Whiskywichteln 2017

Whisky

Die Facebook-Gruppe der Frankfurter Whisky-Enthusiasten hat sich mittlerweile zu einem weiteren Anlaufpunkt für uns entwickelt. Wir wohnen zwar ein bisschen weiter draussen im Umland, so dass wir nicht jede Veranstaltung mitnehmen können (die Taxipreise sind nämlich ebenso hochprozentig wie die Getränke), aber diesmal waren wir beim Stammtisch. Und weil das der letzte vor Weihnachten war, wurde gewichtelt: jeder, der teilnehmen wollte, hatte ein Sample, nur mit seinem Namen beschriftet, mitgebracht, und ebenso durfte sich jeder eines dieser Samples aus dem Lostopf ziehen. Auf meinem Sample stand "Jan", und da wir schon öfters einen ähnlichen bis gleichen Whiskygeschmack bei uns gefunden hatten, freute ich mich auf einen leckeren Dram.

Colour: Der Whisky war relativ hell, aber nicht so hell, dass man auf ein klassisches Ex-Bourbon-Fass hätte schließen können. Entweder hat der Whisky sehr lange in einem Bourbon-Fass gelegen oder er ist vor der Abfüllung nochmal umgezogen. Das sollte man ja herausfinden können ...

Nose: Hier zeigt sich schnell, dass da mehr als Ex-Bourbon am Werk war. Die erste Nase ist sehr würzig. Relativ wenig Holz, dafür dunkle Früchte (Brombeeren?). Der Alkohol kommt langsam durch. Am Anfang habe ich gar nichts gemerkt (der Traum vom alkoholfreien Whisky lebt ...), aber so langsam bemerkt man ihn durchaus. Insgesamt lässt sich der Whisky aber ein wenig bitten, ich finde nur relativ wenige Aromen in der Nase.

Taste: Der Whisky schmeckt zunächst mal deutlich süß, aber er hat eine leicht säuerliche Note dahinter. Außerdem bizzelt er an der Zungenspitze - und nur dort. Jetzt bekommt die Süße Aroma, deutlich karamellig, vielleicht auch ein bisschen würzig. Früchte finde ich jetzt kaum noch, wenn dann als Kompott.

Finish: Der Abgang ist durchaus stark, geht aber kaum tief. Dafür halten sich die Aromen noch ein Weilchen am Gaumen, was mir definitiv gefällt.

Wertung:

Tja, was ist das für ein Whisky? Ich würde auf ein Alter von etwa zehn Jahren tippen, vielleicht etwas mehr. Es dürfte sich um ein Finish handeln, jedoch kein sehr intensives. Mein Tipp wäre ein trockener Sherry, vielleicht ein Fino (das kenne ich von der Oban Distillers Edition, das würde schon in etwa hinkommen, wenn meine Erinnerung mich nicht trügt). Und woher? Für einen Speysider ist er mir ein wenig zu kantig, aber nicht viel. Ich vermute die Highlands als Herkunft.

Wie immer hat es großen Spaß gemacht, im Dunklen zu tappen. Mal schauen, wie nahe ich dem Lichtschalter gekommen bin. Vielen Dank, Jan, für ein spannendes Rätsel!


Die Auflösung

Daneben getippt, wie immer!

Aber vielleicht doch nicht sooo weit daneben. Ich hatte einen BenRiach von Ian MacLeod (aus der Chieftains-Serie) im Glas, 16 Jahre alt, 46% und mit einem Aloxe Corton Wine Finish.

Also ein Speysider, was ich ja eigentlich ausgeschlossen hatte. Mit 16 Jahren ist er auch älter, als ich angenommen hatte. Mehr als 12 Jahre hätte ich ihm nicht gegeben. Also zwei Fahrkarten bei Region und Alter geschossen. Aber immerhin lag ich mit meiner Vermutung richtig, dass es sich um ein Finish gehandelt hat. OK, kein trockener Sherry, aber mit Wein immerhin ein Finish, das nicht unbedingt extrem süß ausfallen muss. Beim Alkoholgehalt hatte ich mich nicht festgelegt, aber 46% deckt sich schon so ungefähr mit dem, was ich geschmeckt habe. Klar, kann hinterher jeder behaupten, stimmt aber.

