Whic Samples: Bruichladdich und Port Charlotte

Whic Samples

Wie ich schon im letzten Artikel berichtet habe, ging es bei uns einen ganzen Abend lang um die Samples, die uns Whic freundlicherweise zur Verfügung gestellt hatte. Im zweiten Teil unseres Privattastings standen nun drei Whiskies aus derselben Destillerie auf dem Programm, nämlich Bruichladdich. Die Destillerie auf Islay, bekannt für ihre Experimentierfreudigkeit mit verschiedensten Fasstypen, gibt auch recht großzügig Fässer ab. So ist es nicht verwunderlich, dass auch Whic gleich drei verschiedene Fässer von Bruichladdich als eigene Abfüllungen im Programm hat. Allerdings sind die Auflagen bei zwei dieser Whiskies sehr klein (und dementsprechend schon vergriffen). Das liegt daran, dass es sich hier nicht um das ganze Fass gehandelt hat, sondern nur um einen Fassanteil. Was mit dem Rest passiert ist, weiß man natürlich nicht, es sei denn, man stößt bei einer anderen Abfüllung auf dieselben Fassdaten. Aber selbst dann kann das immer noch ein ganz anderer Whisky sein, denn er kann länger oder kürzer im Fass gelegen haben als diese hier, und der andere Abfüller könnte sogar ein eigenes Finish obendrauf gesetzt haben.

Na egal, die Hauptsache ist natürlich das, was in unserem Glas ist, und darum haben wir uns gekümmert.

Bruichladdich 2006/2015

Wir begannen mit einem Bruichladdich (also einem ungetorften Whisky dieser Destillerie), der am 10.05.2006 destilliert und am 14.08.2015, also im Alter von 9 Jahren, abgefüllt wurde. Das Fass war ein Bourbon Cask mit der Nummer #317, der Whisky wurde mit 55,2% auf 48 Flaschen verteilt. Wie gesagt, das war nur ein Teil des Fasses.

Colour: M6 (Ocker), mach optisch einen etwas öligen Eindruck

Nose: Das riecht nach ... Nüssen! Erdnüsse, Pistazien, und Pinienkerne. Letztere deuten sich zuerst nur vorsichtig an, werden aber später immer deutlicher. Der Alkohol ist präsent, beißt aber nicht. Hmm, und Rauch? Das sollte ja eigentlich nicht sein, aber der Verdacht bestand. Vielleicht waren das aber auch die Röstaromen von den Nüssen. Dann Holz, und zwar frisches Holz, jung, und etwas harzig.

Taste: Auch auf der Zunge: nussig! Ein bisschen ölig, weich, kaum Alkohol. Dazu leicht salzig, kombiniert mit einer gewissen Süße, erinnert an Erdnuss(Nuss!)butter). Und der Whisky ist angenehme warm.

Finish: Im mittellangen Abgang schwingen ein paar Salznoten mit. Interessanterweise ist das Finish so gar nicht warm.

Wertung:

Das ist mal ein ungewöhnlicher Whisky, sehr lecker mit seinen vielfältigen Nussaromen in Nase und Mund. Sowas habe ich noch nie gehabt. Da würde ich gerne die Geschichte des Fasses kennen. Der Beschreibung nach war das ja ein ganz normales (wobei: was ist bei Fässern schon normal?) Ex-Bourbon Cask. Aber das muss diese Noten wohl abgegeben haben. Denn zum einen ist ja durchaus bekannt, dass der überwiegende Teil der Aromen eines Whiskies aus dem Fass stammen, und zum anderen habe ich den New Make Spirit von Bruichladdich gerade kürzlich probieren können, und da sind keine Nussaromen drin.

Der Whisky in der Whiskybase: 75243

Zur Destillerie gehts hier: Bruichladdich

Bruichladdich 2003/2015

Auch der nächste Whisky war ein Bruichladdich. Dieser Name steht ja nicht nur für die Destillerie selbst, sondern auch für den ungetorften Whiskytyp von dort. Diesmal allerdings war der Whisky zwei Jahre älter (also 11 Jahre - destilliert: 26.11.2003, abgefüllt: 27.08.2015), und er kam aus einem Sherry Hogshead (#1333). Diesmal handelt es sich nicht um Fassstärke, der Whisky wurde auf 46% verdünnt.

Auch hier (36 Flaschen) handelt es sich um einen Fassanteil. Der Whisky war regelrecht trüb vor lauter Schwebeteilchen. Das war auch auf dem Beipackzettel vermerkt und wurde darauf zurückgeführt, dass der Whisky vor der Abfüllung gar nicht gefiltert wurde. Es wurde also nicht nur auf die Kühlfilterung verzichtet, die verhindert, dass sich beim gekühlten Whisky Trübungen bilden, sondern es wurde auf jegliche Filterung verzichtet.

Colour: M6 (Ocker). Wir hatten den Whisky etwa zwei Wochen still stehen gelassen (wenn man sich Zeit lassen will, dann muss man die erst mal finden ...), und die Schwebeteilchen hatten sich unten abgesetzt. Die Farbe beschreibt also den geklärten Whisky. Und auch beim Ausschenken waren wir zunächst sehr vorsichtig, so dass wir (mehr oder weniger) klaren Whisky im Glas hatten. Auf dem Foto zum Artikel handelt es sich übrigens um die linke Flasche, da sieht man sie abgesetzten Schwebezeilen am Flaschenboden sehr deutlich.

Nose: Wir riechen Gerste und (dunkles) Bier. Außerdem eine ordentliche Portion Süße und Räucherschinken. Die beiden letzteren Aromen passen irgendwie so gar nicht zusammen, aber die Schinkenaromen vergehen recht schnell. Dafür kommen nun Noten zum Vorschein, die sich erheblich besser in das Gesamtbild einpassen: blumiger, parfümierter Schwarztee und (relativ zurückhaltend) Sherry.

Taste: Auf der Zunge ist der Whisky sehr weich und süß, und der Sherry kommt gut zur Geltung. Trotz der Süße glaube ich aber, dass es sich im Fass um einen eher trockenen Sherry gehandelt haben muss. Da sind Aromen dabei, die ich von Oloroso oder gar PX nicht kenne. Erinnert mich an würzigen Weißwein, und das würde ja zu einem trockenen Sherry auch so ungefähr passen.

Ich habe dann noch den Rest aus der Sampleflasche ins Glas gegossen, weil ich wissen wollte, wie sich die Schwebeteilchen auswirken. Bisher hatten wir ja nur den vorsichtig dekantierten Whisky probiert. Und siehe da: ich habe plötzlich einen ganz anderen Whisky im Glas! Der Tropfen ist jetzt viel weniger süß, dafür kräftiger im Geschmack, und der Alkohol ist deutlich präsenter. Ich finde nun Noten, die mich an neue Schuhe (oder Gerüche aus einer Schusterwerkstatt) erinnern. Vielleicht sind das Ledernoten. Ein paar Schlucke später entwickelt sich dann auch der Sherry spürbar intensiver.

Finish: Das Finish ist ziemlich kurz und ... naja, nennen wir es unspektakulär.

Wertung:

Hmmm. Nein, das wird nicht mein Lieblingswhisky. Dafür waren zu viele Unstimmigkeiten dabei. Auch nach der "Fehlerkorrektur" mit den Schwebeteilchen hat mich der Whisky nicht vollends überzeugt. Wobei der Effekt, den die Schwebeteilchen offensichtlich auf den Whisky und das Geschmackserlebnis haben, absolut faszinierend ist. Ich glaube, ich werde keine Schwebeteilchen mehr weglassen, nur weil ein Getränk instinktiv "sauber" sein muss. Ich denke, das ist so ähnlich wie bei der Kühlfiltrierung. Wenn man die weglässt, trinkt man ja auch zusätzliche Teilchen mit, auch wenn man sie bei Raumtemperatur nicht sieht.

Der Whisky in der Whiskybase: 75242

Zur Destillerie gehts hier: Bruichladdich

Port Charlotte 2003/2015

Zum Schluss gab es noch einen Port Charlotte. Diese Serie stammt ebenfalls aus Bruichladdich und ist stark getorft (meiner Erinnerung nach arbeitet Bruichladdich da mit etwa 60 ppm). Der Name stammt von der drei Kilometer südlich gelegenen ehemaligen Destillerie im gleichnamigen Ort, die schon seit vielen Jahren nicht mehr in Betrieb ist (geschlossen 1929).

Der Vollständigkeit halber: auch die dritte Serie von Whiskies aus Bruichladdich ist nach einer ehemaligen Destillerie in der Nachbarschaft benannt: die Octomore Destillerie lag ein paar Kilometer im Landesinneren und wurde bereits 1852 geschlossen. Bei diesen Whiskies stellt Bruichladdich Rekorde bei der Rauchigkeit auf: man arbeitet mit 167 - 256 ppm!

Der Port Charlotte, den wir im Glas hatten, war 12 Jahre alt (destilliert: 07.07.2003, abgefüllt: 01.09.2015 mit 56,0%, Fassstärke) und stammt aus einem Bourbon Hogshead (#660). Es gibt 180 Flaschen.

Colour: M4 (Bernstein)

Nose: Wer die rauchigen Islay-Whiskies mag, der fühlt sich beim ersten Schnuppern am Glas zu Hause. Die Nase quillt über vor Rauch, Torf und Süße. Und Dreck! Naja, natürlich nicht wirklich, ich meine diese rauhe, wilde Schärfe, die mit leicht medizinischem Einschlag Laphroaig so berühmt gemacht hat. Auch Salz und Seeluft kennt man eher von den Whiskies der Südküste, für Bruichladdich sind sie eher untypisch, aber hier definitiv vorhanden. Dazu Holz aus dem Ex-Bourbon Fass, feuchtes Heu und eine gewisse Modrigkeit. Das hört sich alles gar nicht positiv an? Ist es aber. Wer Islay-Torf mag, der liebt diese Noten. (Allerdings gilt auch umgekehrt: wer sie nicht mag, der schüttelt sich.) Vanille finden wir übrigens nicht. Das ist zwar auch eine typische Note für Ex-Bourbon Fässer, aber hier scheint sie von der Wildheit der anderen Gerüche hinweggefegt worden zu sein.

Taste: Auch auf der Zunge finden sich natürlich Torf, Rauch, und Moor, dazu ebenfalls wieder süße Noten. Alkohol ist nur dezent spürbar. Und das passt in das sehr runde und ausgewogene, fast feine Gesamtbild im Geschmack. So wild der Port Charlotte sich in der Nase gegeben hat, so rund, vornehm und zurückhaltend wirkt er im Mund. Dabei ist aber alles da, nichts fehlt. Toll!

