messeabfüllung zur ersten Kronberger Genussmesse hatten nicht nur wir, sondern auch Solvejg schon mal im Mund gehabt. Ich hatte damals (mit Lars, Michael und meiner Frau zusammen) die Tastingnotes dazu erstellt, Solvejg hatte eine Praline zur Messe speziell für diesen Whisky entworfen. Leichtes Spiel also? Mitnichten. Die Erinnerungen waren weg, und das Rezept der ersten Praline ebenso. Fangen wir also von vorne an ...

Colour: M6 (Ocker)

Nose: In der Nase ist das ein feiner, aber ganz klassischer Whisky, Holz und Vanille herrschen vor, dazu ein paar süße Noten. Und den Alkohol kann man nicht übersehen. Übersehen? Überriechen? Egal, man kommt jedenfalls nicht daran vorbei.

Taste: Und auch im Mund setzen sich die Eindrücke aus der Nase fort. Holz und Vanille, Schärfe (vom Alkohol). Außerdem schmeckt man ihm sein Alter deutlich an.

Finish: Der Abgang schließlich ist mittellang und hat immer noch eine gewisse Schärfe.

Die Praline zum Whisky: Die letzte Praline des Abends war nun eine fast klassische Süßigkeit aus Fudge, Marzipan, Walnuss, Pekanuss, Bitterschokolade und Vanille. Nimmt man einen Schluck Whisky nach der Praline, so wirkt der Whisky recht bitter - wohl im Kontrast zu der süßen Praline. Zusammen genossen macht die Praline den Whisky scharf und pfeffrig, geradezu bissig. Ein Paukenschlag zum Abschluss.

Der Whisky in der Whiskybase: 80992

Fazit

Das Fazit kann ich ganz kurz machen: es gibt wenige Gelegenheiten, bei denen man eine solche Geruchs-, Geschmacks- und vor allem Genussvielfalt erleben kann wie ein Tasting, bei dem Whisky und Pralinen so perfekt aufeinander abgestimmt sind. Und das funktioniert nur, wenn zwei Meister ihres Faches ihre Fähigkeiten kombinieren. Wer die Gelegenheit hat, ein solches Tasting zu erleben, der sollte sie ohne zu zögern ergreifen!

Zum Veranstalter gehts hier: malt'n'taste

Zu den Süßigkeiten gehts hier: Das Bernsteinzimmer: yes

Ein Abend im Paradies: The Auld Alliance

ShortWhiskyDescription

Bis man das Geld für einen großen Urlaub zusammengespart hat, kann es schon mal ein paar Jahre dauern. Als wir angefangen haben, immer wieder mal etwas Geld für eine Reise nach Südostasien zurückzulegen, hatte ich noch nicht wirklich viel mit Whisky zu tun. Letzten Monat nun war es so weit, und eine der Stationen war Singapur. Faszinierende Stadt, ohne Zweifel, aber der Anlass dieses Artikels ist ein Kleinod, das ich ohne den Tipp eines Whiskybekannten sicher nicht gefunden hätte.

Wir waren in der "Auld Alliance", einer Whiskybar. Um genau zu sein: der Whiskybar der Stadt. Gedämpfte Beleuchtung, opulente Ledersessel, Raritätenvitrinen und Barregale, in der in anderen Bars das Gesamtsortiment locker Platz gehabt hätte - hier gefüllt mit ausschließlich Whisky.

Nachdem wir einen Platz gefunden und die Vitrinen (drei Flaschen Black Bowmore, ein Springbank von 1941) ehrfürchtig bestaunt hatten, kam der Kellner mit der Karte. Ich war gewarnt worden, dass die Preise gesalzen sein würden, also wählten wir immer das kleinste Glas (2cl), so dass wir ein bisschen mehr von der immensen Auswahl genießen konnten. Natürlich haben wir alle Whiskies des Abends gemeinsam verkostet. Zugegeben: billig war der Abend nicht. Aber er hat mich erheblich weniger gekostet hätte, als ich vorher gedacht hätte, wenn ich unsere Liste gesehen hätte. Und er war jeden (Singapur-)Dollar wert!

Auf Wertungen habe ich diesmal verzichtet. Das würde diesen Schätzen einfach nicht gerecht.

Bunnahabhain 40 yrs "Infinity" 1974 for Samaroli, 43,6%

Meine Frau startete mit einem Bunnahabhain aus ihrem Geburtsjahr. Abgefüllt 2014 brachte er es dann auf stolze 40 Jahre. Es handelte sich um eine Einzelfassabfüllung (Cask 604) und auf dem Tisch stand Flasche #132/199.

Wenn ich sage, die Flasche stand auf dem Tisch, dann meine ich das wörtlich. Der Kellner brachte nicht nur die Gläser (jeweils eines mit einem kleinen Farbpunkt markiert), sondern er stellte uns auch die Flaschen hin, die wir also in Ruhe inspizieren (und fotografieren) konnten.

Colour: Gold

Nose: Ex-Bourbon-Noten: Vanille und Holz. Erst nach einigen Minuten öffnen sich die für Bunnahabhain typischen würzigen und süßen Noten, außerdem ein leicht blumiger Duft.

Taste: Schon beim ersten Schluck ist der Whisky vollmundig (aber nicht penetrant). Die Holznoten haben jetzt die Überhand gewonnen, aber ein Gewürz ist noch da, das wir leider nicht identifizieren können. Und man schmeckt das immense Alter, der Whisky zieht den Speichel aus den Wangen.

Finish: Der Abgang ist dann nicht mehr lang, Der Whisky verflüchtigt sich schnell. Ob das ein Effekt des Alters ist, weiß ich nicht. Ein MAngel an Qualität und Genuss ist es jedenfalls nicht!

Der Whisky in der Whiskybase: Tja, auch die größte Datenbank hat ihre Grenzen. Oder ich. Diesen Whisky habe ich in der Whiskybase nicht gefunden.

Zur Destillerie gehts hier: Bunnahabhain

Glenlochy 40 yrs Gordon&MacPhail, 43%

Auch mein Start in den Abend war vierzig Jahre alt. Allerdings stammte er aus einer Destillerie, die schon 1983 geschlossen wurde. Glenlochy war neben den Schwesterdestillerien Nevis und Ben Nevis (nur letztere produziert noch) die dritte Brennerei in Fort Williams am südlichen Ende des Great Glen.

Destilliert wurde der Whisky 1968, abgefüllt 2008, und dazwischen lag er in Refill Sherry Hogsheads.

Colour: Farbe hat er nicht viel abbekommen. Der Whisky ist eher hell.

Nose: In der Nase sind vornehmlich Sherrynoten vorhanden. Neben dem Sherry selbst rieche ich Rosinen und Rum. Und ein bischen blumig ist er auch.

Taste: Die Zunge badet in Sherry. Der Whisky ist weich, warm und schön präsent auf der Zunge. Ein paar Tabaknoten und ein wenig Honig kommen noch dazu. Später finde ich noch Holznoten, die sich ohne jede Bitterkeit dazugesellen.

Finish: Der Abgang ist lang und warm.

Der Whisky in der Whiskybase: 11204

Zur Destillerie (Wikipedia) gehts hier: Glenlochy

Rare Ayrshire (Ladyburn) 37 yrs Signatory Cask Strength Collection, 49,8%

Signatory verkauft den Whisky zwar nicht unter dem Namen der Destillerie (vermutlich aus rechtlichen Gründen), aber man hat einen durchaus passenden Namen gefunden, denn eine Seltenheit aus Ayrshire sind Whiskies der Destillerie Ladyburn allemal. Auf dem Gelände von Girvan in den Lowlands wurde mit Ladyburn eine zweite Destillerie gebaut, nämlich eben Ladyburn. Anscheinend hat man sich aber verkalkuliert, denn bereits nach neun Jahren wurde Ladyburn wieder geschlossen und wenige Jahre danach abgerissen. Hinterlassen hat uns diese Fehlkalkulation ein paar seltene und teure Abfüllungen. Wie gut diese sind, konnten wir testen.

Der Ladyburn wurde am 24.10.1975 destilliert und am 22.10.2013 abgefüllt. Gelegen hat er in einem Bourbon Barrel (Fass #3423), und auf dem Tisch stand Flasche #141/177.

Colour: Gold

Nose: Der Ladyburn gibt sich in der Nase leicht und fruchtig. Wir finden Orange und Grapefruit, außerdem Holz und Vanille aus dem Bourbonfass. Später gesellt sich überraschenderweise noch Popcorn dazu.

Taste: Und auf der Zunge? Holznoten (diesmal ohne Vanille) und der Geschmack des Alters. Außerdem ein regelrechter Obstsalat!