Das Finish musste ich erstmal googeln. Wikipedia hat ausgeholfen: Aloxe-Corton ist ein Weinbaugebiet in Frankreich, etwa auf halber Strecke zwischen Paris und Marseille. Hier werden fast nur Rotweine hergestellt. Ob der Whisky auch in einem Rotweinfass gelegen hat, habe ich nicht herausgefunden. Nach den Noten, die ja auch ein paar dunkle Früchte enthielten, könnte das schon sein. Und auch wenn ich finde, dass die Farbe eher für ein gehaltvolles Weißweinfass spricht, wäre das angesichts der Seltenheit wohle eher ein Zufall. Wahrscheinlicher ist ein vorher schon mindestens einmal verwendetes Rotweinfass.

Fazit: Spaß gehabt, wieder mal etwas dazugelernt und einen leckeren Whisky getrunken. Immer wieder gern!

Der Whisky in der Whiskybase: 71134

Zur Destillerie gehts hier: BenRiach

Tasting: Kilchoman, September 2017

Tasting Kilchoman September 2017

Tasting Time! Im September (ja, ich weiß, ist schon wieder viel zu lange her ...) waren wir wieder mal in der üblichen Besetzung im Gasthaus Zur Linde: Michael, viele Stammgäste (darunter wir), einige Neue (auch das ist eine schöne Konstante der Tastings) und natürlich viele leckere Whiskys. OK, genaugenommen wussten wir das zu Beginn des Tastings natürlich noch nicht, aber da kann man sich auf Michael schon verlassen. Zumal es diesmal um eine sehr interessante Destillerie ging, die uns noch nie enttäuscht hat, weder mit ihren Whiskys noch mit den Erlebnissen vor Ort.

Es geht um Kilchoman, die kleinste und (derzeit noch) jüngste Destillerie auf Islay. Seit 2005 arbeitet man dort mit viel Enthusiasmus und Liebe zum Detail. Eine der Besonderheiten ist, dass bei Kilchoman der gesamte Prozess der Whiskyherstellung an einer Stelle vereint ist, vom Gersteanbau auf der benachbarten und zur Destillerie gehörigen Farm bis zur Flaschenabfüllung und -etikettierung in der ebenfalls hauseigenen Abfüllanlage. Natürlich wird auch allerlei zugekauft (z.B. Malz aus den Maltings in Port Ellen, bei denen man mangels Abnahmemenge kein eigenes Herstellungsprofil bekommt und stattdessen nach den Ardbeg-Spezifikationen einkauft), aber der in Eigenregie hergestellte Whisky reicht immerhin aus, um eine "100% Islay" Abfüllung jedes Jahr anbieten zu können.

Uns ist die Destillerie sehr sympathisch, und die Whiskys von dort haben uns bisher noch nie enttäuscht. Insbesondere der immer gut zu identifizierende Destilleriecharakter hat es uns angetan. Viele Gründe, sich auf sechs Whiskys zu freuen.

Na gut, der erste Whisky des Abends kam nicht aus Kilchoman. Michael spendierte einen "Kalibrierungsdram", um die Zunge an die höheren Alkoholstärken des Abends zu gewöhnen. Um auch die Distanz der Kilchomans zu klassischen Whiskys zu verdeutlichen und einzuordnen, wo in der Whiskywelt wir heute unterwegs sein würden, hatte Michael einen Glen Grant 12yo (43%) ausgewählt, einen klassischen Ex-Bourbon-Fass Whisky: hell, leicht, mit Noten von Holz, Vanille und frischem Apfel.

Danach ging es aber los ...

Kilchoman Summer Release 2010

Gleich der erste Kilchoman des Abends war eine echte Besonderheit. Der Summer Release 2010 war eine der ganz frühen Abfüllungen der Destillerie, der mit drei Jahren gerade mal das Mindestalter hat, um sich Whisky nennen zu dürfen. Der Whisky ist eine Vermählung aus frischen und wiederbefüllten Bourbon Casks und wurde mit 46% abgefüllt. Insgesamt gab es 17000 Flaschen (oder 17500, da waren sich die Quellen nicht ganz einig). Die Flaschenform ist übrigens noch nicht die heute übliche; sie ist deutlich weniger wuchtig als die heutigen Flaschen.