Finish: Das Finish ist nicht besonders lang, aber es schließt sich sehr nahtlos an den Geschmack im Mund an. Man merkt fast gar nicht, wann der letzte Tropfen Whisky geschluckt ist und man nur noch den Nachhall genießt.

Wertung:

Das war definitiv mein Favorit des Whic-Abends. Nein, nicht meiner. Unserer. Und wenn der nicht vergriffen wäre, dann hätte ich doch glatt die Erlaubnis bekommen, die derzeitige Anschaffungssperre (wir haben einfach keinen Platz mehr im Regal) für diese Flasche zu durchbrechen.

Vergriffen? Ähem ... aber im Shop gibt es ihn doch noch! Da hatte ich mich wohl vertan. Welch ein Glück! Eine Flasche davon landete dann ziemlich schnell im Warenkorb und mittlerweile in unserem Regal - irgendein Plätzchen lässt sich immer noch freiräumen. Ich glaube, den werde ich mit einem gewissen zeitlichen Abstand nochmal probieren und schauen, ob der Eindruck noch der gleiche ist.

Der Whisky in der Whiskybase: 75245

Zur Destillerie gehts hier: Bruichladdich

Am Ende eines langen Abends (und zweier langer Artikel) bleibt mir noch, mich bei Whic ganz herzlich für die Samples zu bedanken. Nicht alle der Whiskies haben uneingeschränkt meinen Geschmack getroffen, aber das, glaube ich, wäre auch des Guten zu viel gewesen. Mein Bild, dass die Leute bei Whic eine hervorragende Nase für gute Fässer haben, hat sich durch diese Serie absolut bestätigt und gefestigt, und wenn mir mal ein Whisky nicht so gut schmeckt, dann ist da nur eine der spannenden und interessanten Seiten dieses wunderschönen Hobbies: dass jeder einen anderen Geschmack hat und gemeinsame Entdeckungsreisen in die Welt der Whiskies nur noch mehr spannende Entdeckungen versprechen. Ich werde jedenfalls immer wieder gerne auf neue Abfüllungen bei Whic warten.

Zum Shop gehts hier: Whic

Whic Samples: Ben Nevis und Tobermory

Whic Samples

Whic ist ein von mir geschätzter Versandhändler für Whisky, der vermutlich dem einen oder anderen Leser ebenfalls bekannt ist. Neben einem breiten Sortiment, absolut wettbewerbsfähigen Preisen und vielen informativen Artikeln zu diversen Themen der Whiskyherstellung und -lagerung füllt Whic auch eigene Fässer ab, die sie in den jeweiligen Destillerien kaufen. Darunter hatte ich schon den einen oder anderen leckeren Tropfen entdeckt (z.B. den Tobermory Vintage 1995).

Kürzlich nun kam Whic mit dem Vorschlag auf mich zu, ihre Abfüllungen einmal zu probieren und hier zu beschreiben. Der oben erwähnte Tobermory ist zwar längst vergriffen, aber es gibt eine neue Abfüllung aus derselben Destillerie. Und so landeten ein paar Tage später - denn natürlich nahm ich auf das Angebot an - Samples von eben diesem neuen Tobermory und einigen weiterer vergriffenen Abfüllungen in meinem Briefkasten.

Ich habe die Notes zu den Whiskies auf zwei Artikel aufgeteilt. Und wie immer, wenn es etwas Besonderes zu probieren gibt, habe ich die Samples mit meiner Frau gemeinsam probiert. Erstens bekomme ich so auch ihre Eindrücke, und zweitens macht es einfach viel mehr Spaß, wenn man solch leckere Tropfen gmeinsam genießt.

Ben Nevis 1996/2015

Es ging los mit einem Ben Nevis. Diese Destillerie in Fort Williams hat - wie viele andere Destillerien - eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Nach ihrer Gründung (1825) arbeitete sie sich in ihrer Beliebtheit so weit nach oben, dass man 1878 eine zweite Destillerie ("Nevis") gleich in der Nähe aufbaute, und die gemeinsame Produktionsmenge überstiegt die von Macallan oder Glenlivet bei weitem. Es folgten allerdings auch verschiedene Schließungen, Verkäufe, Wiedereröffnungen und erneute Schließungen. Heute produziert Ben Nevis für Nikka, die Gebäude der nicht mehr aktiven zweiten Destillerie werden noch als Warehouses genutzt. Nachdem auch Glenlochy, die dritte Destillerie in Fort Williams, 1983 geschlossen und später abgerissen wurde, ist Ben Nevis die einzige aktive Destillerie an diesem Standort.

Ich hatte Ben Nevis bisher immer mit Sherry- oder anderen süßen Finishes in Verbindung gebracht, aber hier hatten wir eine Abfüllung aus einem Ex-Bourbon Hogshead im Glas. Destilliert wurde er im Juni 1996, abgefüllt wurden nach 18 Jahren im April 2015 gerade einmal 126 Flaschen in Fassstärke mit 53,7%.

Colour: M5 (Senf)

Nose: In der Nase machen sich zuerst die typischen Noten aus Ex-Bourbon-Fässern bemerkbar: Holz und Vanille. Danach kommen etwas weniger intensiv fruchtige Noten von Beeren und trockenen Aprikosen. Manchmal (tatsächlich nicht jedes Mal, wenn man am Glas riecht) kommt auch ein leichter Stich der Alkoholschärfe durch. Und wenn man ihm genug Zeit gibt, erscheinen noch würzige Noten und süße Töne von Toffee, Karamell, Fudge und Honig.

Taste: auf der Zunge schlägt der Alkohol dann zu, ganz im Gegensatz zu dem eher zurückhaltenden Benehmen in der Nase. Dazu auch hier wieder Holz (diesmal bitter, und zwar im Lauf der Zeit zunehmend) und Vanille. Auch die würzigen Noten sind wieder da. Von den Süßigkeiten in der Nase ist nur eine leichte neutrale Süße übrig geblieben, Schokolade, Toffee und Co. finden wir nicht mehr.

Die bitteren Holznoten kann man mit etwas Wasser deutlich abmildern.

Finish: Das Finish schließlich ist lang, bissig, und die immer noch vorhandene Würzigkeit bleibt sehr lange am Gaumen "kleben".

Insgesamt ist der Ben Nevis ein guter und in Teilen sehr klassischer Whisky. Bemerkenswert für einen Ex-Bourbon-Ausbau (noch dazu nach so langer Zeit) sind die fruchtigen Noten in der Nase. Das hätte sicher nochmal mehr Spaß gemacht, wenn man die auch im Mund wiedergefunden hätte. Aber trotzdem: einer der besten Ex-Bourbon-Cask-Whiskies, die ich bisher getrunken habe, und das will bei meinen ganz anders gelagerten Vorlieben schon etwas heißen.

Wertung:

Der Whisky in der Whiskybase: 78590

Zur Destillerie gehts hier: Ben Nevis

Tobermory 1995/2016

Das hier ist die aktuelle Eigenabfüllung von Whic. Destilliert im Dezember 1995 hat der Tobermory 20 Jahre lang in einem American White Oak Hogshead gelegen, das zuvor vermutlich - wie beim Ben Nevis - amerikanischen Bourbon-Whiskey beherbergt hat. Abgefüllt wurden im August 2016 nur noch 90 Flaschen mit respektablen 55,8% Alkohol in Fassstärke. Kühlgefiltert wurde der Whisky nicht, und gefärbt auch nicht.

Colour: M4 (Bernstein)

Nose: Bei seiner Stärke nicht ungewöhnlich, schickt uns der Whisky zuerst einmal eine spürbare Portion Alkohol in die Nase. Danach kommen die für Tobermory so typischen, würzigen und ledrigen (Wildleder?) Noten, die ich sehr gerne mag, während meine Frau mich immer mit "Maggi" aufzieht, wenn es um Tobermory geht. Dann finden wir noch Kirsche und dunkle Schokolade. Letztere entwickelt sich im Laufe der Zeit immer mehr bis zur führenden Note.

Taste: Auch im Mund spüren wir zunächst mal den Alkohol. Ein bisschen beißt er schon, aber nicht unangenehm. Der Mund wird mit Karamellnoten geradezu ausgekleidet, und die leicht bitteren Holznoten und die typischen würzigen Noten müssen sich da erstmal durcharbeiten, bevor sie zu den Geschmacksknospen gelangen.

Finish: Das Finish ist warm und bleibt lange im Mund, auch nach mehrmaligem Schlucken ist noch etwas da. Im Hals bleibt weniger hängen.

Ich kann nicht anders: Whiskies aus Tobermory haben bei mir einen Vorsprung "right from the start" - ich mag sie einfach. Und wenn ich nicht schon so viele davon im Regal stehen hätte, dann wäre dieser hier sicher dazugekommen. Da war ich mir mit meiner Frau sogar einig.

Wertung:

Der Whisky in der Whiskybase: 87585

Zur Destillerie gehts hier: Tobermory

Zwei leckere Whiskies machten den Anfang des Tastingabends, und einen davon hätte ich mir beinahe gekauft. Warum ich es dann doch nicht getan habe und wie der Abend weiterging? Das erzähle ich bei nächster Gelegenheit. Bis dahin kann ich mich nur bei Whic für die Samples bedanken und jedem empfehlen, sich selbst einmal dort umzuschauen: bei den Eigenabfüllungen und natürlich auch im allgemeinen Shop.

C2C Spirits Cup 2016

C2C-Spirits-Cup 2016

Wer einen (oder mehrere) Whiskies auf den Markt bringt, sei es als Hersteller, Abfüller oder Importeur, der möchte gerne wissen, wie sein Produkt beim Verbraucher ankommt. Und zwar nur das Produkt. Ohne Marketing, Werbung, tolle Verpackung, Marken- oder Produktimage, einfach nur das Produkt. Mal soll vor der Markteinführung getestet werden, mit welchen Reaktionen mal rechnen kann, mal möchte man klären, warum ein Produkt nicht so gut ankommt, und manchmal interessiert man sich dafür, wie zwei Produkte im Vergleich ankommen.

Eine Plattform für solche Tests bietet der C2C Spirits Cup, den die international renommierte Spirituosenexpertin Julia Nourney initiiert hat und in diesem Jahr schon zum dritten Mal veranstaltet. Dabei können Firmen ihre Produkte einreichen, und Verbraucher (C2C steht für "Consumer to Consumer") testen diese blind. Wir hatten die Einladung, als Juror teilzunehmen, gesehen und uns schnell entschieden, dieser Einladung zu folgen, gemeinsam mit zwei Freunden aus dem gemeinsamen Whiskyumfeld.

Wir fanden uns am Veranstaltungsort, einem Jugendzentrum im Nachbarstädtchen, ein und wurden von Julia freundlich begrüßt. Nachdem alle Teilnehmer ihren Platz gefunden hatten, ging es mit einigen einleitenden Erklärungen zur Veranstaltungsreihe (insgesamt 16 Tastings, deutschlandweit verteilt) und ein paar Spielregeln und Ablaufinformationen los.