Finish: Das Finish ist mittellang und eher unspektakulär.

Der Whisky in der Whiskybase: 58369

Zur Destillerie (wikipedia, Girvan) gehts hier: de.wikipedia.org/wiki/Girvan_(Whiskybrennerei text:Ladyburn popup:yes)

Glenugie 33 yrs Signatory Cask Strength Collection, 57,2%

Während meine Frau mit dem Ladyburn einen Ausflug in die Lowlands gemacht hatte, ging es für mich in den Osten Schottlands. In der Nähe von Aberdeen gab es seit 1831 (mit verschiedenen Unterbrechungen) die Destillerie Glenugie. Auch sie wurde 1983 - dem schwarzen Jahr für viele Destillerien - endgültig geschlossen.

Wir hatten eine Abfüllung von Signatory, die am 20.12.1977 destilliert und am 14.01.2011 abgefüllt wurde. Die Reifung fand statt in Hogsheads/Sherry Butt #2", vielleicht also ein Finish im Sherry Butt? Auf dem Tisch stand Flasche #133/573.

Colour: Sherry, leicht rötlich

Nose: Auch der Glenugie kommt zunächst mal mit Sherrynoten in der Nase daher, mit spürbarem Alkohol (aber weich, da ist keine Schärfe). Ich finde kaum Süße, der Whisky riecht eher würzig, später dann wandeln sich die Noten zum Eindruck eines milden Currys.

Taste: Auf der Zunge schmeckt man ebenfalls den Sherry. Und auch hier: kaum Süße, das ist eher ein trockener Sherry. Der Alkohol ist bei der Stärke auf der Zunge nicht zu übersehen. Und auch Holznoten und eine gehörige Portion Säure sind da. Insgesamt ist der Glenugie sehr präsent.

Finish: Der Abgang schließlich ist lang, bleibt aber im Mund.

Der Whisky in der Whiskybase: 21179

Zur Destillerie (Wikipedia) gehts hier: Glenugie

Laphroaig 20 yrs The Perfect Dram, 52,8%

Mit Runde drei öffneten wir nun dem Rauch die Tür. Meine Frau entschied sich für einen Laphroaig, der mit zwanzig Jahren (destilliert 1990, abgefüllt 2010) zwar der jüngste Whisky des Abends war, hinter den anderen aber ganz sicher nicht zurückstehen musste. Auf der Flasche waren keine Angaben zur Fassnummer, aber „Matured in an Ex-Bourbon Hogshead“ (in der Einzahl), eine Anzahl von gerade mal 225 Flaschen und eine vermutete Fassstärke von 52,8% lässt schon auf ein Einzelfass schließen.

Colour: blaß

Nose: In der Nase sind - natürlich - Torf, Rauch, und medizinische Jodnoten zu finden. Darüber hinaus ist er süß, malzig und recht fruchtig.

Taste: Dann der erste Schluck: da ist er ganz schön scharf. Deutlich schärfer etwa als der Glenugie von oben, obwohl der deutlich mehr Alkohol enthielt. Rauch und Torf schmecken wir ebenfalls, aber die medizinischen Noten fehlen hier. Dafür ist der Whisky süß - sehr angenehm im Zusammenklang mit den rauchigen Tönen.

Finish: Der Abgang ist warm und hält sich lang im Hals.

Ein sehr guter, aber ungewöhnlicher Laphroaig! Klar sind viele vertraute Noten da, aber sie sind nicht so dominant wie bei den klassischen Vertretern. Dafür sind die fruchtigen Noten stärker als üblich.

Der Whisky in der Whiskybase: 20210

Zur Destillerie gehts hier: Laphroaig

Ardbeg 24 yrs Cadenheads for Sestante, 54,4%

Mich führte der Abschluss des Abends ebenfalls nach Islay, aber für mich sollte es ein Ardbeg sein. Ardbeg ist neben Tobermory meine Lieblingsdestillerie (wobei sie sich den Platz auf dem Podium friedlich teilen, anstatt sich darum zu streiten). Und ich hätte mich vermutlich den Rest meines Lebens geärgert, wenn ich die Chance nicht wahrgenommen hätte, mal einen Ardbeg aus meinem Geburtsjahrgang zu bringen. Da war es dann auch egal, dass dieser hier soviel kostete wie der Rest des Abends zusammen. Wie schon zu Beginn gesagt hielt sich der Gesamtpreis des Abends (gemessen an den getrunkenen Schätzen) durchaus im bezahlbaren Rahmen.

Der Whisky wurde 1965 destilliert und nach 24 Jahren von Cadenheads für den italienischen Händler Sestante abgefüllt. Und die Flasche („dumpy bottle, white label“) wurde für mich geöffnet - bei der Formulierung läuft mir auch heute noch ein leichter Schauer über den Rücken.

Colour: Gold

Nose: Ich rieche Ardbeg ohne Ende! Da ist Torf, Rauch, Holz, Vanille, salzige Noten, Moor (damit versuche ich, diesen klassischen Ardbeg-Geruch zu beschreiben). Später dann „zündelt“ er noch ein wenig: das riecht es ein Wenig nach Streichholz und Schwefel.

Taste: Im Mund ist der Ardbeg warm und sehr süß! Torf und Rauch sind ebenfalls sehr präsent, Holznoten dagegen weniger. Aber Vanille, Gerste und viele würzig Noten. Und das Moor!

Finish: Das Finish lang, bleibt aber (wie schon andere Drams des Abends) vornehmlich im Mund.

Welch ein Abschluss des Abends! Im Gegensatz zu anderen alten Ardbegs, die ich probieren durfte (zum Beispiel kürzlich ein 1978er, OA, der sehr sanft daher kam), breiteten sich hier alle typischen Ardbeg-Noten sehr präsent in Nase und Mund aus.

Der Whisky in der Whiskybase: 7690

Zur Destillerie gehts hier: Ardbeg

Das Fazit des Abends? Das steht eigentlich schon in der Überschrift. Das war ein Abend im Whiskyparadies. Man wusste gar nicht, wo man zuerst nach Schätzen suchen sollte. Da wären noch allerlei „lost distilleries“ gewesen, Seltenheiten in einer Vielfalt, die ich schlicht für unmöglich gehalten hätte. Wer als Whiskyliebhaber die Chance hat, die „Auld Alliance“ mal zu besuchen, dem sei dies ganz dringend empfohlen. Auch wenn Singapur nun weiß Gott nicht um die Ecke liegt.

Zur Bar gehts hier: The Auld Alliance

Tasting: Islay Only, 2016

Islay Only

Mit der Zeit ist es so eine Sache. Irgendwie hat man nie genug davon. Irgendwas frisst einem immer die Zeit weg, die man eigentlich für was anderes bräuchte. Meistens sind es lästige Sachen wie Arbeit, Steuern oder ähnliches. Zugegeben, diesmal war auch ein lange geplanter Urlaub dabei, aber in den letzten Wochen hat mich so allerlei davon abgehalten, hier mal einen Artikel zu schreiben. Dabei gab es einige wirklich lohnenswerte Anlässe (die natürlich ihrerseits weitere Zeit gefressen haben ...) Na egal, jetzt habe ich mal ein bisschen Luft, und die will ich gerne nutzen.

Kurz vor dem schon erwähnten Urlaub waren wir in Frankfurt bei einem Tasting, das von Freunden geleitet wurde. Wir hatten vorher nichts davon erwähnt, also war die Überraschung groß, als wir plötzlich zur Tür hereinmarschierten.

Die besagten Freunde besitzen ein Haus auf Islay, und wenn sie nicht gerade Tastings in Frankfurt veranstalten oder sich auf diversen Whiskymessen vor und hinter den Ständen "herumtreiben", dann wohnen sie dort, beherbergen Gäste und helfen auch gerne als Reiseführer aus.

Diesmal aber waren die beiden in Frankfurt bei Whisky for Life, der auch das Tasting veranstaltete. Bei den Moderatoren ist nicht verwunderlich, worum es ging: wir hatten sechs Whiskies von Islay im Glas, von denen einige nur dort auf der Insel erhältlich waren. Aber den Start machte ein siebter und ebenso auf besondere Weise mit Islay - und den Gastgebern - verbundener Whisky.

Lossit, 43,0%, The Lost Distillery Company

Auf Islay gibt es derzeit acht produzierende Destillerien, eine weitere ist im Bau. Im Laufe der Jahrzehnte (eigentlich schon Jahrhunderte) gab es jedoch eine ganze Reihe weitere Brennereien auf der Insel. Die eine oder andere (Port Charlotte, Octomore) findet sich heute noch in Whiskynamen ihrer Nachfolger wieder, oder der Whisky ist (Port Ellen) noch für horrende Preise zu kaufen. Über die Historie der Brennereien auf Islay gibt es einen schönen Übersichtsartikel, in dem auch die Destillerie Lossit Erwähnung findet.