Colour: M2 - Mais

Nose: Wir riechen zuerst mal Salz, Räucherlachs und Rauch. Fast wie am Grill am Distillery Open Day während des Festivals. Sehr schöner Auftakt. Ein wenig Holz und Vanille würde man bei dem Fasstyp ja noch erwarten, aber da ist höchsten ein ganz leichter Anklang. Zumindest die Vanille setzt sich später besser durch, als wir ein paar (sehr wenige!) Tropfen Wasser hinzugefügt haben. Und dann kommen auch Schinken, ein paar Zitrusnoten, und schottische Haggis-Chips (für Kenner: Mackies) dazu.

Taste: Auf der Zunge merkt man dann schon, dass der Whisky sehr jung ist. Salz und Rauch sind auch hier wieder vorhanden, dazu eine gewisse Bitterkeit, Gras und später eine angenehme Honigsüße. Die Wassertropfen, die auf der Nase noch deutliche Änderungen hervorgerufen hatten, haben auf der Zunge keine spürbare Wirkung mehr.

Finish: Im Abgang bleibt der Rauch noch eine ganze Weile erhalten, ansonsten fällt das Finish eher kurz aus.

Wertung:

Gar nicht mal schlecht für einen so jungen Whisky. Wenn ich mich nicht irre (was aber durchaus leicht sein kann, die Eindrücke liegen zeitlich doch weit auseinander), dann war Kilchoman mit seinem Dreijährigen deutlich weiter als zum Beispiel Wolfburn. Mir fehlt dennoch ein bisschen was: Alter oder Akoholstärke oder Finish: irgendwas müsste noch dazukommen, damit er in meinem Regal landen kann.

Der Whisky in der Whiskybase: 17624

Kilchoman Private Cask Release 9.5yo

Der zweite Whisky des Abends markierte das andere Ende des Altersspektrums im Tasting. Mit 9,5 Jahren (also nach korrekter Messung ein Neunjähriger) gehörte der Whisky zum Abfüllungszeitpunkt (destilliert am 07.06.2006, abgefüllt am 14.12.2015) wohl mit zum ältesten, was die Destillerie zu bieten hatte. Hier handelte es sich um ein Einzelfass, das Bourbon Hogshead #90/2006. Abgefüllt wurden 214 Flaschen mit 55,2%, und zwar in einer Privatabfüllung für La Table de Urs Hauri, einen Eventgastronomen und Spirituosenhändler aus Bern.

Colour: M2 - Mais

Nose: In die Nase dringen viele fruchtige und weiche Noten. Welche Früchte genau finden wir allerdings nicht heraus. Dann gesellt sich der Rauch dazu, eher dezent, nicht ganz Kilchoman-typisch. Und Schokolade ... oder Nougat ... oder ... hmm .. wir einigen uns auf die Füllung eines MilkyWay-Riegels: schokoladig, schmelzend und immer noch schön weich.

Taste: Auf der Zunge kommt erstmal ... gar nichts? Nur einen Momentt lang bleibt das Fragezeichen im Gesicht, dann ist der Rauch da. Diesmal etwas kräftiger als auf der Zunge. Und dann, wieder einen Moment später, ist der Mund plötzlich übervoll mit Grillaromen: immer noch Rauch, dazu Salz und gegrilltes Fleisch (das mit dem intensiver gewordenen Rauch fast ein wenig angebrannt schmeckt). Von der Fruchtigkeit in der Nase ist nichts übrig, jetzt haben wir ein Barbequeue vor uns. Lecker!

Finish: Das Finish ist lang und warm, wie ein Holzkohlegrill an einem Sommerabend, der nach dem Grillen noch stundenlang nachglüht und angenehme Wärme abgibt, wenn die Abendluft langsam kühler wird. OK, das Finish hat natürlich nicht Stunden gedauert, aber das Gefühl des langen und langsamen Verklingens war sehr schön da. Geradezu gemütlich.

Wertung:

Das war schon ein ganz anderes Kaliber als der Auftaktwhisky. Herr Hauri hat offensichtlich ein gutes Händchen bei der Fassauswahl. Das sollte ich mir merken, nur für den Fall, dass es mich mal nach Bern verschlägt.

Der Whisky in der Whiskybase: 77439

Kilchoman Machir Bay 2014

Jetzt war wieder eine Standardabfüllung an der Reihe. Wobei dieser Begriff bei Kilchoman nicht immer so ganz zutrifft. Im Gegensatz zu anderen Destillerien und Marken (insbesondere den richtig großen im Markt), bei denen die Standardabfüllugnen gezielt darauf getrimmt sind, über die Batches hinweg möglichst identisch zu schmecken (und auszusehen), sind die Standardabfüllungen bei Kilchoman mit der Jahreszahl der Veröffentlichung versehen. Unterschiede über die Batches und Jahre hinweg werden akzeptiert und sind für Kenner gerade ein besonders interessanter Vergleichspunkt.