Wir wurden bewusst ein wenig auf mehrere Tische verteilt, um gegenseitige "Unterstützung" zu vermeiden. So gab es auch einen Kennbuchstaben für jeden Platz, nach dem unterschiedliche Whiskies zur Begutachtung verteilt wurden. Eine Sonderrolle nahm dabei der Buchstabe "R" ein. Hier nahmen die Teilnehmer der Rum-Verkostung statt, die ebenfalls Bestandteil der Veranstaltungsserie war. (Irgendwo habe ich auch das Veranstaltungslogo in einer Variante als "C2C Gin Cup" gesehen. Das klingt auch nicht uninteressant, da muss ich bei Gelegenheit nochmal ein wenig forschen.)

Anhand eines "Kalibrierungswhiskies" (das kennen wir ja schon von Michaels Tastings) machten wir noch ein paar Riech-, Schmeck- und Spuckübungen. Ja, spucken, denn eine wichtige Regel lautete: die Whiskies werden nicht getrunken. Ein Blick auf das Arbeitspensum erklärte auch schnell, warum: wer 18 Whiskies ernsthaft verkosten, bewerten und vergleichen will, der kann nur dann auf ein sinnvolles Ergebnis hoffen, wenn er auch den letzten Whisky noch einigermaßen nüchtern begutachten kann. Die beim Riechen aufgenommenen und nach dem Ausspucken unweigerlich im Mund verbleibenden Alkoholmengen sind da so gerade noch vertretbar. Gespürt habe ich sie am Ende durchaus.

Der Kalibrierungswhisky diente auch dazu, die Punktevergabe zu üben. Wir vergaben mündlich unsere Wertung (ganzzahlig von 1 bis 10) und bekamen die Information, wie dieser Whisky in der Vergangenheit durchschnittlich bewertet worden war. So konnten wir einschätzen, wie treffsicher wir waren und ggf. welche Auswirkung persönliche Vorlieben auf die eigene Bewertung haben würden.

Im Anschluss bekamen wir dann je 18 Whiskies bzw. Rums in Päckchen (sogenannten "Flights") zu ein bis drei Gläsern, verkosteten und bewerteten diese und bekamen den nächsten Flight. Die einzige Information war die Trinkstärke-Kategorie (Trinkstärke, erweiterte Trinkstärke, Fassstärke). Natürlich stand Wasser zur Verfügung, und die Spucknäpfe wurden regelmäßig ausgetauscht. Angesichts der Aromaschwaden aus den offenen Gefäßen war das auch sehr hilfreich. Was die Bewertungen angeht: ich hatte für meinen Geschmack weder einen Überflieger noch einen Totaleinbruch dabei. Die jeweils vorausgehenden Noten (9 nach oben, 2 nach unten) habe ich aber jeweils einmal vergeben. Ansonsten konnte ich mich tatsächlich recht gut an dem Kalibrierungswhisky orientieren. Obwohl ich wenig dabei hatte, was eindeutig in mein "Beuteschema" passt, lagen die meisten meiner Noten im oberen Mittelfeld. Die Whiskyhersteller verstehen eben schon ihr Handwerk, und wer die sprichwörtliche "Plörre" auf den Markt wirft, der ist vielleicht sowieso nicht ernsthaft an Consumer-Feedback interessiert, vermute ich mal.

Gesprochen wurde übrigens nur wenig. Das hatte ich anders erwartet, ich war von einer etwas geselligeren Runde ausgegangen. Ich erkannte aber schnell, dass man hier nur weiterkam, wenn man konzentriert (und damit überwiegend still) zu Werke ging. Und weil das alle Teilnehmer (meistens) so hielten, herrschte eine ruhige und produktive Atmosphäre - was keineswegs heißen soll, dass es langweilig oder gedrückt gewesen wäre.

Zum Schluss bekam jeder die vier von ihm selbst bestbewerteten Whiskies, wahlweise im Glas oder in Sampleflaschen. So hätte noch eine durchaus fröhliche Runde entstehen können, wenn nicht alle (glaube ich) Teilnehmer die Flaschenform gewählt hätten. Zu alkoholisiert waren die Nasen und Zungen, als dass man die persönlichen Gewinner noch halbwegs sinnvoll hätte genießen können. Das haben wir auf später verschoben, wenn die Ergebnisse der Tastingserie feststehen und wir wissen, welche Whiskies die Medaillen "abgeräumt" haben und welche wir als Favoriten gewählt hatten.

Am Ende hatten wir einen hochinteressanten und lehrreichen Abend erlebt, an dem es auch noch eine Vielzahl leckerer Whiskies zu probieren gab. Wir freuen uns schon jetzt auf die Auflösung und die Ergebnisse, auf den Probierabend der mitgenommenen Favoriten-Samples und - natürlich - auf eine Wiederholung im nächsten Jahr.

Zum Veranstalter gehts hier: C2C Spirits Cup

Lowlander by the Sea

Lowlander by the Sea

Als Whiskyfan verfällt man früher oder später der Sammelleidenschaft in der einen oder anderen Form. Flaschen zu sammeln (womöglich noch seltene) ist vielleicht die teuerste Form dieser Leidenschaft. Dem setzt bei mir glücklicherweise der vorhandene Regalplatz eine natürliche Grenze, obwohl man doch immer wieder noch ein Plätzchen für das eine oder andere gute Stück findet. Ich versuche, Whiskies aus möglichst vielen verschiedenen Destillerien mal probiert zu haben, und auch da wird die Aufgabe im Laufe der Zeit kniffliger. Damit meine ich gar nicht mal die geschlossenen Destillerien, die ich gerne "so nebenher" mitnehme, wenn sich eine Gelegenheit ergibt - zum Beispiel bei einem Tasting.

Aber auch bei aktiven Destillerien ist es manchmal gar nicht so einfach, etwas zu finden. In diesem Fall handelte es um eine noch sehr junge Destillerie. Ailsa Bay wurde erst 2007 eröffnet und produziert ihre ca. 12 Mio. Liter(!) Alkohol pro Jahr in ganz überwiegendem Maß für die Blends von William Grant & Sons, zu dem sie gehört. Die Destillerie steht auf demselben Gelände wie Girvan (eröffnet 1963), der Grain-Destillerie im gleichnamigen Ort bei Ayr, also an der Westküste der schottischen Lowlands. Und noch einen bekannten Namen gab es hier: ebenfalls auf diesem Gelände war von 1968 (oder 1966?) bis 1975 die Destillerie Ladyburn aktiv, von der heute noch Whiskies zu bekommen sind, allerdings nur mit Mühe unterhalb des vierstelligen Preisbereiches.

Es gibt zwar eine Destillerieabfüllung (peated!) von Ailsa Bay, und eigentlich war ich auch auf der Suche danach, aber dabei bin ich über eine andere Abfüllung gestolpert, die mich einmal mehr interessierte: den Lowlander by the Sea aus der C&S Dram Collection. Die Daten: 68,8%, 5 yo, destilliert am 03.06.2010, abgefüllt am 18.01.2016, Cask #900145 317 Flaschen, nicht kühlgefiltert, nicht gefärbt.

Bei dem Lowlander handelt es sich um einen "teaspooned" Whisky. D.h. der Verkäufer des Fasses hat einen Teelöffel eines anderen Malt hinzugefügt (oder behauptet das zumindest). Damit ist der Whisky formal kein Single Malt mehr, und er darf nicht unter dem Namen der ursprünglichen Destillerie verkauft werden. Dass es sich dennoch um einen Ailsa Bay handelt, stammt demnach aus der Gerüchteküche. Offiziell wird der Abfüller diese Information niemals weitergeben (oder er hätte sein letztes Fass gekauft), und woher die inoffiziellen Informationen stammen, kann man auch selten klären. Letztlich muss ich auch in diesem Fall einfach glauben, dass der Whisky aus der vermuteten Destillerie stammt.

Ich hatte mir übrigens erstmal nur ein Sample des Lowlanders gekauft, aber wie man an dem Foto zum Artikel sieht, ist es dabei nicht geblieben ...

Und noch ein "Funfact", bevor es los geht: ebenfalls in Girvan wird der bekannte Hendrick's Gin produziert.

Colour: M1 (pastellgold)

Nose: Der Lowlander ist in der Nase ungeheuer kraftvoll und alkoholisch. Die Aromen sind aber auch sehr frisch, und ich finde viele süßen Noten wie Apfelpfannkuchen (später eher Honigwaffeln), Honig und Bienenwachskerzen.

Taste: Auch im Mund ist der erste Eindruck weich und süß. Trotzdem (kein Wunder bei der Alkoholstärke) brennt er auch gehörig, und der Alkohol schmeckt deutlich durch. Die Alkoholschärfe weicht jetzt einer Pfefferschärfe. Die
Honignoten aus der Nase sind verschwunden, das Bienenwachs ist noch da, wenn auch weniger intensiv. Und ganz zum Schluss tauchen noch Holznoten auf, die sich bis in den Abgang halten.

Finish: Der Abgang schließlich ist sehr lang und geradezu feurig. Und wie gesagt: Holz.

Wertung:

Dieser Whisky ist ein Schätzchen! Hier werden auf sehr stimmige Weise die Weichheit von Lowland-Whisky mit Kraft der Fassstärke verbunden. Toll!

Der Whisky in der Whiskybase: 82678

Eine eigene Website von Ailsa Bay habe ich nicht gefunden. Ersatzweise kann man sich hier bei der "Herbergsdestillerie" umschauen: Girvan

Highland Park Sigurd

Highland Park Sigurd

Bei einem der letzten privaten Treffen unserer "Whiskygruppe" hatte der Gastgeber eine Flasche des Highland Park Sigurd (43%) geöffnet und damit einige Begeisterung ausgelöst. Ein Sample davon gab er mir "für eine ruhige Minute" mit, in der ich mal Zeit haben würde, ihn ausführlich zu probieren und zu beschreiben. Das haben wir (meine Frau als ausgewiesener Highland Park Fan war natürlich mit von der Partie) auch schon vor einer Weile getan, und jetzt finde ich (bzw. nehme ich mir) endlich die Zeit, die Notizen in einen ordentlichen Artikel zu verpacken. Also los ...

Colour: M8 (Kupfer)

Nose: Zuerst wirkt der Sigurd in der Nase überraschend schwach, nur ein paar chemisch anmutende Noten kommen an, und ein bisschen Alkohol. Das ändert sich nach etwa zwei Minuten: jetzt öffnet er sich mit einem für Highland Park durchaus typischen Zusammenstellung von Aromen. Im einzelnen finden wir Zitrusschale (Orange?), frische Mandeln, vielleicht frische Nüsse (aber nicht weihnachtlich), Holz, Currypulver, eine leichte Schärfe, dunkle Schokolade und (ganz leicht) einen feinen Rauch. (Das mit dem Rauch bei Highland Park ist bei mir immer so eine Sache. Gewöhnt an die heftigen Torfschlote von Islay und Mull tue ich mich immer etwas schwer, den Rauch bei Highland Park zu finden. Er ist da, keine Frage, aber eben viel feiner und sanfter als im "wilden Westen" Schottlands.)