Eine Firma, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Whiskies längst geschlossener Destillerien wieder zum Leben zu erwecken, versucht auch den Lossit nach Beschreibungen der Örtlichkeiten und Gerätschaften, wenn möglich auch nach Erfahrungsberichten noch lebender Zeitzeugen, mit ihren Blends nachzuempfinden. Und weil Lossit gerade einmal zehn Fußminuten vom Wohnort unserer Gastgeber entfernt liegt, bietet er sich als Hausdram und Begrüßungswhisky natürlich an. Übrigens war das ganze Tasting wie eine Reise über die Insel moderiert, und so starteten wir in Ballygrant.

Colour: hell. Im gemütlichen Halbdunkel des Tastingraumes war ich schon froh, die Farben annähernd abschätzen zu können, deshalb gibts diesmal keine Farbcodes aus der Tabelle.

Nose: In der Nase ist der Lossit torfig und rauchig. Na, kein Wunder, bei einem Islay-Whisky. Und auch mit den anderen Noten ist dem Blender hier eine sehr typische Islay-Komposition gelungen. Wie schon aus der Farbe zu vermuten, finden sich auch Holz und ein wenig Vanille, was auf eine Lagerung in Ex-Bourbon-Fässern schließen lässt.

Taste: Auch auf der Zunge ist das ein typischer Islay-Vertreter: Torf, Rauch, Holz, Vanille. Allerdings deutlich sanfter als die "Schwergewichte" der Insel, was ihn vielleicht zu einem guten Einsteiger in die Welt der rauchigen Whiskies mach.

Finish: Den Abgang fand ich recht kurz (im Gegensatz zu einem Kommentar in der Whiskybase) und immer noch ein wenig rauchig.

Wertung:

Ein leckerer, runder und durchaus gelungener Islay-Blend. Den kann man "für zwischendurch" gerne im Regal stehen haben. Und das tut er bei mir mittlerweile auch ...

Der Whisky in der Whiskybase: 69004

Bowmore 2006, 61,3%, 10yo handfilled

Der nächste Whisky war da schon von einem ganz anderen Kaliber. Bowmore stellt in der Destillerie immer wieder Fässer zur Verfügung, aus denen Besucher sich ihre Flasche selbst abfüllen können. Im September handelte es sich dabei um ein Weinfass aus der Region Bordeaux, befüllt am 20.02.2006. Die Flasche, die wir "im Glas" hatten, wurde daraus am 12.09.2016 abgefüllt. Und wie bei Bowmore üblich dürfte Malz mit etwa 25 ppm Phenol (ein Maß für die "Rauchigkeit") verwendet worden sein.

Colour: dunkel

Nose: Der (mit den Handflächen im Glas angewärmte) Whisky ist sehr fruchtig in der Nase, wir finden viele Rosinen, aber auch Orange und andere Früchte. Torf und Rauch sind verhalten, aber spürbar. (Auf der Hand verrieben wird der Rauch sehr viel deutlicher.) Gerste, Teeblätter, Holz und Vanille (auch ein Weinfass besteht aus Eiche) und einige blumige Noten.

Taste: Auf der Zunge ist der Bowmore zunächst mal scharf - kein Wunder bei der Stärke - dann finden wir Torf und Rauch, wenig Holz, und wieder fruchtige und würzige Noten. Die Orange ist wieder da, diesmal ein wenig Tabak, und der Whisky wird süß und mundfüllend. Und eine Eigenheit von Bowmore ist vorhanden, die nur meine Frau feststellen kann: alle Bowmores schmecken ihr unangenehm bitter auf der Zunge.

Finish: Der Abgang ist mittellang und warm. Ein Hauch von Vanille (den wir in der Nase schon mal hatten) kommt wieder zum Vorschein.

Wertung:

Auch ich bin kein wirklicher Fan von Bowmore. Dieser hier ist allerdings überdurchschnittlich gut. Für eine Flasche davon würde sich wohl ein Platz im Regal finden.

Der Whisky in der Whiskybase: 85808

Caol Ila 2006, 52,2%, 9yo Whisky-Doris

Caol Ila ist die "Whiskyfabrik" auf Islay. Mit dem größten Alkoholausstoß aller Destillerien auf der Insel und einer Single Malt Quote von gerade einmal 10% (der Rest geht in die Blend-Produktion) ist man leicht versucht, die Whiskies als "Massenproduktion" (wenn auch nicht Massenware, jedenfalls nicht die Single Malts) abzutun. Aber Neugier ist immer wieder ein Grund, zweite Chancen zu gewähren, und so haben wir natürlich auch diesen Caol Ila, der im Bourbon Hogshead gelagert wurde, nicht abgelehnt.

Colour: hell

Nose: In der Nase macht sich gleich der Geruch von kaltem Rauch breit, dazu Torf, Asche, dazu malzige und medizinische Noten. Ein paar Rosinen und Zitrusschalen, aber das war es.

Taste: Auch auf der Zunge herrscht der Eindruck von kaltem Rauch vor, hier kommen die typischen Ex-Bourbon-Noten dazu: Holz, Vanille und eine leichte Bitterkeit. Der Caol Ila macht einen sehr kräftigen Eindruck. Der Alkohol schmeckt jung (trotz der immerhin neun Jahre) und immer noch ein bisschen sprittig.

Finish: Das Finish ist kurz und kühl und hinterlässt keinen bleibenden Eindruck.

Es ist nicht so, dass wir uns nicht um den Caol Ila bemüht hätten. Aber am heutigen Abend war er der Verlierer. Wir werden es weiter versuchen ...

Wertung:

Der Whisky in der Whiskybase: 81869

Ardbeg 1996, 56,0%, Alambique Special Islay Malt

And now for something completely different ... Ich dachte, ich kenne Ardbeg. Naja, nicht jeden Whisky natürlich, aber doch den grundsätzlichen Brennereicharakter der aktuellen Abfüllungen, und auch einige alte Tropfen. Was wir aber hier im Glas hatten, das hätte ich niemals als Ardbeg erkannt. Es handelte sich um eine 19 Jahre alte Einzelfassabfüllung (Bourbon Cask, Cask Ref. #15102) aus dem Jahr 2015 von Alambique. Es steht zwar nicht Ardbeg auf der Flasche, aber wenn selbst Serge von Whiskyfun das bestätigt, dann reicht mir das, um sicher zu sein. Denn wie gesagt: beim Tasting wäre ich nicht darauf gekommen.

Colour: blaß

Nose: Dieser Whisky riecht ... anders! Wir riechen Kümmel, Anis, Süßholz, Menthol, Zitrus (oder Zitronat?), Holz (mit ein paar bitteren Noten) und Kölnisch Wasser. OK, bei letzterem waren wir uns nicht ganz einig, aber der Rest reicht auch schon für das PrädikAt "außergewöhnlich".

Taste: Auch auf der Zunge wieder diese ungewöhnlichen Noten: Anis, Süßholz und Kümmel, außerdem ein bisschen Holz. Dabei ist der Whisky süß.

Finish: Das Finish ist nur mittellang, recht kurz im Hals, länger verweilt er im Mund.

Wertung:

Ardbeg mal anders, aber in einem bleibt sich die Destillerie treu: sie bringt Whiskies hervor, die mir schmecken. Der Alambique hat sich den Platz in meinem Schrank redlich verdient!

Der Whisky in der Whiskybase: 74924

Kilchoman 2010, 56,9%, Quarter Cask Matured

Als nächstes ging es in den Westen der Insel, zur einzigen Destillerie auf Islay, die nicht an der Küste liegt. Kilchoman ist die jüngste Destillerie der Insel (seit 2005), aber was die Qualität ihrer Whiskies angeht, kann sie mit den Alteingesessenen Kollegen ohne weiteres mithalten. Wir hatten einen Whisky im Glas, der zwar "nur" sechs Jahre alt war (abgefüllt 2016), aber diese Zeit in Quarter Casks reifen durfte, die die Reifungszeit spürbar beschleunigen.

Quarter Casks sind mit ca. 50 bis 125 Litern Inhalt (je nachdem, welcher Quelle man glaubt) recht kleine Fässer für Whisky. Der Name kommt daher, dass ihr Inhalt nur in etwa ein Viertel der üblichen Größe beträgt. Wobei sich dann die Frage stellt, was "üblich" ist. Aus der oben genannten Spanne könnte man auf ein übliches Volumen zwischen 200 (Barrel) und 500 (Butt) Litern schließen. Naja, diese Größen sind ja tatsächlich recht verbreitet, aber die unterschiedlichen Angaben machen mich doch recht skeptisch, wie ernst ich die Angaben nehmen darf ...