Hier gab es einen Machir Bay aus 2014. Ein Alter wird nicht angegeben, aus den üblichen "gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen" hört man Altersangaben im Bereich von fünf oder sechs Jahren. Der Machir Bay wird in 1st fill Bourbon Casks gelagert und erhält ein (sehr kurzes: nur vier Wochen!) Finish in Oloroso Sherry Butts. Abgefüllt wird er mit 46%.

Colour: M4 - Bernstein

Nose: In der Nase finden wir Früchte, Zitronengras, Karamell, ganz wenig Vanille und erneut nur leichten Rauch. Da überwiegt ganz deutlich der Einfluss des Bourbon-Fasses, und im Kopf bildet sich ein leichtes Vorurteil: "Na, bei einem sooo kurzen Finish kann ja nichts hängen bleiben." Mal sehen, ob sich das auf der Zunge erhärtet.

Taste: Auch hier nur wenig Rauch. Vielleicht hatte ich in letzter Zeit zu viele Einzelfässer oder fassstarke Abfüllungen aus Kilchoman im Glas, die meine Erwartung trüben? Ich hätte bei Kilchoman eigentlich mehr Rauch erwartet. Schlecht tut ihm das aber nicht. Trotz eines sehr kräftigen Eindrucks wirkt er runder als der vorherige Whisky. Am Gaumen ist er richtig fruchtig und ein bisschen süß, eher dunkle und schwere Früchte.

Finish: Der Abgang ist mittellang und nicht sonderlich warm. Er spielt sich im Wesentlichen am Gaumen ab, also genau dort, wo auch der letzte Eindruck aus dem Mundraum hängen geblieben ist.

Wertung:

Das Vorurteil nach der Begutachtung in der Nase hat sich nicht bestätigt. Im Mund legt der Machir Bay deutlich in Richtung Sherrynoten nach, gerade die fruchtigen Noten am Gaumen. Aber eben nur genau soviel, dass eine bemerkenswerte Balance zwischen beiden Fasstypen erreicht wird. Hätte man das Finish im Sherry Butt verlängert, dann wäre es ein Sherry-Whisky geworden. Vermutlich auch nicht schlecht, aber so haben wir die deutlich seltenere Spielart einer hervorragenden Balance. Der Machir Bay steht definitiv auf meiner Merkliste.

Der Whisky in der Whiskybase: 54542

Kilchoman Single Cask Release PX Cask Finish bottled for Whisky.fr

Auch La Maison du Whisky, erst vor Kurzem als Opfer eines spektakulären Einbruchs in der Presse, hat sich eine (firmen)eigene Abfüllung aus Kilchoman gegönnt. In diesem Fall waren das 262 Flaschen, die mit 55,1% abgefüllt wurden. Ursprünglich hat der Whisky für fünf Jahre in einem Fresh Bourbon Cask (#575/2008) gelegen, danach hat er ein Finish in einem PX Sherry Cask bekommen. Destilliert wurde er am 6.11.2008, abgefüllt am 28.04.2014.

Colour: M7 - Safran

Nose: Diesmal finden wir den Sherry deutlich in der Nase. Dazu Pflaumen und Rosinen aus dem Sherryfass, Karamell aus dem Bourbon-Fass und Salz - tja, woher auch immer. Vielleicht aus dem Destillat. Rauch ist natürlich auch vorhanden, aber wiederum weniger als erwartet.

Taste: Und auch auf der Zunge ist der Sherry deutlich vorhanden, dazu wieder die typischen Noten rund um das Sherryfass: Süße, dunkle Früchte, Rosinen. Viel Alkohol, viel Rauch. Der Whisky hat ganz leichte Bitternoten, und auch Karamell und Walnussnoten schmecken wir. Mit ein paar Tropfen Wasser wird er schließlich sehr süß.

Finish: Der Abgang ist lang und angenehm warm.

Wertung:

So mag ich Kilchoman!

In der Whiskybase habe ich den Whisky nicht gefunden.