Taste: Der erste Geschmackseindruck ist weich, aber auch kraftvoll. Süß ist er, mit leichten Bitternoten, und er ist sehr präsent und ausfüllend. Die dunkle Schokolade ist wieder da, und (unverbrannter) Tabak.

Finish: Das Finish ist nicht sehr lang und nicht wirklich spektakulär. Aber ein bisschen von der Präsenz bleibt über den "letzten Schluck" hinaus erhalten, auch der Nachgeschmack der Schokolade. Das ist immerhin so lecker, dass man sich wünscht, er würde noch ein bisschen länger nachklingen.

Wertung:

Das kurze Finish ändert nichts daran, dass es sich um einen exzellenten Whisky handelt. Auch für Einsteiger in höherwertige Whiskies, für die starker Rauch oder die Durchschlagskraft von Fassstärken vielleicht noch zu früh kommen. Leider ist er auch nicht gerade billig (aktueller Preis knapp 130,- EUR), so dass er wohl nicht (oder jedenfalls nicht auf die Schnelle) auf meinem Regal landen wird. Aber ein Guter ist er trotzdem!

Der Whisky in der Whiskybase: 45068

Zur Destillerie gehts hier: Highland Park

Wolfburn 2016

Wolfburn 2016

Auch den Wolfburn (46%) hatte ich mir als Sample gekauft. Ich hatte ihn schon zuvor beim Whiskyschiff Luzern schon einmal probiert, aber damals keine Zeit für ausführliche Notes gehabt. Immerhin war mir noch im Gedächtnis, dass er noch viele Anklänge an den New Make Spirit hatte, den ich noch früher (InterWhisky Frankfurt) ebenfalls schon mal probiert hatte. Nun also nochmal in Ruhe ...

Colour: C3 (Stroh)

Nose: Wie erwartet: viele Noten, die an einen New Make Spirit erinnern. Leicht und fruchtig, mit Banane und reifen und süßen Birnen. Der Alkohol ist recht deutlich, außerdem finde ich ein wenig Vanille und noch weniger Salz. Insgesamt ist er ziemlich geruchsarm, auch mit (Hand-)wärme kommt da nicht mehr.

Taste: Auch der Geschmack ist weich und warm. Die Fruchtnoten aus der Nase gehen spürbar zurück, was mich ein wenig überrascht. Da hätte ich mehr erwartet.Dafür schmecke ich Holz, viel Tabak und (vielleicht) eine ganz leichte Torfnote.

Finish: Der Abgang ist warm und mittellang, beim zweiten Schluck dann etwas länger.

Obwohl ich vergleichsweise wenige benennbare Aromen finde: dieser Whisky hat was. Schon mit seinen jungen drei Jahren ist er sehr ausgewogen, und alles an ihm fühlt sich so an, als habe er noch eine große Entwicklung vor sich. Ich glaube, dass wir von Wolfburn noch großartige Whiskies sehen werden. Aber ich glaube auch, dass das noch eine Weile dauern wird. Denn nach drei Jahren ist noch viel vom New Make Spirit zu finden. So gut er sich entwickelt, so langsam kommt er voran. Da werden wir noch viel Geduld brauchen. Aber die wird sich lohnen!

Wertung:

Der Whisky in der Whiskybase: 75811

Zur Destillerie gehts hier: Wolfburn

Dalmore King Alexander III.

Dalmore King Alexander III

Der Dalmore King Alexander III., mit 40% an der Untergrenze dessen, was sich noch Whisky nennen darf, hatte mich schon länger interessiert. Ein Samplekauf bei einem netten Facebook-Kollegen machte es möglich, dass ich den Whisky jetzt mal probieren konnte. Naja, "jetzt" stimmt auch schon wieder nicht mehr. Die Tastingnotes liegen seit einer Weile hier und warten darauf, mal ordentlich formuliert und verbloggt zu werden. Und das sind nicht die einzigen. Wenn man es genau nimmt, habe ich nach dem Flaschen- und Samplestau auch noch einen "Notesstau" aufgemacht. Na, wenigstens dieser hier wird jetzt verarbeitet ...

Dalmore ist eine Highlands-Brennerei und liegt am Cromarty-Firth gleich neben Invergordon, gut 20 Meilen nördlich von Inverness. Mit 4,2 Mio. Liter Jahresproduktion gehört sie auch gar nicht zu den kleinen Destillerien, aber abgesehen von vereinzelten Drams in Tastings war sie bisher an mir vorbeigegangen. Nun gut, dann nehmen wir uns mal das Flagschiff vor. Der King Alexander ist eine Vermählung von sechs verschiedenen Fässern:

  • Ex-bourbon casks
  • Matusalem Oloroso sherry wood casks
  • Madeira barrels
  • Marsala casks
  • Port pipes
  • Cabernet Sauvignon wine barriques

Eine ganz schöne Sammlung. Zusammengestellt hat sie Richard Paterson, Master Blender bei White & Mackay. Und dem Vernehmen nach sind alle verwendeten Whiskies 14 Jahre und älter. Naja, wer weiß, woher diese Informationen kommen, ich gebe sie lieber mal nur als Gerücht weiter. Offiziell steht keine Altersangabe auf der Flasche.

Colour: M10 (Hennarot)

Nose: Der erste Eindruck ist weich, warm und sahnig, irgendwas zwischen Werther’s Echte und Fudge. Danach taucht auch der Alkohol auf, Lösungsmittel, Kleber, frisches Holz, Rotwein und ein wenig Säure, wie von frischem Obst.

Taste: Auch im Mund gibt sich der "König" leicht, mild, warm, weich und süß. Ein bisschen holzig schmeckt er, aber nicht so viel, dass dabei bittere Noten auftreten. Holz und Säure fehlen jetzt, aber ansonsten deckt sich der Geschmack weitgehend mit den Geruchsaromen.

Finish: Der Abgang ist kurz, auffällig ist eine sehr leichte Bitternote am Zungenrand.

Wertung:

Von seinem Auftreten her ist der King Alexander ein klassischer Einsteigerwhisky, angenehm, nicht zu komplex (wobei ich durch die vielen verschiedenen Fässer eigentlich mehr Komplexität erwartet hatte). Den Preis (ca. 120,- EUR) wird aber vermutlich nicht jeder Anfänger zahlen wollen, und auch für mich ist das der Grund, warum sich der Whisky vorerst nicht in meinem Regal finden wird.

Der Whisky in der Whiskybase: 36788

Zur Destillerie gehts hier: Dalmore

Tasting: Bunnahabhain 2016

Tasting: Bunnahabhain 2016

Manchmal muss man einfach Glück haben. Whisky For Life, ein von mir sehr geschätzter Frankfurter Whiskyshop, hatte auf Facebook eine Änderung für eines seiner Tastings bekanntgegeben, weil ihm der Referent abgesprungen war. Erst dadurch war ich auf das reine Bunnahabhain-Tasting aufmerksam geworden, und die "Zweitbesetzung" für die Durchführung machte mich definitiv hellhörig. Anstelle des Brand Ambassadors von Burn Stewart (schon das wäre keine schlechte Besetzung für das Thema gewesen) übernahm Andrew Brown, seines Zeichens Distillery Manager von Bunnahabhain. Wenn das kein Glücksfall war. Zwei der wenigen noch freien Plätze waren schnell gebucht, und letzten Donnerstag nahmen wir dann in einem gut gefüllten Ladenlokal Platz. Mit uns am Tisch saß ein weiteres Paar, mit dem sich schnell eine angeregte Unterhaltung entspann, bevor es dann losging.

Der schottische Akzent von Andrew Brown ist durchaus leidlich zu verstehen. Er gehört zu jenen, die sauber zwischen dem Akzent und der oft damit einher gehenden Nuschelei trennen, was uns für seine amüsanten Geschichten durchaus zugute kam.

Nach einigen einleitenden Sätzen und Zahlen zur Destillerie (gegründet/legalisiert 1881, peated Whisky gibt es erst seit 2003, pro Tag gehen ca. 300.000 Liter Quellwasser in den Produktionsprozess - zur Kühlung wird je nach Außentemperatur bis zur zehnfachen Wassermenge benötigt) ging es dann los. Das Tasting war in drei Blöcke unterteilt, jeweils durch eine Pause unterbrochen. Im ersten Block gab es die mit Altersangaben versehenen, ungetorften Standardabfüllungen.

  • Bunnahabhain 12yo, 46,3% - Diese Abfüllung gibt es seit 1979, auch wenn zwischendrin wohl auch mal das Rezept geändert wurde. Der Sherryanteil hat wohl zugenommen.

    • Nose: In der Nase sind viele fruchtige und süße Noten. Dazu kommt die klassische Sherry-Suite mit Rosinen, Trockenfrüchten, Rum (eher nicht) und Sherry, allerdings sehr verhalten. Das ist kein Vergleich zu manchen "Sherrybomben". Was dem Ganzen aber seinen Charme verleiht ist eine Würzigkeit, die für mich ganz typisch Bunnahabhain ist. Keine Ahnung, was das ist, vielleicht ein paar weihnachtliche Gewürze? Aber es ist Bunnahabhain!

    • Taste: Im Mund finde ich wieder die leichte Fruchtigkeit und Süße, auch würzig ist er wieder, außerdem nussig und mit Noten von Honig. Die Bunnahabhain-typischen 46,3% Alkohol treten kaum in Erscheinung.

    • Finish: Das Finish ist mittellang und schön warm im Hals.

    • Der Whisky in der Whiskybase: 42079
  • Bunnahabhain 18yo, 46,3% - Als nächstes hatten wir den 18-jährigen, den Freunde von uns zu ihrem All-Time-Favourite erkoren haben. Ich hatte ihn bisher einmal im Glas. Das war am Bunnahabhain Day in der Destillerie. Das war zwar sozusagen der ideale Platz, um einen Bunnahabhain zu probieren, aber bei all dem Trubel des Tages hatte ich keine Gelegenheit, mit Notizen zu machen. Und mit meinem Gedächtnis ist das manchmal so eine Sache ... ich weiß nur noch, dass ich ein bisschen enttäuscht war ob der Vorschusslorbeeren. Nun hatte ich die Gelegenheit, mein Urteil zu korrigieren. Der 18jährige hat den höchsten Sherryanteil unter den Standardabfüllungen, dementsprechend ist er sichtbar dunkler als der 12-jährige.