Das ist aber alles viel weniger wichtig als der Whisky, der in diesen Fässern gelagert hat. Kilchoman ist zu klein, um bei den Port Ellen Maltings eine eigene Spezifikation zu bekommen, nach denen Malz für sie hergestellt wird. Aber sie können sich an die Spezifikationen anderer Destillerien anschließen. Hier hat man sich für Ardbeg mit 55ppm entschieden. (Ob man von Fall zu Fall andere Spezifikationen wählen kann oder ob man sich für eine entscheiden muss, weiß ich nicht.)

Colour: mittel, wie ein Whisky aus Ex-Bourbon-Fässern, der vergleichsweise viel Farbe abbekommen hat.

Nose: Wenig Holz, würzig, und typischer Kilchomanrauch. Zitrusnoten: Zitrone und Pampelmuse. Ein bisschen Wein? Und natürlich vieles, was man von einem Islaywhisky erwartet: Torf, Salz, Gerste - und vielleicht ein Hauch Schinken. Wenn man ein paar Tropfen auf der Hand verreibt, wird der Torf zu einem feuchten Moor. Außerdem kommen noch ein paar Schokoladennoten zum Vorschein.

Taste: Auch auf der Zunge: ganz typischer Kilchomanrauch. Und wieder Zitrone. Der Whisky prickelt richtig auf der Zunge. Dazu Malz und Torf. Alles verbindet sich zu einem sehr ausgewogenen Geschmack, aus dem keine Note extrem hervorsticht. Lecker!

Finish: Der Abgang ist lang, warm, rauchig und sehr angenehm. Von der Zunge verschwindet er recht schnell, aber im Hals hält er sich länger.

Wertung:

Wieder einer, den ich gerne auf meinem Regal willkommen heißen würde. Leider sind die kleineren Abfüllungen von Kilchoman nicht nur bei mir sehr beliebt, so dass man entweder schnell sein muss oder hohe Preise zahlen muss ... man kann halt nicht alles haben.

Der Whisky in der Whiskybase: 87160

Laphroaig Cairdeas, 51,3%, Feis Ile 2013, Port Wood Finish

Hey, ab im den Süden! Der nächste Whisky stammt aus der südlichsten Destillerie von Islay. Nur einen kurzen Fußweg von Port Ellen entfernt liegt Laphroaig. Als ich letzten Mai zum Distillery Open Day dort war, habe ich an einem "Side by Side" Tasting teilgenommen, bei dem es drei Cairdeas-Abfüllungen und die dazugehörigen Getränke aus den Finish-Fässern zu verkosten gab. Einer der Whiskies damals war der Cairdeas von 2013, der in Portweinfässen nachgereift wurde. Und eben diesen hatten wir heute Abend wieder im Glas. Ohne Altersangabe (aber ein Vögelchen hat mir gezwitschert, dass die verwendeten Fässer zwischen 8 und 13 Jahre alt waren) und mit 40-45 ppm getorft.

Colour: dunkel, leicht rötlich, wie für Portfinishes üblich

Nose: In der Nase kommt der Cairdeas recht scharf an, aber auch mit fruchtigen und malzigen Noten. Der Portwein hat eine zurückhaltende Süße hinterlassen, die sich über für Laphroaig typischen Noten von Torf, Jod, Salz, Gerste und Malz legt. Und ein paar Zitrusfrüchte schauen auch noch vorbei.

Taste: Auf der Zunge fehlt die Schärfe, der Whisky schmeckt stattdessen weich. Ansonsten finde ich auch hier die Noten aus der Nase, insbesondere die ausgewogene Mischung aus Torf, Malz und Süße. Mit ein paar Tropfen Wasser wird der Whisky noch deutlich weicher. Mir wird er dadurch zu weich.

Finish: Das Finish ist mittellang bis lang und warm.

Wertung:

Cairdeas ist das gälische Wort für Freundschaft, die Whiskies unter diesem Namen werden jährlich für die Mitglieder der Laphroaig Community abgefüllt. Und mit dieser speziellen Abfüllung habe ich durchaus eine persönliche Freundschaft geschhlossen. Leider ist diese Freundschaft mittlerweile selten und teuer.

Der Whisky in der Whiskybase: 42294

Lagavulin Jazz Festival 2016, 54,5%

Auf Islay ist Platz für mehr als ein Festival. Neben dem bekannten Feis Ile Ende Mai gibt es im September das "Lagavulin Islay Jazz Festival" mit diversen Musikveranstaltungen. Als Veranstalter (oder nur Sponsor?) tritt Lagavulin auf, aber die Veranstaltungen verteilen sich über die ganze Insel, auch einige andere Destillerien beteiligen sich.

Lagavulin bringt aus Anlass des Festivals auch eine eigene Abfüllung auf den Markt. 2016 war das eine Komposition aus Refill American Oak & 1st Fill ex-Bourbon Fässern. Eine Altersangabe gibt es nicht, aber das schon erwähnte Vögelchen meinte, es handele sich um Fässer von 8 bis 17 Jahren. In unseren Gläsern landete ein Schluck aus Flasche Nummer 5982 von 6000.

Colour: blassgold

Nose: Der erste Eindruck: Banane! Eine unserer Erfahrung nach ganz typische Note für Lagavulin, zumindest für Fassproben. Die Abfüllung scheint recht nahe am Fass zu sein. Danach finden wir Rauch, Torf, Gerste und Speck.

Taste: Auch im Mund findet sich die Banane wieder, ebenso Rauch, Torf und kräftige Gerste. Der Speck ist weg, aber dafür prickelt der Whisky regelrecht auf der Zunge. Ein Tropfen Wasser schleift Ecken und Kanten weg und macht den Whisky sehr rund.

Finish: Das Finish ist mittellang und süß. Sehr süß. Man hat fast das Gefühl, er klebt im Hals fest.

Wertung:

Ein leckerer Whisky, keine Frage. Aber hinter anderen Drams des Abends bleibt er zurück. Immerhin: von der Regalkante würde ich ihn nicht stoßen, wenn ich noch eine Flasche zu einem vertretbaren Preis fände. Ist allerdings unwahrscheinlich ...

Der Whisky in der Whiskybase: 86624

Am Ende war es ein hervorragendes Tasting in einem tollen Ambiente, mit unterhaltsamer Moderation, guten Freunden, exzellenten Whiskies. Und mit einer gehörigen Portion Fernweh! Die nächste Schottlandreise kommt bestimmt.

Zum Tastinganbieter gehts hier: Whisky for Life

Zu St-Mary's Cottage auf Islay gehts hier: St. Mary's Cottage

Whic Samples: Bruichladdich und Port Charlotte

Whic Samples

Wie ich schon im letzten Artikel berichtet habe, ging es bei uns einen ganzen Abend lang um die Samples, die uns Whic freundlicherweise zur Verfügung gestellt hatte. Im zweiten Teil unseres Privattastings standen nun drei Whiskies aus derselben Destillerie auf dem Programm, nämlich Bruichladdich. Die Destillerie auf Islay, bekannt für ihre Experimentierfreudigkeit mit verschiedensten Fasstypen, gibt auch recht großzügig Fässer ab. So ist es nicht verwunderlich, dass auch Whic gleich drei verschiedene Fässer von Bruichladdich als eigene Abfüllungen im Programm hat. Allerdings sind die Auflagen bei zwei dieser Whiskies sehr klein (und dementsprechend schon vergriffen). Das liegt daran, dass es sich hier nicht um das ganze Fass gehandelt hat, sondern nur um einen Fassanteil. Was mit dem Rest passiert ist, weiß man natürlich nicht, es sei denn, man stößt bei einer anderen Abfüllung auf dieselben Fassdaten. Aber selbst dann kann das immer noch ein ganz anderer Whisky sein, denn er kann länger oder kürzer im Fass gelegen haben als diese hier, und der andere Abfüller könnte sogar ein eigenes Finish obendrauf gesetzt haben.

Na egal, die Hauptsache ist natürlich das, was in unserem Glas ist, und darum haben wir uns gekümmert.

Bruichladdich 2006/2015

Wir begannen mit einem Bruichladdich (also einem ungetorften Whisky dieser Destillerie), der am 10.05.2006 destilliert und am 14.08.2015, also im Alter von 9 Jahren, abgefüllt wurde. Das Fass war ein Bourbon Cask mit der Nummer #317, der Whisky wurde mit 55,2% auf 48 Flaschen verteilt. Wie gesagt, das war nur ein Teil des Fasses.