Kilchoman Loch Gorm 5th Edition

Als nächstes war nun wieder eine Standardabfüllung an der Reihe. Wobei "Standard" bei Kilchoman ja so eine Sache ist. Auch den Loch Gorm, benannt nach dem in der Nähe der Destillerie liegenden größten See auf Islay, gibt es in Jahresbatches. Hier hatten wir die Ausgabe von 2017, die 2009 destilliert und in Oloroso Sherry Butts gelagert wurde. Abgefüllt mit 46% wurden 13500 Flaschen.

Colour: M8 - Kupfer

Nose: Verglichen mit den vorherigen Whiskys des Abends wirkt der Loch Gorm ein wenig kantig in der Nase. Ich weiß nicht recht, wie ich das anders ausdrücken soll. Mit seinem Rauch und der bissigen Schärfe ist er sehr präsent. Aber auch die Frische der Aromen, z.B. die leichte Orangennote, trägt dazu bei. Und natürlich hat er viel Sherry.

Taste: Im Mund ... oh, da ist er überall! Er füllt den Mund vollständig aus, überall spürt man ihn. Dabei ist das nicht der Alkohol, wie mir scheint, den den finde ich erst ganz hinten und tief im Hals. Vorne ist er ganz schön süß, mit nur wenig Rauch. Und einem kleinen Schuss Bitterkeit und deutlich herben Fruchtaromen.

Finish: Der Abgang ist nicht besonders lang. Besonders kurz aber auch nicht. Eindeutig "mittel".

Wertung:

Der Loch Gorm hat viele Freunde. Und ich finde: absolut zu Recht. Hier zeigt sich, wie gut eine Destillerie arbeiten kann. Der einzigartige Destilleriecharakter ist klar vorhanden, Sherrynoten und Rauch sind präsent, aber nicht übertrieben, und alle Elemente sind exzellent aufeinander abgestimmt.

Der Whisky in der Whiskybase: 94342

Kilchoman Single Cask Release "The German Tasting Tour 2010"

Allgemein eher untypisch, aber bei Michael auch nicht ganz unerwartet, schließt das Tasting mit dem jüngsten Whisky ab. Na ja, fast, denn der erste Whisky des Abends war ja auch nur drei Jahre alt. Im Gegensatz zum Eröffner hat der Beschließer aber seine drei Jahre (22.11.2006 - 16.08.2010, um genau zu sein) in einem Fresh Sherry Butt (#332/06) verbracht und wurde in Fassstärke (61%) als Einzelfass abgefüllt, aus Anlass der "German Tasting Tour 2010".

Wer Michaels Rat, sich von allen Whiskys ein wenig aufzuheben, gefolgt ist, der hatte jetzt die Gelegenheit, zwei gleich alte, aber sehr unterschiedliche Whiskys zu vergleichen. Ich gestehe: mein "erstes" Glas war zu diesem Zeitpunkt schon leer ...

Colour: M5 - Senf

Nose: Die Nase ist überraschend leicht für einen Whisky mit 61% Alkohol. Schön fruchtig, leicht speckig und mit viel Süße.

Taste: Auch auf der Zunge ist der Whisky zunächst mal weich und sehr süß, mit vielen Sherrynoten. Dann folgt eine kurze Pause, in der ich mich schwer tue, ihm überhaupt irgendwelche Noten abzuringen. Und dann: viel Alkohol, und das ganz schön plötzlich! Und mit dem Alkohol kommen speckige Noten, Rauch und eine deutliche Schwere, die sich im Mundraum bemerkbar macht. Als hätte man jetzt einen Schluck vom Bodensatz des Fasses erwischt.

Finish: Und wo der Whisky gerade mal dabei ist, mit Alkohol Rauch und Schwere um sich zu werfen, ist auch das Finish lang und heiß, und es reicht bis tief in den Bauch hinein.

Wertung:

Das war ein würdiger Abschluss eines großartigen Tastings!

In der Whiskybase habe ich den Whisky nicht gefunden.

Kilchoman wird nie langweilig

Ein Tasting, das nur eine einzige Destillerie "bietet", ist sicher eine Herausforderung für den Moderator. Das ist kein Anfängertasting, und die Zielgruppe ist entsprechend klein. Für erfahrene Teilnehmer ist es aber ein Hochgenuss, eine Destillerie in ihrer Vielschichtigkeit kennen zu lernen. Und hier muss ich zugeben: auch wenn ich vorher gewusst hatte, dass Kilchoman exzellente Whiskys hat, hätte ich nicht gedacht, eine solche Breite an Aromen und Kompositionen zu erleben. Noch dazu, wo Kilchoman erst seit 2005 existiert, also noch gar nicht so viel Zeit hatte, ein breites Profil zu entwickeln. Tolle Destillerie, tolles Tastingthema, toller Abend!