    • Nose: Und auch in der Nase macht sich das bemerkbar: die Sherrynoten und alles, was typischerweise damit einhergeht, haben ganz klar das Kommando in der Nase. Dahinter kommen, deutlich schwächer, auch andere süße, fruchtige und - natürlich - würzige Noten zum Vorschein.

    • Taste: Auf der Zunge ist einen Augenblick lang eine gewisse Schärfe zu schmecken (Alkohol, Pfeffer?), aber das wird schnell eingefangen durch eine schöne runde Komposition aus Sherry und Trockenfrüchten. Interessant noch, dass einige Teilnehmer auch ein bisschen Salz fanden. Andrew bestätigte uns, dass das vielen so gehe. Er selbst schmecke da allerdings gar kein Salz, vielleicht, weil er so nah am Meer wohne und eigentlich ständig Salz in der Luft und auf der Zunge habe. Klingt plausibel.

    • Finish: Der Abgang ist etwas kürzer als beim 12-jährigen. Das mag daran liegen, dass der 18-jährige insgesamt weicher und runder ist als der jüngere Bruder.

    • Der Whisky in der Whiskybase: 53099
  • Bunnahabhain 25yo, 46,3% - Zum Abschluss der ersten Session gab es noch den Ältesten im Bunde. Der ist farblich wieder in etwa so wie der 12-jährige, jedenfalls soweit ich das bei der gemütlichen, aber etwas schummerigen Beleuchtung beurteilen konnte.

    • Nose: Hier kommt das Salz jetzt deutlicher zur Geltung. Darüber hinaus riecht der Whisky sehr weich, sanft und stimmig. Ich finde viele süße Noten, unter anderem Karamell. Und Leder?

    • Taste: Auch auf der Zunge ist der alte Herr weich, süß, sahnig und abgerundet, alles schön aufeinander abgestimmt. Auch ein wenig Salz ist wieder da, und ein bisschen Sherry. Deutlich weniger als bei den jüngeren, aber gerade so viel, dass alles zusammen passt.

    • Finish: Im Abgang ist dieser hier eher kurz.

    • Der Whisky in der Whiskybase: 27789

Wie schon erwähnt, wurde jetzt eine Pause eingelegt. Für mich die Gelegenheit, hier ein kleines Zwischenfazit einzustreuen. Rein "technisch" gesehen werden die Standards mit zunehmendem Alter immer besser. Weich, rund und vor allem sehr stimmig. Die meisten Sympathiepunkte bekommt von mir aber der 12-jährige. Zum einen mag ich die etwas raueren Kompositionen, in denen die einzelnen Komponenten sozusagen "miteinander reden", sich manchmal auch etwas streiten. Und zum anderen erzeugt der 12-jährige in meinem Kopf sofort die Bilder von der Destillerie, dem Warehouse, dem Innenhof, der engen Treppe zum noch engeren Shop und natürlich dem wunderschönen Pier mit seinen roten Farbtupfern. Herz über Kopf ...

In der Pause gab es auch ein bisschen was zu essen. Das benachbarte naïv, für seine Craftbeer-Expertise bekannt, lieferte allerlei leckere "Flats" (neudeutsch für Flammkuchen) an. Die Bretter mit den verschiedenen Varianten wurden durch den Laden getragen und weitergereicht, so dass schnell eine lockere Atmosphäre mit netten Pausengesprächen aufkam.

Nach der Pause ging es weiter mit Whiskies, die man so nicht zu kaufen bekommt. Andrew hatte drei Fassproben mitgebracht. Zwei davon waren auf die schon bekannten 46,3% verdünnt, eine war in Fassstärke belassen.

Übrigens: warum eigentlich gerade 46,3%? Hat diese Stärke etwas besonderes? Schmeckt der Whisky in dieser Stärke am besten? Kommen die Aromen am besten zur Geltung? Vermutlich nichts von allem. Ich glaube, dass es das Marketing ist, das gerne eine wiedererkennbare Besonderheit hätte. Talisker macht das ebenso (45,8%). Im Fall von Bunnahabhain, erzählte Andrew, liege es daran, dass das Messgerät in der Verdünnungsanlage ausgerechnet bei 46,3% exakt arbeite, während bei 46% größere Abweichungen auftreten. Ich kann mir das nicht so recht vorstellen. Aber ein Gegenargument habe ich natürlich nicht. Übrigens arbeiten auch Tobermory und Deanston, die beiden anderen Destillerien von Burn Stewart, mit 46,3%. Das kann natürlich daran liegen, dass die durch dieselbe Verdünnungsanlage laufen - oder eben dafür, dass dieselbe Marketingabteilung dahinter steht. Na egal, solange es schmeckt ...

  • Bunnahabhain 18yo (bottled Sept. 2016) Cognac Finish, 46,3% - Die zweite Session startete mit einem ungewöhnlichen, aber sehr reizvollen Tropfen. Der Whisky hat volle sechs Jahre, also ein Drittel seines Gesamtalters, in Cognacfässern gelegen. Ein Cognac-Finish findet man selten. Erst vor wenigen Monaten hat Bruichladdich den Port Charlotte CC:01 in die Duty-Free-Shops der Flughäfen gebracht, und weil mir der sehr gut schmeckt, war ich auf den Bunnahabhain (im Gegensatz zum Port Charlotte natürlich ohne Rauch) sehr gespannt.

    • Nose: Zuerst einmal: auch das ist ein echter Bunnahabhain. Die würzige Note finde ich sofort. Auch die Süße und Fruchtigkeit wirken vertraut. Ein bisschen Holz ist noch da, und Apfelkuchen. Außerdem sind da noch andere Noten, auch irgendwie würzig, aber unbekannt. Vielleicht kommen die vom Cognac?

    • Taste: Auch auf der Zunge ist der Whisky ein wenig süß, und die Holznoten sind auch wieder da. Im Gegensatz zum recht weichen Eindruck in der Nase ist er hier aber durchaus ein wenig bissig. Dann Karamellnoten und Melasse. Letztere fand ich schwer zu entdecken (Andrew hat uns mit der Nase drauf gestoßen), aber nachdem sie einmal entdeckt war, war der Eindruck sehr klar. Die Melasse- und Karamellnoten passten übrigens sehr schön zueinander.

    • Finish: Das Finish mittellang, aber es hat etwas, das ich mal als "airy" (also "luftig") bezeichnen möchte. Neben den Geschmacksnoten in Gaumen und Hals hatte ich das Gefühl, dass auch in der Atemluft noch allerlei Aromen stecken. Sehr schön!
  • Bunnahabhain 11yo (bottled Oct. 2016) Manzanilla Finish, 57,4% - Jetzt ging es zur Sache! Der nächste Whisky kam in unverdünnter Fassstärke daher. Laut Tastingsheet handelte es sich um eine Manzanilla-Finish (einer der trockeneren Sherries), aber Andrew zweifelte das an. Er meinte, der Whisky müsste komplett in dem Sherryfass gereift sein.

    • Nose: Das war fast wie ein Besuch bei einem alten Bekannten. Hätte ich es nicht besser gewusst, ich hätte geglaubt, einen Tobermory im Glas zu haben. Die gleiche ledrige Würze, an der sich die Geschmäcker scheiden. Jedenfalls die von meiner Frau ("wie Maggi") und mir. Buttriges Gefühl auf der Zunge, sahnig, Karamell, süßes Popcorn, trotz der Fassstärke nur dezenter Alkohol - traumhaft!
    • Taste: Auch auf der Zunge bilde ich mir die Verwandtschaft zu Tobermory ein. Würzige Noten, jetzt deutlicher mit Sherry, dazu Karamell und mehr Alkohol als in der Nase.

    • Finish: Der Abgang ist lang und warm. Hier macht sich dann doch die hohe Alkoholstärke bemerkbar, aber sie trägt die anderen Noten mit sich, anstatt sie zu erschlagen.
  • Bunnahabhain 11yo (bottled Oct. 2016) Marsala Finish, 46,3% - Jetzt wieder verdünnt, ebenfalls 11 Jahre alt, diesmal aber definitiv ein Finish, und zwar in einem Marsala-Fass. (Ein Marsala-Finish hatte ich auch letzen Mai beim Bunnahabhain-Day in der Destillerie kennengelernt, aber damals handelte es sich um einen "Moine", also einen intensiv getorften Whisky.)

    • Nose: Hier also ohne Torf. Dafür stehen Früchte im Vordergrund. Zuerst entdecken wir Brombeeren später gesellt sich Apfel dazu. Der Whisky wirkt in der Nase deutlich runder und weicher als der mit dem Cognac-Finish.

    • Taste: Und auch auf der Zunge ist er weich und rund. Würzig, süß (Butterscotch, Fudge?), und ganz leichte Anisnoten.

    • Finish: Im Abgang ist er mittellang und "dick". Damit meine ich, dass er sich auch im Abgang noch so anfühlt, als ob er sich auf alles legt. Klingt komisch, ist aber so.

Mein Favorit unter den Fassproben war der mittlere (Fassstärke, Manzanilla-Finish). Aber der Vorsprung vor dem ersten (Cognac-Finish) war sehr knapp. Vielleicht wäre es andersherum ausgegangen, wenn der Manzanilla nicht in Fassstärke dahergekommen wäre oder mit der Tobermory-Fahne gewinkt hätte. Aber die Platzierung ist gar nicht so wichtig, eher das Glück, gleich zwei so tolle Whiskies in einem Tasting zu haben. Die Kurzumfrage in der Teilnehmerrunde ergab auch, dass definitiv beide ihre Fans hatten.

Nach einer weiteren Pause (diesmal ohne Flammkuchen, also mit mehr Zeit für Smalltalk und Fachsimpelei, an der sich Andrew übrigens intensiv beteiligte) gab es in der letzten Session noch zwei rauchige Bunnahabains zu probieren. Bunnahabhain hat lange Zeit völlig ohne Torf gearbeitet (abgesehen von den Anfangszeiten der Destillerie natürlich, als Torf das einzige verfügbare Brennmaterial war). Erst 1997 wurden (auf Betreiben des Marketings, wenn ich mich richtig erinnere) erste Experimente mit Torf gemacht, und seit 2003 gibt es regelmäßig getorfte Abfüllungen. Allerdings bezieht Bunnahabhain seine Gerste nicht von Islay, sondern von der englischen und schottischen Ostküste.

  • Bunnahabhain Toiteach, 46% - Der gälische Name (Aussprache: "Tochtschach" mit den ch wie in "doch") bedeutet "Smoke", also "Rauch". Eine Altersangabe gibt es nicht. Die Hälfte des Malzes ist mit etwa 50 ppm (parts per million Phenol) getorft, die andere Hälfte ist ungetorft. Kleine Anekdote am Rande: der Toiteach hat "nur" 46%". Andrew erzählte, dass er Dr. Kirstie McCallum, Master Blender bei Burn Stewart, nach dem Grund gefragt habe. Antwort: die Etiketten waren schon gedruckt und sollten nicht nochmal neu gedruckt werden.