Colour: M6 (Ocker), mach optisch einen etwas öligen Eindruck

Nose: Das riecht nach ... Nüssen! Erdnüsse, Pistazien, und Pinienkerne. Letztere deuten sich zuerst nur vorsichtig an, werden aber später immer deutlicher. Der Alkohol ist präsent, beißt aber nicht. Hmm, und Rauch? Das sollte ja eigentlich nicht sein, aber der Verdacht bestand. Vielleicht waren das aber auch die Röstaromen von den Nüssen. Dann Holz, und zwar frisches Holz, jung, und etwas harzig.

Taste: Auch auf der Zunge: nussig! Ein bisschen ölig, weich, kaum Alkohol. Dazu leicht salzig, kombiniert mit einer gewissen Süße, erinnert an Erdnuss(Nuss!)butter). Und der Whisky ist angenehme warm.

Finish: Im mittellangen Abgang schwingen ein paar Salznoten mit. Interessanterweise ist das Finish so gar nicht warm.

Wertung:

Das ist mal ein ungewöhnlicher Whisky, sehr lecker mit seinen vielfältigen Nussaromen in Nase und Mund. Sowas habe ich noch nie gehabt. Da würde ich gerne die Geschichte des Fasses kennen. Der Beschreibung nach war das ja ein ganz normales (wobei: was ist bei Fässern schon normal?) Ex-Bourbon Cask. Aber das muss diese Noten wohl abgegeben haben. Denn zum einen ist ja durchaus bekannt, dass der überwiegende Teil der Aromen eines Whiskies aus dem Fass stammen, und zum anderen habe ich den New Make Spirit von Bruichladdich gerade kürzlich probieren können, und da sind keine Nussaromen drin.

Der Whisky in der Whiskybase: 75243

Zur Destillerie gehts hier: Bruichladdich

Bruichladdich 2003/2015

Auch der nächste Whisky war ein Bruichladdich. Dieser Name steht ja nicht nur für die Destillerie selbst, sondern auch für den ungetorften Whiskytyp von dort. Diesmal allerdings war der Whisky zwei Jahre älter (also 11 Jahre - destilliert: 26.11.2003, abgefüllt: 27.08.2015), und er kam aus einem Sherry Hogshead (#1333). Diesmal handelt es sich nicht um Fassstärke, der Whisky wurde auf 46% verdünnt.

Auch hier (36 Flaschen) handelt es sich um einen Fassanteil. Der Whisky war regelrecht trüb vor lauter Schwebeteilchen. Das war auch auf dem Beipackzettel vermerkt und wurde darauf zurückgeführt, dass der Whisky vor der Abfüllung gar nicht gefiltert wurde. Es wurde also nicht nur auf die Kühlfilterung verzichtet, die verhindert, dass sich beim gekühlten Whisky Trübungen bilden, sondern es wurde auf jegliche Filterung verzichtet.

Colour: M6 (Ocker). Wir hatten den Whisky etwa zwei Wochen still stehen gelassen (wenn man sich Zeit lassen will, dann muss man die erst mal finden ...), und die Schwebeteilchen hatten sich unten abgesetzt. Die Farbe beschreibt also den geklärten Whisky. Und auch beim Ausschenken waren wir zunächst sehr vorsichtig, so dass wir (mehr oder weniger) klaren Whisky im Glas hatten. Auf dem Foto zum Artikel handelt es sich übrigens um die linke Flasche, da sieht man sie abgesetzten Schwebezeilen am Flaschenboden sehr deutlich.

Nose: Wir riechen Gerste und (dunkles) Bier. Außerdem eine ordentliche Portion Süße und Räucherschinken. Die beiden letzteren Aromen passen irgendwie so gar nicht zusammen, aber die Schinkenaromen vergehen recht schnell. Dafür kommen nun Noten zum Vorschein, die sich erheblich besser in das Gesamtbild einpassen: blumiger, parfümierter Schwarztee und (relativ zurückhaltend) Sherry.

Taste: Auf der Zunge ist der Whisky sehr weich und süß, und der Sherry kommt gut zur Geltung. Trotz der Süße glaube ich aber, dass es sich im Fass um einen eher trockenen Sherry gehandelt haben muss. Da sind Aromen dabei, die ich von Oloroso oder gar PX nicht kenne. Erinnert mich an würzigen Weißwein, und das würde ja zu einem trockenen Sherry auch so ungefähr passen.

Ich habe dann noch den Rest aus der Sampleflasche ins Glas gegossen, weil ich wissen wollte, wie sich die Schwebeteilchen auswirken. Bisher hatten wir ja nur den vorsichtig dekantierten Whisky probiert. Und siehe da: ich habe plötzlich einen ganz anderen Whisky im Glas! Der Tropfen ist jetzt viel weniger süß, dafür kräftiger im Geschmack, und der Alkohol ist deutlich präsenter. Ich finde nun Noten, die mich an neue Schuhe (oder Gerüche aus einer Schusterwerkstatt) erinnern. Vielleicht sind das Ledernoten. Ein paar Schlucke später entwickelt sich dann auch der Sherry spürbar intensiver.

Finish: Das Finish ist ziemlich kurz und ... naja, nennen wir es unspektakulär.

Wertung:

Hmmm. Nein, das wird nicht mein Lieblingswhisky. Dafür waren zu viele Unstimmigkeiten dabei. Auch nach der "Fehlerkorrektur" mit den Schwebeteilchen hat mich der Whisky nicht vollends überzeugt. Wobei der Effekt, den die Schwebeteilchen offensichtlich auf den Whisky und das Geschmackserlebnis haben, absolut faszinierend ist. Ich glaube, ich werde keine Schwebeteilchen mehr weglassen, nur weil ein Getränk instinktiv "sauber" sein muss. Ich denke, das ist so ähnlich wie bei der Kühlfiltrierung. Wenn man die weglässt, trinkt man ja auch zusätzliche Teilchen mit, auch wenn man sie bei Raumtemperatur nicht sieht.

Der Whisky in der Whiskybase: 75242

Zur Destillerie gehts hier: Bruichladdich

Port Charlotte 2003/2015

Zum Schluss gab es noch einen Port Charlotte. Diese Serie stammt ebenfalls aus Bruichladdich und ist stark getorft (meiner Erinnerung nach arbeitet Bruichladdich da mit etwa 60 ppm). Der Name stammt von der drei Kilometer südlich gelegenen ehemaligen Destillerie im gleichnamigen Ort, die schon seit vielen Jahren nicht mehr in Betrieb ist (geschlossen 1929).

Der Vollständigkeit halber: auch die dritte Serie von Whiskies aus Bruichladdich ist nach einer ehemaligen Destillerie in der Nachbarschaft benannt: die Octomore Destillerie lag ein paar Kilometer im Landesinneren und wurde bereits 1852 geschlossen. Bei diesen Whiskies stellt Bruichladdich Rekorde bei der Rauchigkeit auf: man arbeitet mit 167 - 256 ppm!

Der Port Charlotte, den wir im Glas hatten, war 12 Jahre alt (destilliert: 07.07.2003, abgefüllt: 01.09.2015 mit 56,0%, Fassstärke) und stammt aus einem Bourbon Hogshead (#660). Es gibt 180 Flaschen.

Colour: M4 (Bernstein)

Nose: Wer die rauchigen Islay-Whiskies mag, der fühlt sich beim ersten Schnuppern am Glas zu Hause. Die Nase quillt über vor Rauch, Torf und Süße. Und Dreck! Naja, natürlich nicht wirklich, ich meine diese rauhe, wilde Schärfe, die mit leicht medizinischem Einschlag Laphroaig so berühmt gemacht hat. Auch Salz und Seeluft kennt man eher von den Whiskies der Südküste, für Bruichladdich sind sie eher untypisch, aber hier definitiv vorhanden. Dazu Holz aus dem Ex-Bourbon Fass, feuchtes Heu und eine gewisse Modrigkeit. Das hört sich alles gar nicht positiv an? Ist es aber. Wer Islay-Torf mag, der liebt diese Noten. (Allerdings gilt auch umgekehrt: wer sie nicht mag, der schüttelt sich.) Vanille finden wir übrigens nicht. Das ist zwar auch eine typische Note für Ex-Bourbon Fässer, aber hier scheint sie von der Wildheit der anderen Gerüche hinweggefegt worden zu sein.