Zur Destillerie gehts hier: Kilchoman

Tasting Kilchoman September 2017

As We Get It - Islay Single Malt

As We Get It - Islay Single Malt

Ian MacLeod war vor kurzem in aller Munde. Jedenfalls in der Whiskyszene. Nicht mitbekommen? Na, der Name des Unternehmens blieb auch in der Tat etwas im Hintergrund, zu Gunsten der Destillerie, deren Wiedereröffnung angekündigt wurde. Nein, natürlich nicht Port Ellen und Brora, die gehören bekanntlich zum Diageo-Imperium. Die Meldung zu Rosebank in den Lowlands kam ein paar Tage danach und löste bei Kennern eine ähnliche Begeisterung aus.

Aber Rosebank ist nicht das einzige Pfund, mit dem Ian MacLeod wuchern kann: neben den aktiven Destillerien Glengoyne und Tamdhu hat man auch Bottling Serien wie Chieftains und Dun Bheagan oder Abfüllungen wie Smokehead (ein Islay Single Malt aus ungenannter Destillerie) am Markt. Und auch abseits der Whiskywelt vertreibt man mit Edinburgh Gin oder Atlantico Rum bekannte Namen und leckere Getränke.

Wir hatten diesmal eine Whiskyabfüllung aus einer keinen Serie im Glas, die gleichermaßen geheimnisvoll wie ehrlich ist. Die As We Get It Whiskys verschweigen notgedrungen ihre Herkunftsdestillerie. Das Statement hinter dem Namen lautet aber: Das ist genau der Whisky, der aus dem Fass gekommen ist. Keine Vermählung, keine Verdünnung, keine Färbung, keine Kühlfiltrierung. Aber woher? Immerhin darf die Herkunftsregion genannt werden, und unserer kam aus Islay und wurde mit 57,1% abgefüllt. Auch der Fasstyp ist bekannt: der Whisky lag in Ex-Bourbon Casks. Da wäre man angesichts der Farbe allerdings auch selbst drauf gekommen ...

Colour: C3 - Stroh

Nose: Huii! Der Alkohol, der einem in die Nase schlägt, brennt ja schon fast auf der Zunge, wenn man nur daran riecht. Kurz durchgeatmet und gewartet, bis sich die Alkoholwolke verzogen hat, dann wieder über das Glas mit der Nase. Jetzt riecht der Whisky süß und fruchtig. Es sind helle Früchte, frisch und leicht, wir reden hier nicht von den schweren, dunklen Früchten, die mit der Reifung in Sherry- oder anderen Süßweinfässern kommt. Dann finden wir Malz - die angekeimten und durch Hitzetrocknung in ihrer Keimung unterbrochenen Körner - und leichten Rauch. Auch der Rauch erscheint frisch, wie an einem brennenden Lagerfeuer. Der nächste Eindruck ist der einer Strohscheune, die im wahren Leben natürlich lieber nicht neben einem zündelnden Lagerfeuer erscheinen sollte. In der Welt der Whiskyaromen besteht da natürlich kein Risiko. Und noch ein Gedanke: Irgendwie erinnern die Aromen an New Make Spirit, vor allem die Kombination von Süße, Fruchtigkeit und Rauch. Der Whisky dürfte noch ziemlich jung sein. Oder das Fass war schon ausgelutscht. Jedenfalls sind kaum Fassnoten in den Whisky gedrungen. Mal schauen, ob das auf der Zunge anders ist.

Taste: Der erste Eindruck auf der Zunge ist süß, mit nur wenig Alkohol. Hmm. Sollte der ganze Alkohol in die Nase gegangen sein? Ähh, nein, mit kurzer Verzögerung und dafür schlagartig kommt viel Alkohol auf der Zunge an, verbunden mit viel Rauch. Die anfängliche Süße bleibt aber da und verbindet sich mit dem Rauch und der alkoholischen Schärfe zu einer sehr attraktiven Kombination. Interessant ist, dass auch auf der Zunge kein Holz und keine Vanille zu finden sind (was sich mit den Eindrücken aus der Nase deckt), die Süße jetzt aber deutlich schwerer geworden ist, wie klebriger Zucker und Karamell. Da war wohl doch das Fass am Werk, aber es ist schon ungewöhnlich, dass die Holznoten so selektiv in ein einziges Aromaelement fließen.