    • Nose: Natürlich ist der Rauch das erste, was die Nase wahrnimmt. Zum einen, weil er recht intensiv ist, zum anderen, weil der Rauch der deutlichste Unterschied zum bisherigen Abend ist. Aber auch frische Gerste meinen wir zu erkennen. Dazu die dann wieder vertrauten, fruchtigen und süßen Noten.

    • Taste: Und auch die Zunge kommt jetzt vornehmlich in den Genuss von Rauch. Die Süße und Fruchtigkeit ist ebenfalls wieder da. Unter den Früchten sticht diesmal die Banane deutlich hervor.

    • Finish: Der Abgang ist lang und trägt den süßen Rauch noch eine ganze Weile.

    • Der Whisky in der Whiskybase: 36222
  • Bunnahabhain Ceòbanach, 46,3% - Der gälische Name (Aussprache: "Kjubanach", ch wie in "doch", Betonung auf erster und dritter Silbe) bedeutet "Smoky Mist", also "Rauchiger Nebel". Eine genaue Altersangabe gibt es auch hier nicht. Allerdings steht auf dem Etikett, der Whisky habe "länger als 10 Jahre in Ex-Bourbon-Fässern gelegen". Also kein genaues, aber durchaus ein reifes Alter. Getorft ist der Ceòbanach mit 35-45 ppm.

    • Nose: Sherry finden wir diesmal nicht. Ungewöhnlich für einen Bunnahabhain, aber logisch, wenn nur Ex-Bourbon-Fässer zum Einsatz kamen. Dafür riechen wir Holznoten, kaum Süße, und reichlich Rauch.

    • Taste: Und auch hier: viel Rauch, Holznoten. Vielleicht ein bisschen süß, und wenn man nur will, dann entdeckt man auch Spuren von Vanille. Insgesamt ein recht klassischer Ex-Bourbon-Whisky, plus natürlich Rauch und Torf.

    • Finish: Der Abgang ist mittellang, ohne auffällige zusätzliche Noten.

    • Der Whisky in der Whiskybase: 73761

Auch bei den getorften Whiskies war ich mir mit meiner Frau nicht ganz einig. Sie bevorzugte ganz klar den Ceòbanach, der sich mit seinen fehlenden Sherrynoten vom Rest des Programms deutlich unterschied, ich mochte den Toiteach lieber. Aber dass ich etwas für die Kombination aus Rauch und Sherry übrig habe, ist nun auch kein Geheimnis.

Bleibt ein Fazit des Abends zu ziehen. Und das ist ganz eindeutig positiv! Schöne Atmosphäre (was in einem Ladengeschäft ja nicht unbedingt selbstverständlich ist), nette Gäste, spannende und amüsante Moderation, tolle Whiskies und ein Gastgeber, der das alles mit Engagement und Augenmaß zusammengestellt hat. Das war bestimmt nicht unser letztes Tasting bei Whisky for Life.

Zum Veranstalter gehts hier: Whisky For Life

Zur Destillerie gehts hier: Bunnahabhain

Tasting: Aus aller Welt 2016

Tasting: Aus aller Welt 2016

Dass Whisky aus Nordwest-Europa stammt, ist ja ziemlich unbestritten. Unter Historikern gibt es höchstens unterschiedliche Meinungen darüber, ob die ersten Brenner aus Irland oder Schottland kamen. Wobei das ziemlich unwichtig ist, weil die heutigen Staatsgrenzen ohnehin viel jünger sind als das Produkt, das sich weit über diese Grenzen hinaus großer Beliebtheit erfreut.

So beliebt, dass man sich auch anderswo in der Welt daran gesetzt hat, Whisky zu produzieren. Die nordamerikanischen Staaten haben da wohl die größte Tradition vorzuweisen, aber auch in Asien und Europa gibt es eine Reihe weiterer Hersteller. Und einige davon waren Thema des kürzlichen Tastings bei malt'n'taste, das wie immer im Gasthaus Zur Linde in Neu-Anspach stattfand.

Diesmal hatte Michael sechs Whiskies aus sechs verschiedenen Ländern zusammengestellt, die einen schönen Überblick darüber gaben, wie man das Thema "Whisky" anderswo in der Welt interpretiert. Denn trotz immer wieder auftretender Anzeichen von Verwandtschaft gibt es diverse Unterschiede, die mal in der Mentalität des Herstellers, mal im verwendeten Material und mal im Wetter und Klima des Herstellerlandes begründet liegen. Wer sein Whiskyherz ganz und gar dem schottischen Single Malt Whisky verschrieben hat, dem mag das alles "spanisch" vorkommen - im Sinne von "nicht-schottisch", denn einen spanischen Vertreter hatten wir diesmal nicht am Start. Wer aber Whisky in allen seinen Spielarten schätzt und sich die Neugier auf andere Spielarten erhalten hat, der bekam bei diesem Tasting reichlich Gelegenheit, seinen Horizont zu erweitern und feine Tropfen zu genießen.

Schottland: Der Start im vertrauten Umfeld

Wer Michael kennt, der weiß, dass er Ausflüge in ungewohnte Whiskyregionen gerne mit einem Klassiker startet, um die Zunge zu eichen und eine Art Sprungbrett in neue Gefilde zu haben. Das war in der Vergangenheit schon mal ein Glen Grant 10 yrs, der mit seinen ganz klassischen Noten exzellente Vergleiche ermöglicht. Diesmal gab es vorweg einen anderen Vertreter aus der Speyside, den Glenfarclas Heritage, mit 40%, ohne Altersangabe und vermutlich aus einer Mischung aus Sherry- und Ex-Bourbon-Fässern komponiert.

Den haben wir jetzt nicht detailliert mit Notes versehen, es ging ja eher darum, ein Gefühl für den Start unserer Reise zu bekommen. Trotzdem kann ich Gerste, Nüsse, und herbe Früchte erwähnen, die auf Anhieb zu riechen und schmecken waren. Intensive Sherrynoten fehlten, ich tippe darauf, dass die betreffenden Fässer vorher einen eher trockenen Sherry wie Amontillado oder Manzanilla beherbergt haben. Genaueres war dem Etikett nicht zu entnehmen. Aber vielleicht möchte ich diesen Whisky irgendwann nochmal einzeln unter die Lupe nehmen.

Neuseeland: Da war doch noch was ...

Auch wenn Neuseeland heutzutage hauptsächlich wegen der Drehorte aus den "Herr-der-Ringe"-Filmen in den Medien präsent ist, ist das Land auch für Whiskyfreunde von Interesse. Es gab auf der Südinsel des zweigeteilten Inselstaats von 1968 bis 1995 (oder 1997, da habe ich widersprüchliche Angaben gefunden) eine Destillerie namens Willowbank. Während der Existenzzeit der Destillerie gab es keine Abfüllungen, aber Jahre später (nachdem die Destilleriegebäude schon wieder abgerissen waren) kaufte eine Firma die Restbestände (dem Vernehmen nach knapp 500 Fässer) auf und vermarktet den Whisky seitdem in Kleinserien. Der Milford 20 yrs ist eine dieser Kleinserien. Man hat ihn auf leichte 43% Trinkstärke verdünnt und als "Limited Edition" auf den Markt gebracht.

  • Colour: M6 (Ocker) - zu hell für Sherryfässer, würde ich sagen.

  • Nose: Als erstes finden wir Früchte. Nicht frisches Obst, auch keine Trockenfrüchte, eher Dosenfrüchte, vielleicht (aber nicht sicher) Birnen. Außerdem sind die Aromen angenehm würzig, sie erinnern ein Bischen an frisches Popcorn. Nach der Vermutung "kein Sherry" anhand der Farbe hätte ich eigentlich Holz- und Vanillenoten erwartet, wie man sie aus Ex-Bourbon-Fässern kennt. Die finde ich aber nicht. Vielleicht ist man auf der Südhalbkugel ja auch ganz andere Wege bei der Fassauswahl gegangen ...

  • Taste: Aha, jetzt aber! Auf der Zunge sind die Holznoten nun da zusammen mit einem leicht bitteren Ton. Außerdem finde ich Tabak, vielleicht aromatisierten Pfeifentabak. Und man schmeckt das Alter, wenn der Whisky den seitlichen Mundraum geradezu austrocknet.

  • Finish: Der Abgang ist sehr weich und recht kurz. Laut Beschreibung soll das Finish an weiche Lowland-Malts (z.B. Glenkinchie) erinnern. Den habe ich jetzt noch nicht getrunken, also fehlt mir der konkrete Vergleich. Aber vorstellen kann ich mir das schon. Vielleicht finde ich bei Gelegenheit mal ein Sample von einem Glenkinchie.

  • Der Whisky in der Whiskybase: 24963

Österreich: Whisky aus dem Weinland

Der Landstrich im niederösterreichischen Donautal ist bekannt für seine Weine und Kulturdenkmäler wie das Stift Melk. Aber auch Whisky wird dort destilliert, und zwar bei dem Familienunternehmen Wieser, dass hauptsächlich Obst zu süßen oder hochprozentigen Erzeugnissen verarbeitet, aber eben auch schon mal Getreide zu - eben - Whisky brennt. Wir hatten den Single Malt WIESky 7 yrs im Glas, der im Pinot Noir Cask gereift (nicht nur gefinished) ist. Der Whisky trägt übrigens noch die Bezeichnung "Uuahouua". Ich weiß noch, dass es damit eine bestimmte Bewandtnis hatte, aber ich habe den Zusammenhang vergessen. (Nachtrag: "Uuahouua" ist eine alte Bezeichnung für „Wachau“.)

  • Colour: M4 (Bernstein)

  • Nose: Hier erwartet uns eine ganze Kaskade an Düften, wenn auch klassische Whiskyassoziationen fehlen. Uhu und andere Kleber finde ich, und Gerüche, die mich an die Schusterei erinnern: Leder, Leim, neue Schuhe. Außerdem sind sowohl süße (von Leder und Leim) und saure Noten da. Letztere nehmen den Geschmack ein wenig vorweg, denn dort ...

  • Taste: ... finde ich hauptsächlich Obst. Saure Äpfel und eher fruchtige Birnen. Der Geschmack erinnert ein Bischen an einen Obstbrand, was bei der Herkunft ja vielleicht auch nicht verwundert.

  • Finish: Der Abgang ist weich und - auch hier - fruchtig.