Taste: Auch auf der Zunge finden sich natürlich Torf, Rauch, und Moor, dazu ebenfalls wieder süße Noten. Alkohol ist nur dezent spürbar. Und das passt in das sehr runde und ausgewogene, fast feine Gesamtbild im Geschmack. So wild der Port Charlotte sich in der Nase gegeben hat, so rund, vornehm und zurückhaltend wirkt er im Mund. Dabei ist aber alles da, nichts fehlt. Toll!

Finish: Das Finish ist nicht besonders lang, aber es schließt sich sehr nahtlos an den Geschmack im Mund an. Man merkt fast gar nicht, wann der letzte Tropfen Whisky geschluckt ist und man nur noch den Nachhall genießt.

Wertung:

Das war definitiv mein Favorit des Whic-Abends. Nein, nicht meiner. Unserer. Und wenn der nicht vergriffen wäre, dann hätte ich doch glatt die Erlaubnis bekommen, die derzeitige Anschaffungssperre (wir haben einfach keinen Platz mehr im Regal) für diese Flasche zu durchbrechen.

Vergriffen? Ähem ... aber im Shop gibt es ihn doch noch! Da hatte ich mich wohl vertan. Welch ein Glück! Eine Flasche davon landete dann ziemlich schnell im Warenkorb und mittlerweile in unserem Regal - irgendein Plätzchen lässt sich immer noch freiräumen. Ich glaube, den werde ich mit einem gewissen zeitlichen Abstand nochmal probieren und schauen, ob der Eindruck noch der gleiche ist.

Der Whisky in der Whiskybase: 75245

Zur Destillerie gehts hier: Bruichladdich

Am Ende eines langen Abends (und zweier langer Artikel) bleibt mir noch, mich bei Whic ganz herzlich für die Samples zu bedanken. Nicht alle der Whiskies haben uneingeschränkt meinen Geschmack getroffen, aber das, glaube ich, wäre auch des Guten zu viel gewesen. Mein Bild, dass die Leute bei Whic eine hervorragende Nase für gute Fässer haben, hat sich durch diese Serie absolut bestätigt und gefestigt, und wenn mir mal ein Whisky nicht so gut schmeckt, dann ist da nur eine der spannenden und interessanten Seiten dieses wunderschönen Hobbies: dass jeder einen anderen Geschmack hat und gemeinsame Entdeckungsreisen in die Welt der Whiskies nur noch mehr spannende Entdeckungen versprechen. Ich werde jedenfalls immer wieder gerne auf neue Abfüllungen bei Whic warten.

Zum Shop gehts hier: Whic

Whic Samples: Ben Nevis und Tobermory

Whic Samples

Whic ist ein von mir geschätzter Versandhändler für Whisky, der vermutlich dem einen oder anderen Leser ebenfalls bekannt ist. Neben einem breiten Sortiment, absolut wettbewerbsfähigen Preisen und vielen informativen Artikeln zu diversen Themen der Whiskyherstellung und -lagerung füllt Whic auch eigene Fässer ab, die sie in den jeweiligen Destillerien kaufen. Darunter hatte ich schon den einen oder anderen leckeren Tropfen entdeckt (z.B. den Tobermory Vintage 1995).

Kürzlich nun kam Whic mit dem Vorschlag auf mich zu, ihre Abfüllungen einmal zu probieren und hier zu beschreiben. Der oben erwähnte Tobermory ist zwar längst vergriffen, aber es gibt eine neue Abfüllung aus derselben Destillerie. Und so landeten ein paar Tage später - denn natürlich nahm ich auf das Angebot an - Samples von eben diesem neuen Tobermory und einigen weiterer vergriffenen Abfüllungen in meinem Briefkasten.

Ich habe die Notes zu den Whiskies auf zwei Artikel aufgeteilt. Und wie immer, wenn es etwas Besonderes zu probieren gibt, habe ich die Samples mit meiner Frau gemeinsam probiert. Erstens bekomme ich so auch ihre Eindrücke, und zweitens macht es einfach viel mehr Spaß, wenn man solch leckere Tropfen gmeinsam genießt.

Ben Nevis 1996/2015

Es ging los mit einem Ben Nevis. Diese Destillerie in Fort Williams hat - wie viele andere Destillerien - eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Nach ihrer Gründung (1825) arbeitete sie sich in ihrer Beliebtheit so weit nach oben, dass man 1878 eine zweite Destillerie ("Nevis") gleich in der Nähe aufbaute, und die gemeinsame Produktionsmenge überstiegt die von Macallan oder Glenlivet bei weitem. Es folgten allerdings auch verschiedene Schließungen, Verkäufe, Wiedereröffnungen und erneute Schließungen. Heute produziert Ben Nevis für Nikka, die Gebäude der nicht mehr aktiven zweiten Destillerie werden noch als Warehouses genutzt. Nachdem auch Glenlochy, die dritte Destillerie in Fort Williams, 1983 geschlossen und später abgerissen wurde, ist Ben Nevis die einzige aktive Destillerie an diesem Standort.

Ich hatte Ben Nevis bisher immer mit Sherry- oder anderen süßen Finishes in Verbindung gebracht, aber hier hatten wir eine Abfüllung aus einem Ex-Bourbon Hogshead im Glas. Destilliert wurde er im Juni 1996, abgefüllt wurden nach 18 Jahren im April 2015 gerade einmal 126 Flaschen in Fassstärke mit 53,7%.

Colour: M5 (Senf)

Nose: In der Nase machen sich zuerst die typischen Noten aus Ex-Bourbon-Fässern bemerkbar: Holz und Vanille. Danach kommen etwas weniger intensiv fruchtige Noten von Beeren und trockenen Aprikosen. Manchmal (tatsächlich nicht jedes Mal, wenn man am Glas riecht) kommt auch ein leichter Stich der Alkoholschärfe durch. Und wenn man ihm genug Zeit gibt, erscheinen noch würzige Noten und süße Töne von Toffee, Karamell, Fudge und Honig.

Taste: auf der Zunge schlägt der Alkohol dann zu, ganz im Gegensatz zu dem eher zurückhaltenden Benehmen in der Nase. Dazu auch hier wieder Holz (diesmal bitter, und zwar im Lauf der Zeit zunehmend) und Vanille. Auch die würzigen Noten sind wieder da. Von den Süßigkeiten in der Nase ist nur eine leichte neutrale Süße übrig geblieben, Schokolade, Toffee und Co. finden wir nicht mehr.

Die bitteren Holznoten kann man mit etwas Wasser deutlich abmildern.

Finish: Das Finish schließlich ist lang, bissig, und die immer noch vorhandene Würzigkeit bleibt sehr lange am Gaumen "kleben".

Insgesamt ist der Ben Nevis ein guter und in Teilen sehr klassischer Whisky. Bemerkenswert für einen Ex-Bourbon-Ausbau (noch dazu nach so langer Zeit) sind die fruchtigen Noten in der Nase. Das hätte sicher nochmal mehr Spaß gemacht, wenn man die auch im Mund wiedergefunden hätte. Aber trotzdem: einer der besten Ex-Bourbon-Cask-Whiskies, die ich bisher getrunken habe, und das will bei meinen ganz anders gelagerten Vorlieben schon etwas heißen.

Wertung:

Der Whisky in der Whiskybase: 78590

Zur Destillerie gehts hier: Ben Nevis

Tobermory 1995/2016

Das hier ist die aktuelle Eigenabfüllung von Whic. Destilliert im Dezember 1995 hat der Tobermory 20 Jahre lang in einem American White Oak Hogshead gelegen, das zuvor vermutlich - wie beim Ben Nevis - amerikanischen Bourbon-Whiskey beherbergt hat. Abgefüllt wurden im August 2016 nur noch 90 Flaschen mit respektablen 55,8% Alkohol in Fassstärke. Kühlgefiltert wurde der Whisky nicht, und gefärbt auch nicht.

Colour: M4 (Bernstein)

Nose: Bei seiner Stärke nicht ungewöhnlich, schickt uns der Whisky zuerst einmal eine spürbare Portion Alkohol in die Nase. Danach kommen die für Tobermory so typischen, würzigen und ledrigen (Wildleder?) Noten, die ich sehr gerne mag, während meine Frau mich immer mit "Maggi" aufzieht, wenn es um Tobermory geht. Dann finden wir noch Kirsche und dunkle Schokolade. Letztere entwickelt sich im Laufe der Zeit immer mehr bis zur führenden Note.

Taste: Auch im Mund spüren wir zunächst mal den Alkohol. Ein bisschen beißt er schon, aber nicht unangenehm. Der Mund wird mit Karamellnoten geradezu ausgekleidet, und die leicht bitteren Holznoten und die typischen würzigen Noten müssen sich da erstmal durcharbeiten, bevor sie zu den Geschmacksknospen gelangen.