Finish: Nachdem sich der Alkohol im Mund dann doch noch durchgesetzt hat, beeinflusst er auch den Abgang, der warm und kraftvoll bis weit in den Hals hinunter zu spüren ist.

Wertung:

Der "As We Get It" von Islay ist ganz klar ein sehr junger Whisky. Ich bin mir ncht sicher, ob er ganze fünf Jahre auf dem Buckel hat. Der Gesamteindruck ist durchaus noch in der Nähe des New Make Spirit, Fasseinflüsse sind schwer zu finden. Trotzdem finde ich in der Kombination aus Süße und Rauch einen sehr Islay-typischen Geschmack, der - verbunden mit dem hohen Alkoholgehalt - angenehm kraftvoll ist, ohne brutal oder roh zu wirken. Der Whisky steht jedenfalls auf der Liste, wenn wir mal wieder einen günstigen Everyday-Dram mit "Heimatgefühl" brauchen. (Und die anderen "As We Get It" Abfüllungen stehen auf der Neugierliste.)

Der Whisky in der Whiskybase: 43491

Zum Abfüller gehts hier: Ian MacLeod

Bruichladdich Ancien Regime

Bruichladdich Ancien Regime

Den Bruichladdich Ancien Regime mit 46% gab es als Festivalabfüllung zum Feis Ile 2011. Ein Sample davon hat zu uns gefunden, und wir haben ihn natürlich verkostet.

Destilliert wurde der Ancien Regime am 18.06.1998, abgefüllt 2011. Das macht ein "legal age" von 12 Jahren. Gelagert wurde er in Ex-Bourbon Casks, und abgefüllt hat man 2500 Flaschen. Wenn man den Angels' Share überschlagsweise abzieht, dann hat man dafür etwa zehn Fässer benutzt - vorausgesetzt, es waren 0,7-l-Flaschen.

Colour: M6 - Ocker

Nose: Nur wenig Alkohol strömt in die Nase, passend zur relativ niedrigen Trinkstärke. Wir riechen dafür Klebstoff, (wenig) Holz, süße Noten mit einem leicht säuerlichen Stich (ich meine frische Säure aus Früchten, nicht etwa saure Milch oder so etwas), Süßholz und Hustensaft. Weniger diese süßen Kindersäfte, eher medizinisch und würzig. Vanille ist für einen Whisky aus Ex-Bourbon Casks nur sehr wenig zu bemerken. Sie erinnert ein bisschen an eine Vanilleschote: ölig, säuerlich, bitter. Naja, diese letzten Noten sind natürlich ebenfalls nur ganz leicht vorhanden und markieren nur die Richtung, in der die Vanillenote von der gewohnten Richtung anderer Ex-Bourbon-Whiskys abweicht.

Taste: Auch im Mund finden wir nicht sehr viel Alkohol. Vielleicht liegt das daran, dass er sich nicht so sehr als Schärfe auf der Zunge bemerkbar macht, sondern eher etwas ätherisch im Mundraum. Der Whisky hat viele würzige Noten, die für Ex-Bourbons typische Süße ist zwar vorhanden, bleibt aber elegant im Hintergrund, drängt sich nicht auf. Holznoten sind vorhanden und bleiben lange auf der Zunge. Beim Schlucken kommen dann noch Aromen, die uns an Pflaumenwein erinnern. Auch hier finden wir eine ganz leichte Säuerlichkeit. Der Eindruck, der am nachhaltigsten bleibt, ist aber der von Weichheit und Wärme.

Finish: Die Wärme setzt sich auch im Finish fort. Lang, warm und tief verabschiedet sich der Ancien Regime.

Wertung:

Auch wenn Ex-Bourbon Whiskys nicht meine bevorzugte Beute sind: dieser hier ist ein leckerer Vertreter seiner Art. Der dürfte gerne wiederkommen.