  • Der Whisky in der Whiskybase: 42740

Deutschland: Ein Holzklotz mit Gefühl

Der letzte Whisky vor der üblichen Pause führte uns nach Bayern. Am Schliersee brennt die Destillerie Slyrs schon recht lange Whisky, und der im letzten Jahr erstmalig aufgelegte Slyrs 12 yrs, 43%, kam 2016 in einer neuen Edition auf den Markt, in einer aus einem massiven Holzklotz gefrästen Verpackung und mit dem Sample - der Sammler lässt seine Flaschen gerne zu - gleich inklusive. Der Verkauf der Charge soll auch ohne aktive Werbung zu Schlangenbildung vor der Destillerie geführt haben. Ob Michael sich auch vor Ort angestellt hat, weiß ich nicht, aber er schenkte uns den dergestalt mit Vorschusslorbeeren bedachte Tropfen aus.

  • Colour: M8 (Kupfer)

  • Nose: Nun ja, diee oben erwähnten Lorbeeren waren natürlich nicht zu riechen, aber dafür werde ich mit einer ganzen Lawine von Düften bombardiert: Nüsse, Früchte, Pflaumen, Kaffee, Vanille. Das ist schon klasse.

  • Taste: Auf der Zunge scheint es sich dann ein wenig auf die nussigen Noten zu konzentrieren. Ich schmecke Nüsse, ein cremiges Gefühl auf der Zunge, fast wie Nutella, dazu würzige Noten, vielleicht Muskat. Und viel Süße, erinnert an einen Likör.

  • Finish: Das Finish schließlich ist lang und weich, und die nussigen Noten sind immer noch da.

  • Der Whisky in der Whiskybase: 80785

Schweden: Nichts für (Blumen)kinder

Die schwedische Destillerie Mackmyra ist eine architektonische Besonderheit. Hier sind alle Elemente der Whiskyherstellung so konstruiert und angeordnet, dass das Produkt immer aus eigener Kraft fließen kann und nie gepumpt werden muss. Das heißt natürlich nicht, dass der Whisky "heruntergekommen" wäre - ganz im Gegenteil! Der Macmyra Blomstertid 46,1%, wurde in einer Mischung aus amerikanischer Eiche, Oloroso und PX Fässern gelagert, sein Finish hat der Whisky in Kirschweinfässern erhalten. "Blomstertid" heißt übrigens sowiel wie "Blumenzeit" - passend zum Frühjahr, in dem der Whisky abgefüllt wurde.

  • Colour: M8 (Kupfer) - aber etwas rötlicher als der Slyrs.

  • Nose: Auch der Blomstertid riecht recht würzig und weich. Außerdem nach Schokolade, Kirschen und Beeren. Und ein paar Zitrusnoten sind auch noch da.

  • Taste: Am Gaumen verschwindet die Würzigkeit etwas - ein paar Bitternoten sind noch da. Hier übernehmen süße Früchte das Kommando, vor allem Kirschen. Intensive Süße, fast wie Likör. Und viele schwer zu beschreibende Noten, die das ganze zu einem sehr komplexen Geschmackserlebnis werden lassen.

  • Finish: Der Abgang ist lang und fruchtig.

  • Der Whisky in der Whiskybase: 80428

Schweiz: Flaschenspiele mit Zahlendrehern

"Wir haben hier die Flaschen 106 und 107 von 105." Da regte sich auch beim fünften Whisky des Abends noch spontaner Widerspruch im Saal. - Natürlich hatte sich Michael nur versprochen. Es gab 108 Flaschen des Säntis Malt 5 yrs mit 48%, genauer gesagt der Private Cask Selection aus Cask #7725. Die 108 Flaschen wurden exklusiv für Whisky-in-Wiesbaden abgefüllt.

  • Colour: M10 (Hennarot)

  • Nose: Die Sherry-typischen Noten wie Rosinen oder Trockenfrüchte überwiegen, aber der erste Eindruck ist ein ganz anderer: das erinnert an Reifen und Gummi. Ganz kurz nur, bevor der Sherry übernimmt, aber deutlich.

  • Taste: Auch im Mund beginnt der Genuss mit einem Paukenschlag: Pfeffer! Einen Moment lang wirkt der Whisky geradezu scharf, dann mischt sich wieder die Sherrywelt in die Komposition. Und dann ... hmm, ist da eine Biernote? Vielleicht gar schales Bier? Nein, wohl doch nicht. Da hat mich wohl die Destilleriegeschichte (eigenlich eine Brauerei, der Whisky wird überwiegend in alten Bierfässern gelagert) ein bischen gefoppt. Kann zur fortgeschrittenen Zeit wohl mal passieren. Was ich mir allerdings nicht eingebildet habe, ist der Effekt, den dunke Schokolade auf den Whisky hat: plötzlich schmeckt er sehr peffrig, um danach schön weich, geradezu sanft zu werden.

  • Finish: Mittellang, die Sherrynoten klingen nach, außerdem ganz leicht bitter.

  • Der Whisky in der Whiskybase: 70246

USA: Auswanderermitbringel

Natürlich sind nicht die Auswanderer aus Schottland für den Geschmack des McCarthy's Oregon Single Malt Whiskey verantwortlich, aber eine wichtige Zutat des Batch W15-01 (42,5%, bottled: 30.03.2015) kommt schon aus der alten Heimat des Single Malt: die Gerste wurde in den Port Ellen Maltings auf Islay gemälzt und zur Whiskyproduktion nach Oregon transportiert. Und das schmeckt man ...

  • Colour: M5 (Senf)

  • Nose: Wer die rauchigen Malts von Islay mag, der wird sich hier sofort zu Hause fühlen: die Nase wird geflutet mit Rauch, Torf, würzigen und maritimen Noten. Der Eindruck von Wärme macht sich breit. Und vielleicht eine Ahnung von geräuchertem Schinken.

  • Taste: Und auch auf der Zunge findet sich viel Vertrautes für den Torfkenner: Rauch, Salz, Holz, bittere Noten, Holz. Klassisch und lecker.

  • Finish: Der Abgang hält sich mittellang und ist ebenfalls von rauchigen Noten geprägt. Ich meine auch noch eine leichte Holznote wahrgenommen zu haben, aber das in den abklingenden Aromen in der Atemluft schwer zu identifizieren.

  • Der Whisky in der Whiskybase: 86993

Von der Reise zurück

Wir waren in Schottland gestartet, und irgendwie sind wir zum Schluss auch dorthin zurückgekehrt. Dazwischen lagen viele Eindrücke, die wenig mit dem klassischen Verständnis von "Scotch" zu tun haben, und doch sehr viel mit Whisky. Die Bandbreite an Aromen und Kompositionen ist bei Whisky einfach viel breiter als in der klassischen schottischen Welt zu finden ist. Ich kann nur empfehlen, sich einmal (und immer wieder) auch auf die "Ausländer" einzulassen. Nicht jeder Whisky wird die Neugier und die Erwartungen erfüllen, aber mal ehrlich: das tut auch nicht jeder schottische Whisky. Der Einstieg über ein kurzweiliges, amüsantes und nicht zuletzt mit Informtionen gespicktes Tasting sollte es jedem leicht machen, seine Whiskywelt zu erweitern.

Zum Veranstalter gehts hier: malt'n'taste

Tasting: Cask Strength 2016

Tasting Cask Strength 2016

Der Sommer ist vorbei. Auf den Straßen stauen sich die Urlaubsrückkehrer, die Sonne scheint nur noch in sonnenbrandfreundlichen Dosen und die Temperaturen lassen einen Abend auf dem Balkon nur noch in Jacke und langer Hose zu. Wenn überhaupt.

Stattdessen kündigt sich so langsam der Herbst an, und mit ihm startet Michaels Tastingsjahr in die Rückrunde. Es gibt zwar den einen oder anderen Bekannten, der gar nicht mitbekommen haben will, dass ich beim Whisky eine Sommerpause gemacht habe (hab ich auch nicht, aber das muss ja keiner wissen), aber auf ein gepflegtes Tasting freue ich mich ohnehin jahreszeitenübergreifend ...

Für den Rückrundenauftakt hatte sich Michael einen wirklichen Knaller einfallen lassen: Fassstärke! Und als wäre das noch nicht genug, waren fünf der sechs Whiskies des Abends auch noch Einzelfassabfüllungen - die Königsdisziplin für jeden Whiskyliebhaber. An gewohnter Stätte fanden sich alte Freunde und ein paar Neulinge zusammen, und irgendwann konnte es losgehen.

  • Glenfarclas 105 10 yrs - 60%, Speyside. Ja, auf dem hinteren Etikett war das Alter vermerkt. Das ist bei den aktuellen Versionen nicht mehr der Fall. Michael hatte beim Griff ins Regal nicht die nötige Aufmerksamkeit walten lassen, so dass dieses Schätzchen in unseren Gläsern landete. Gut für uns - und auch Michael hat sich nach einem kurzen Augenblick des Erschreckens gefreut, den Whisky mit uns teilen zu können. Der Glenfarclas war die einzige Standardabfüllung des Abends, aber ein Standardwhisky ist das beim besten Willen nicht.

    • Colour: M9 (Terracotta)

    • Nose: Der erste Eindruck ist sehr stark. Kein Wunder bei 60% Alkohol, den übersieht (bzw. überriecht) man nicht. Wenn er sich ein wenig verzogen hat, erscheinen Gewürze, süße Früchte, Rosinen, und Sherry. Aber auch Holz, Holz und frischer Apfel sind präsent und komplettieren die anderen Noten zu einer sehr runden und ausgewogenen Komposition. Wenn verschiedene Fässer vermählt werden, dann hat der Blender die Gelegenheit, sein Können unter Beweis zu stellen, und das ist ihm hier (zumindest in der Nase) hervorragend gelungen.

    • Taste: Auf der Zunge gehen Bourbon und Sherry dann getrennte Wege. Im vorderen Bereich ist der Bourbon mit seinen Holz- und (weniger) Vanillenoten, hinten finde ich den Sherry (süß), die Rosinen und die (jetzt nicht mehr frischen) Äpfel. Eine so klare Trennung der Geschmacksnoten auf definierte Zungenbereiche habe ich noch nie gehabt. Sehr interessant. Mit ein paar Tropfen Wasser (im Mund verdünnt) wird der Glenfarclas dann sehr süß, die Holznoten verschwinden, der Sherry dominiert. Diesen Effekt kenne ich schon von anderen Whiskies (z.B. die Fassabfüllungen von Bunnahabhain), und nachdem die erste Sensation weg ist, werden mir die Whiskies dann oft zu ähnlich. Also lieber etwas weniger, dafür aber unverdünnt.

    • Finish: Der Abgang schleßlich ist lang und trocken. Für seinen wirklich moderaten Preis ist das ein Whisky, den man immer zu Hause haben sollte. Für sich selbst natürlich, aber auch für weniger whiskyerfahrene Gäste, denen man den berühmten "nächsten Schritt" näherbringen will, ohne ihnen gleich Rauch, die Ecken und Kanten von Einzelfässern oder gleich alles zusammen aufzutischen.