Finish: Das Finish ist warm und bleibt lange im Mund, auch nach mehrmaligem Schlucken ist noch etwas da. Im Hals bleibt weniger hängen.

Ich kann nicht anders: Whiskies aus Tobermory haben bei mir einen Vorsprung "right from the start" - ich mag sie einfach. Und wenn ich nicht schon so viele davon im Regal stehen hätte, dann wäre dieser hier sicher dazugekommen. Da war ich mir mit meiner Frau sogar einig.

Wertung:

Der Whisky in der Whiskybase: 87585

Zur Destillerie gehts hier: Tobermory

Zwei leckere Whiskies machten den Anfang des Tastingabends, und einen davon hätte ich mir beinahe gekauft. Warum ich es dann doch nicht getan habe und wie der Abend weiterging? Das erzähle ich bei nächster Gelegenheit. Bis dahin kann ich mich nur bei Whic für die Samples bedanken und jedem empfehlen, sich selbst einmal dort umzuschauen: bei den Eigenabfüllungen und natürlich auch im allgemeinen Shop.

C2C Spirits Cup 2016

C2C-Spirits-Cup 2016

Wer einen (oder mehrere) Whiskies auf den Markt bringt, sei es als Hersteller, Abfüller oder Importeur, der möchte gerne wissen, wie sein Produkt beim Verbraucher ankommt. Und zwar nur das Produkt. Ohne Marketing, Werbung, tolle Verpackung, Marken- oder Produktimage, einfach nur das Produkt. Mal soll vor der Markteinführung getestet werden, mit welchen Reaktionen mal rechnen kann, mal möchte man klären, warum ein Produkt nicht so gut ankommt, und manchmal interessiert man sich dafür, wie zwei Produkte im Vergleich ankommen.

Eine Plattform für solche Tests bietet der C2C Spirits Cup, den die international renommierte Spirituosenexpertin Julia Nourney initiiert hat und in diesem Jahr schon zum dritten Mal veranstaltet. Dabei können Firmen ihre Produkte einreichen, und Verbraucher (C2C steht für "Consumer to Consumer") testen diese blind. Wir hatten die Einladung, als Juror teilzunehmen, gesehen und uns schnell entschieden, dieser Einladung zu folgen, gemeinsam mit zwei Freunden aus dem gemeinsamen Whiskyumfeld.

Wir fanden uns am Veranstaltungsort, einem Jugendzentrum im Nachbarstädtchen, ein und wurden von Julia freundlich begrüßt. Nachdem alle Teilnehmer ihren Platz gefunden hatten, ging es mit einigen einleitenden Erklärungen zur Veranstaltungsreihe (insgesamt 16 Tastings, deutschlandweit verteilt) und ein paar Spielregeln und Ablaufinformationen los.

Wir wurden bewusst ein wenig auf mehrere Tische verteilt, um gegenseitige "Unterstützung" zu vermeiden. So gab es auch einen Kennbuchstaben für jeden Platz, nach dem unterschiedliche Whiskies zur Begutachtung verteilt wurden. Eine Sonderrolle nahm dabei der Buchstabe "R" ein. Hier nahmen die Teilnehmer der Rum-Verkostung statt, die ebenfalls Bestandteil der Veranstaltungsserie war. (Irgendwo habe ich auch das Veranstaltungslogo in einer Variante als "C2C Gin Cup" gesehen. Das klingt auch nicht uninteressant, da muss ich bei Gelegenheit nochmal ein wenig forschen.)

Anhand eines "Kalibrierungswhiskies" (das kennen wir ja schon von Michaels Tastings) machten wir noch ein paar Riech-, Schmeck- und Spuckübungen. Ja, spucken, denn eine wichtige Regel lautete: die Whiskies werden nicht getrunken. Ein Blick auf das Arbeitspensum erklärte auch schnell, warum: wer 18 Whiskies ernsthaft verkosten, bewerten und vergleichen will, der kann nur dann auf ein sinnvolles Ergebnis hoffen, wenn er auch den letzten Whisky noch einigermaßen nüchtern begutachten kann. Die beim Riechen aufgenommenen und nach dem Ausspucken unweigerlich im Mund verbleibenden Alkoholmengen sind da so gerade noch vertretbar. Gespürt habe ich sie am Ende durchaus.

Der Kalibrierungswhisky diente auch dazu, die Punktevergabe zu üben. Wir vergaben mündlich unsere Wertung (ganzzahlig von 1 bis 10) und bekamen die Information, wie dieser Whisky in der Vergangenheit durchschnittlich bewertet worden war. So konnten wir einschätzen, wie treffsicher wir waren und ggf. welche Auswirkung persönliche Vorlieben auf die eigene Bewertung haben würden.

Im Anschluss bekamen wir dann je 18 Whiskies bzw. Rums in Päckchen (sogenannten "Flights") zu ein bis drei Gläsern, verkosteten und bewerteten diese und bekamen den nächsten Flight. Die einzige Information war die Trinkstärke-Kategorie (Trinkstärke, erweiterte Trinkstärke, Fassstärke). Natürlich stand Wasser zur Verfügung, und die Spucknäpfe wurden regelmäßig ausgetauscht. Angesichts der Aromaschwaden aus den offenen Gefäßen war das auch sehr hilfreich. Was die Bewertungen angeht: ich hatte für meinen Geschmack weder einen Überflieger noch einen Totaleinbruch dabei. Die jeweils vorausgehenden Noten (9 nach oben, 2 nach unten) habe ich aber jeweils einmal vergeben. Ansonsten konnte ich mich tatsächlich recht gut an dem Kalibrierungswhisky orientieren. Obwohl ich wenig dabei hatte, was eindeutig in mein "Beuteschema" passt, lagen die meisten meiner Noten im oberen Mittelfeld. Die Whiskyhersteller verstehen eben schon ihr Handwerk, und wer die sprichwörtliche "Plörre" auf den Markt wirft, der ist vielleicht sowieso nicht ernsthaft an Consumer-Feedback interessiert, vermute ich mal.

Gesprochen wurde übrigens nur wenig. Das hatte ich anders erwartet, ich war von einer etwas geselligeren Runde ausgegangen. Ich erkannte aber schnell, dass man hier nur weiterkam, wenn man konzentriert (und damit überwiegend still) zu Werke ging. Und weil das alle Teilnehmer (meistens) so hielten, herrschte eine ruhige und produktive Atmosphäre - was keineswegs heißen soll, dass es langweilig oder gedrückt gewesen wäre.

Zum Schluss bekam jeder die vier von ihm selbst bestbewerteten Whiskies, wahlweise im Glas oder in Sampleflaschen. So hätte noch eine durchaus fröhliche Runde entstehen können, wenn nicht alle (glaube ich) Teilnehmer die Flaschenform gewählt hätten. Zu alkoholisiert waren die Nasen und Zungen, als dass man die persönlichen Gewinner noch halbwegs sinnvoll hätte genießen können. Das haben wir auf später verschoben, wenn die Ergebnisse der Tastingserie feststehen und wir wissen, welche Whiskies die Medaillen "abgeräumt" haben und welche wir als Favoriten gewählt hatten.

Am Ende hatten wir einen hochinteressanten und lehrreichen Abend erlebt, an dem es auch noch eine Vielzahl leckerer Whiskies zu probieren gab. Wir freuen uns schon jetzt auf die Auflösung und die Ergebnisse, auf den Probierabend der mitgenommenen Favoriten-Samples und - natürlich - auf eine Wiederholung im nächsten Jahr.

Zum Veranstalter gehts hier: C2C Spirits Cup

Lowlander by the Sea

Lowlander by the Sea

Als Whiskyfan verfällt man früher oder später der Sammelleidenschaft in der einen oder anderen Form. Flaschen zu sammeln (womöglich noch seltene) ist vielleicht die teuerste Form dieser Leidenschaft. Dem setzt bei mir glücklicherweise der vorhandene Regalplatz eine natürliche Grenze, obwohl man doch immer wieder noch ein Plätzchen für das eine oder andere gute Stück findet. Ich versuche, Whiskies aus möglichst vielen verschiedenen Destillerien mal probiert zu haben, und auch da wird die Aufgabe im Laufe der Zeit kniffliger. Damit meine ich gar nicht mal die geschlossenen Destillerien, die ich gerne "so nebenher" mitnehme, wenn sich eine Gelegenheit ergibt - zum Beispiel bei einem Tasting.