Der Whisky in der Whiskybase: 21966

Zur Destillerie gehts hier: Bruichladdich

Bruichladdich MoS Valentine's Kiss

Bruichladdich MoS Valentine's Kiss

Es ist schon eine ganze Weile her, dass wir auf der Limburger Whiskymesse am Stand von Malts of Scotland (MoS), einem exzellenten unabhängigen Abfüller aus Paderborn, standen und uns überlegten, was wir denn so als nächstes probieren könnten. Die Wahl meiner Frau fiel auf den Bruichladdich mit dem hübschen Beinamen Valentine's Kiss. Den hatte er laut Flaschenetikett von Robin Laing bekommen, dem schottischen Barden, den wir vom Bruichladdich Day 2015 kannten und der (wie wir erst viel später erfahren haben) auch zu dem Gremium gehört, das unter Beigabe von blumigen bis schrägen Beschreibungen die Fässer der SMWS zur Abfüllung freigibt.

Als meine Frau nach jemandem suchte, der ihr einen Dram dieses Whiskys verkaufen und einschenken würde, fiel ihr Blick am Stand auf - "nee, ne" - Robin Laing selbst, der für MoS nicht nur Tasting Notes und Whiskynamen kreiert, sondern auch bei Whiskymessen am Stand Präsenz zeigt. Nach ein paar Augenblicken der Verblüffung, ein paar freundlichen Worten und einem gemeinsamen Foto hatte meine Frau dann den Whisky im Glas.

Dabei handelte es sich wie schon erwähnt um einen Bruichladdich von MoS. Das Fass war das Port Wine Hogshead "MoS 15079". Wo das Fass gelagert wurde, ist mir dabei nicht ganz klar. Die Fassnummer deutet eigentlich auf das MoS-eigene Warehouse in Paderborn. Allerdings steht auf der Flasche "Single Malt Scotch Whisky", das nach aktueller Regelung bedeuten würde, dass auch die Lagerung in Schottland stattgefunden haben muss. Ob das 2015 (Zeitpunkt der Abfüllung, destilliert wurde 2003) noch anders war, weiß ich nicht. In jede der 277 abgefüllten Flaschen sind noch 56,2% Alkohol gekommen. Die rechts abgebildete Flasche #243 habe ich erst später in einer Flaschenteilung "mit Altglas" erstanden. Und damit habe ich auch eigentlich schon verraten, wie der Messedram uns geschmeckt hat ...

Colour: M8 - Kupfer

Nose: Im ersten Moment ist der Alkohol recht dominant in der Nase, aber dann kommen sofort rote Früchte, ein wenig Tabak und ein paar "muffige" Noten. Wir finden auch kandierten Zucker, es riecht nach Karamell oder Creme Brullee. Später übernehmen dann Portweinnoten das Kommando: dunkel, zähflüssig und klebrig. Wer sich noch mehr Zeit nimmt (und dieselben Assoziationen hat wie wir), der findet zum Schluss noch etwas Sandelholz. (OK, zugegeben, ich habe keine Ahnung, wie Sandelholz genau riecht. Da habe ich mich voll und ganz auf meine Frau verlassen. Aber irgendwas würziges und holziges habe ich auch registriert.)

Taste: Im Mund ist der Alkohol weniger stark als gedacht. Dafür belegt eine schwere Süße die Zunge. Der Mund ist voller Aromen, die an Sherry erinnern, also dunkle Früchte, Rosinen und der berüchtigte Rumtopf. Aber - und das liegt vermutlich daran, dass es eben ein Portfass war - die Aromen sind alle ein bisschen herber und dunkler als bei der klassischen Sherrybombe. Und das ist für meine Zunge sehr angenehm.

Finish: Der Abgang ist lang und warm, reicht bis tief in den Hals. Der ganze Rachenraum scheint voll mit ätherischen Gasen zu sein. Bemerkenswert ist allerdings, dass die geschmacklichen Anteile schneller verschwinden als die eigentliche Präsenz. Zum Schluss ist also nur noch Wärme da, und ein bisschen von der Spannung, die Alkohol auf der Zunge und im Mund erzeugt. Den Genuss der Aromen sollte man bis dahin erledigt haben.

Wertung:

Der "Valentine's Kiss" ist ein ganz hervorragender Whisky, wenn man Portweinnoten mag. Bei mir trifft das zu, deshalb schmeckt er mir ausgezeichnet. Wer die intensive Süße von Sherryabfüllungen mag, dem fehlt vielleicht das letzte Stück zum Glück.

Der Whisky in der Whiskybase: 78120

Zur Destillerie gehts hier: Bruichladdich

Whisky ist ein alkoholisches Getränk. Gehen Sie verantwortungsbewußt damit um. Genießen Sie Qualität in kleinen Mengen. Gefährden Sie nicht Ihre Gesundheit.

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