    • Der Whisky in der Whiskybase: 4002
  • Craigellachie 7yrs - 55,5%, Speyside, destilliert: November 2007 - abgefüllt: Dezember 2014, Sherry Hogshead, bottle #15/20. Craigellachie gehört nicht gerade zu den bekanntesten Destillerien. Dabei produziert man dort mit 2,7 Millionen Litern Alkohol durchaus nicht wenig. Aber bis 2014 gab es nur eine offizielle Abfüllung. Also eine versteckte Schönheit unter den Destillerien? Wir hatten eine unabhängige Abfüllung in der minimalen Auflage von 20 (zwanzig!) Flaschen im Glas. OK, aus dem Fass wurden wohl noch mehr Flaschen abgefüllt, aber tatsächlich haben ganze zwanzig Flaschen "unser" Etikett bekommen. Seltenheit macht eben doch Spaß ...

    • Colour: D1 (Pariser Rot)

    • Nose: Auch dieser Whisky riecht zu Anfang recht stark und süß. Neben Honig, Ananas, Birne (die sich im Laufe der Zeit deutlich entwickelt) und Kirsche ist auch eine deutliche Holznote vorhanden. Sherrynoten, obwohl bei dieser intensiven Färbung zu erwarten, sind zwar da, aber nicht sehr intensiv.

    • Taste: Auch auf der Zunge findet sich Holz, und das wird nach einer Weile bitter. Nicht unangenehm, eher würzig und etwas trocken. Auch süße Noten sind da: Malz, Frucht und Honig. Bemerkenswert ist, wie lange der Craigellachie auf der Zunge präsent ist.

    • Finish: Und mit der Verweildauer auf der Zunge ist der Genuss noch lange nicht vorbei. Auch das Finish ist lang, bsonders die fruchtigen Noten und der Honig halten sich noch lange.

    • Der Whisky in der Whiskybase: 64037
  • BenRiach 17 yrs - 51,9%, Speyside, destilliert: 08.07.1998, abgefüllt: Oktober 2015, Cask #5952, PX Sherry Puncheon Finish, triple distilled, 682 bottles. Und noch ein Sherryfass. Wieder aus der Speyside, diesmal von der Brennerei BenRiach, die für ihre vielfältigen Experimente mit verschiedensten Fässern bekannt ist. Hier hatten wir zusätzlich die Besonderheit, dass der Whisky dreifach destilliert wurde, wie es in Irland meistens (aber nicht immer) und in Schottland selten (aber eben nicht nie) der Fall ist.

    • Colour: M9 (Terracotta)

    • Nose: Der Whisky riecht sehr leicht, kaum etwas ist von den immerhin über 50% Alkohol zu bemerken. Die Geruchswelt erinnert an eine Blumenwiese mit ihren vielfältigen Noten von Blumen und Gräsern. Danach macht sich dann aber auch der Sherry bemerkbar, mit Anklängen an Rosinen und den klassischen Rumtopf. Und irgendwo sind auch noch Gewürznoten, vielleicht Nelken.

    • Taste: Im Gegensatz zum leichten Geruch ist der Antritt auf der Zunge intensiv, wenn auch immer noch sehr weich - vielleicht eine Folge der Dreifachdestillation. Süßer Sherry, Lakritz, Schokoladennoten, cremige Textur. Auf dem Tisch steht übrigens wie immer ein Teller mit dunkler Schokolade, der zu Experimenten einlädt. Mit einem kleinen Stück davon hat man das Gefühl, man hätte ein Mon Cherie im Mund. Das hier ist - vom leichten Aroma bis zur Schoko-Explosion im Mund - der wandlungsfähigste Whisky des Abends.

    • Finish: Der Abgang ist mittellang und bringt keine neuen Aromanuancen mehr. Aber die hatten wir ja auch vorher schon zur Genüge.

    • Der Whisky in der Whiskybase: 75411
  • Mannochmore 14 yrs - 56,5%, Speyside, Signatory Cask Strength Collection, destilliert: 07.11.1991, abgefüllt: 13.06.2007, South African Sherry Butt #16596, 590 bottles. Die Whiskies aus Signatory's Cask Strength Collection sehen in ihren bauchigen Flaschen nicht nur opulent aus, in aller Regel erfüllt der Inhalt auch die Erwartungen, die der schöne Anblick weckt. Hier hatten wir ein ganz besonderes Fass, nämlich ein Sherryfass aus Südafrika. Die meisten Sherryfässer, die in der Whiskyindustrie verwendet werden, kommen ja aus Spanien, aber dieses hier hatte einen deutlich weiteren Weg hinter sich. Grund genug für den Whiskyfan, sich auf eine Probe daraus zu freuen. Mal sehen, ob man Unterschiede schmeckt.

    • Colour: M8 (Kupfer), vielleicht etwas heller

    • Nose: Der Mannochmore ist der hellste der Sherrywhiskies heute abend. Ein Grund dafür könnte sein, dass es sich um einen trockenen Sherry gehandelt hat, was der Geruch durchaus nahelegt. Da ist wenig von der sonst typischen Süße oder den Noten von Rumtopf oder Rosinen. Es dominieren eher fruchtige Noten (Pfirsich!) und Zitrusaromen. Außerdem ist da Lösungsmittel, es erinnert an Kleber. Und im Vergleich zu den vorherigen Whiskies ist die Nase recht zurückhaltend.

    • Taste: Diese Zurückhaltung legt er allerdings auf der Zunge schnell ab. Hier ist er scharf! Aber auch süß. Und herb. Und ein bischen bitter. Na, das ist mal eine Zusammenstellung. Kaum konkrete Aromen, nur die Basisgeschmacksrichtungen. Ich bin etwas ratlos und versuche es mit einem Tropfen Wasser. Und ja, jetzt öffnet er sich mehr. In der Nase wird er deutlich fruchtiger, und auch auf der Zunge ist jetzt etwas mehr zu entdecken. Die ursprünglichen Zitrusaromen aus der Nase entwickeln sich auf der Zunge zu so etwas wie Pampelmuse. Und das passt ja auch dazu, dass vorher süße, herbe und bittere Noten da waren.

    • Finish: Mittellang und unspektakulär.

    • Der Whisky in der Whiskybase: 1240
  • Bruichladdich 10 yrs - 56,6%, Islay, Whisky Time Frankfurt 2016, destilliert: 16.06.2005, abgefüllt: 18.08.2015, Barrel #536. Im letzten Drittel des Abends wendeten wir uns nun von der Speyside einer anderen prominenten Whiskyregion Schottlands zu: der Insel Islay. Hier hatten wir einen - nicht eben typisch für diese Region - ungetorften Vertreter im Glas, aus der Destillerie Bruichladdich. Es handelte sich um eine Sonderabfüllung für die Whisky Time Frankfurt 2016, eine kleine aber feine Messe, die ein lokaler Händler mit viel Engagement auf die Beine stellt. Mein erster Besuch steht noch aus. Ich hoffe, dass ich das im nächsten Jahr nachholen kann.

    • Colour: M5 (Senf)

    • Nose: Der Farbe nach (und auch aus der Fasstypbezeichnung "Barrel" zu schließen) war hier eindeutig kein Sherry im Spiel. Kaum überraschend, dass uns zunächst einmal Holz in die Nase steigt. Das Holz riecht allerdings nicht bitter, eher feucht (frisch), dazu leicht medizinisch. Heu ist da, vielleicht Mist - was keineswegs negativ gemeint ist, es soll eher die Bilder von Natur und Landwirtschaft beschreiben, die mir dabei durch den Kopf gehen. Diese Geruchswelt geht dann über in süßere und fruchtigere Aromen: Karamell, Honig, Bienenwachs, Zimt(?), Apfel, Calvados.

    • Taste: Auf der Zunge finden wir die Aromenkomposition aus der Nase wieder, und das Holz, das in der Nase zunächst in den Hintergrund geraten war, ist wieder recht prominent da. Dazu gesellt sich die Trockenheit, die oft mit Holzaromen einhergeht.

    • Finish: Der Abgang ist mittellang, die Trockenheit der Zunge setzt sich hier fort.

    • Der Whisky in der Whiskybase: 82586
  • Caol Ila 11 yrs - 59,6%, Islay, The Angels's Share, destilliert: 2003, abgefüllt: 2014, Bourbon Barrel, 150 bottles. Den Abschluss des Abends machte wiederum ein Vertreter von Islay, und diesmal war es ein klassisch getorfter Whisky. Und doch wieder eine Besonderheit. Dieser Whisky wurde als Charity Bottling für einen guten Zweck, nämlich die Unterstützung für das Kinderhospiz Bärenherz in Leipzig abgefüllt.

    • Colour: M6 (Ocker)

    • Nose: Hier ist nun Rauch wahrzunehmen, nicht soviel, dass er die anderen Aromen erschlägt, aber doch deutlich. Der Rauch erinnert dabei eher an offenes Holzfeuer als an die klassischen Torfnoten. Dazu finden sich Gewürze, Apfel, (greäucherter) Speck und allerlei maritime Noten, von Salz über Gischt bis zum Seetang. Diese Seenoten sind nur wenig als separate Aromen wahrnehmbar, aber der Gesamteindruck ist so als stehe man irgendwo am Meer.

    • Taste: Auch auf der Zunge finden wir den Rauch wieder, ebenso wie Salz und Seetang, diesmal etwas besser separierbar. Auch die Gewürze sind noch da, jedoch spürbar weniger intensiv als in der Nase.

    • Finish: Der Abgang ist schön lang und glänzt zudem noch mit einem Hauch von Vanille, die sich in der Atemluft bemerkbar macht. Ein Abschluss, der zu dem gesamten Whisky passt: irgendwie sympathisch. Was ich von Caol Ila gar nicht erwartet hatte. Normalerweise finde ich auf Islay leicht andere Whiskies, die mir besser schmecken als Caol Ila. Aber dieser hier hat mich positiv überrascht. Und solche Überraschungen lässt man sich gerne gefallen.

    • Der Whisky in der Whiskybase: 62164

Fazit des Abends: Es war wieder mal ein gelungenes Tasting mit tollen Whiskies, toller Moderation und tollen Gästen. Und obwohl Fassstärke ganz sicher kein "Anfängerthema" ist, haben sich auch diesmal wieder einige Gäste zu uns "getraut", die noch nie zuvor ein Whiskytasting besucht hatten. Ich würde mich freuen, wenn es nicht das einzige bleibt. Wir jedenfalls kommen wieder. Aber alles andere würde man mir ja sowieso nicht glauben ...

Zum Veranstalter gehts hier: malt'n'taste

Tasting Cask Strength 2016
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