Aber auch bei aktiven Destillerien ist es manchmal gar nicht so einfach, etwas zu finden. In diesem Fall handelte es um eine noch sehr junge Destillerie. Ailsa Bay wurde erst 2007 eröffnet und produziert ihre ca. 12 Mio. Liter(!) Alkohol pro Jahr in ganz überwiegendem Maß für die Blends von William Grant & Sons, zu dem sie gehört. Die Destillerie steht auf demselben Gelände wie Girvan (eröffnet 1963), der Grain-Destillerie im gleichnamigen Ort bei Ayr, also an der Westküste der schottischen Lowlands. Und noch einen bekannten Namen gab es hier: ebenfalls auf diesem Gelände war von 1968 (oder 1966?) bis 1975 die Destillerie Ladyburn aktiv, von der heute noch Whiskies zu bekommen sind, allerdings nur mit Mühe unterhalb des vierstelligen Preisbereiches.

Es gibt zwar eine Destillerieabfüllung (peated!) von Ailsa Bay, und eigentlich war ich auch auf der Suche danach, aber dabei bin ich über eine andere Abfüllung gestolpert, die mich einmal mehr interessierte: den Lowlander by the Sea aus der C&S Dram Collection. Die Daten: 68,8%, 5 yo, destilliert am 03.06.2010, abgefüllt am 18.01.2016, Cask #900145 317 Flaschen, nicht kühlgefiltert, nicht gefärbt.

Bei dem Lowlander handelt es sich um einen "teaspooned" Whisky. D.h. der Verkäufer des Fasses hat einen Teelöffel eines anderen Malt hinzugefügt (oder behauptet das zumindest). Damit ist der Whisky formal kein Single Malt mehr, und er darf nicht unter dem Namen der ursprünglichen Destillerie verkauft werden. Dass es sich dennoch um einen Ailsa Bay handelt, stammt demnach aus der Gerüchteküche. Offiziell wird der Abfüller diese Information niemals weitergeben (oder er hätte sein letztes Fass gekauft), und woher die inoffiziellen Informationen stammen, kann man auch selten klären. Letztlich muss ich auch in diesem Fall einfach glauben, dass der Whisky aus der vermuteten Destillerie stammt.

Ich hatte mir übrigens erstmal nur ein Sample des Lowlanders gekauft, aber wie man an dem Foto zum Artikel sieht, ist es dabei nicht geblieben ...

Und noch ein "Funfact", bevor es los geht: ebenfalls in Girvan wird der bekannte Hendrick's Gin produziert.

Colour: M1 (pastellgold)

Nose: Der Lowlander ist in der Nase ungeheuer kraftvoll und alkoholisch. Die Aromen sind aber auch sehr frisch, und ich finde viele süßen Noten wie Apfelpfannkuchen (später eher Honigwaffeln), Honig und Bienenwachskerzen.

Taste: Auch im Mund ist der erste Eindruck weich und süß. Trotzdem (kein Wunder bei der Alkoholstärke) brennt er auch gehörig, und der Alkohol schmeckt deutlich durch. Die Alkoholschärfe weicht jetzt einer Pfefferschärfe. Die
Honignoten aus der Nase sind verschwunden, das Bienenwachs ist noch da, wenn auch weniger intensiv. Und ganz zum Schluss tauchen noch Holznoten auf, die sich bis in den Abgang halten.

Finish: Der Abgang schließlich ist sehr lang und geradezu feurig. Und wie gesagt: Holz.

Wertung:

Dieser Whisky ist ein Schätzchen! Hier werden auf sehr stimmige Weise die Weichheit von Lowland-Whisky mit Kraft der Fassstärke verbunden. Toll!

Der Whisky in der Whiskybase: 82678

Eine eigene Website von Ailsa Bay habe ich nicht gefunden. Ersatzweise kann man sich hier bei der "Herbergsdestillerie" umschauen: Girvan

Highland Park Sigurd

Highland Park Sigurd

Bei einem der letzten privaten Treffen unserer "Whiskygruppe" hatte der Gastgeber eine Flasche des Highland Park Sigurd (43%) geöffnet und damit einige Begeisterung ausgelöst. Ein Sample davon gab er mir "für eine ruhige Minute" mit, in der ich mal Zeit haben würde, ihn ausführlich zu probieren und zu beschreiben. Das haben wir (meine Frau als ausgewiesener Highland Park Fan war natürlich mit von der Partie) auch schon vor einer Weile getan, und jetzt finde ich (bzw. nehme ich mir) endlich die Zeit, die Notizen in einen ordentlichen Artikel zu verpacken. Also los ...

Colour: M8 (Kupfer)

Nose: Zuerst wirkt der Sigurd in der Nase überraschend schwach, nur ein paar chemisch anmutende Noten kommen an, und ein bisschen Alkohol. Das ändert sich nach etwa zwei Minuten: jetzt öffnet er sich mit einem für Highland Park durchaus typischen Zusammenstellung von Aromen. Im einzelnen finden wir Zitrusschale (Orange?), frische Mandeln, vielleicht frische Nüsse (aber nicht weihnachtlich), Holz, Currypulver, eine leichte Schärfe, dunkle Schokolade und (ganz leicht) einen feinen Rauch. (Das mit dem Rauch bei Highland Park ist bei mir immer so eine Sache. Gewöhnt an die heftigen Torfschlote von Islay und Mull tue ich mich immer etwas schwer, den Rauch bei Highland Park zu finden. Er ist da, keine Frage, aber eben viel feiner und sanfter als im "wilden Westen" Schottlands.)

Taste: Der erste Geschmackseindruck ist weich, aber auch kraftvoll. Süß ist er, mit leichten Bitternoten, und er ist sehr präsent und ausfüllend. Die dunkle Schokolade ist wieder da, und (unverbrannter) Tabak.

Finish: Das Finish ist nicht sehr lang und nicht wirklich spektakulär. Aber ein bisschen von der Präsenz bleibt über den "letzten Schluck" hinaus erhalten, auch der Nachgeschmack der Schokolade. Das ist immerhin so lecker, dass man sich wünscht, er würde noch ein bisschen länger nachklingen.

Wertung:

Das kurze Finish ändert nichts daran, dass es sich um einen exzellenten Whisky handelt. Auch für Einsteiger in höherwertige Whiskies, für die starker Rauch oder die Durchschlagskraft von Fassstärken vielleicht noch zu früh kommen. Leider ist er auch nicht gerade billig (aktueller Preis knapp 130,- EUR), so dass er wohl nicht (oder jedenfalls nicht auf die Schnelle) auf meinem Regal landen wird. Aber ein Guter ist er trotzdem!

Der Whisky in der Whiskybase: 45068

Zur Destillerie gehts hier: Highland Park

Wolfburn 2016

Wolfburn 2016

Auch den Wolfburn (46%) hatte ich mir als Sample gekauft. Ich hatte ihn schon zuvor beim Whiskyschiff Luzern schon einmal probiert, aber damals keine Zeit für ausführliche Notes gehabt. Immerhin war mir noch im Gedächtnis, dass er noch viele Anklänge an den New Make Spirit hatte, den ich noch früher (InterWhisky Frankfurt) ebenfalls schon mal probiert hatte. Nun also nochmal in Ruhe ...

Colour: C3 (Stroh)

Nose: Wie erwartet: viele Noten, die an einen New Make Spirit erinnern. Leicht und fruchtig, mit Banane und reifen und süßen Birnen. Der Alkohol ist recht deutlich, außerdem finde ich ein wenig Vanille und noch weniger Salz. Insgesamt ist er ziemlich geruchsarm, auch mit (Hand-)wärme kommt da nicht mehr.

Taste: Auch der Geschmack ist weich und warm. Die Fruchtnoten aus der Nase gehen spürbar zurück, was mich ein wenig überrascht. Da hätte ich mehr erwartet.Dafür schmecke ich Holz, viel Tabak und (vielleicht) eine ganz leichte Torfnote.

Finish: Der Abgang ist warm und mittellang, beim zweiten Schluck dann etwas länger.

Obwohl ich vergleichsweise wenige benennbare Aromen finde: dieser Whisky hat was. Schon mit seinen jungen drei Jahren ist er sehr ausgewogen, und alles an ihm fühlt sich so an, als habe er noch eine große Entwicklung vor sich. Ich glaube, dass wir von Wolfburn noch großartige Whiskies sehen werden. Aber ich glaube auch, dass das noch eine Weile dauern wird. Denn nach drei Jahren ist noch viel vom New Make Spirit zu finden. So gut er sich entwickelt, so langsam kommt er voran. Da werden wir noch viel Geduld brauchen. Aber die wird sich lohnen!

Wertung:

Der Whisky in der Whiskybase: 75811

Zur Destillerie gehts hier: Wolfburn

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